: Tom Wolfe
: Das Königreich der Sprache
: Karl Blessing Verlag
: 9783641209230
: 1
: CHF 5.40
:
: Kulturgeschichte
: German
: 224
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
In den vergangenen 150 Jahren wurden von der Entdeckung des Penizillins über die Entschlüsselung der menschlichen DNS bis zum Nachweis des Higgs-Bosons kolossale Fortschritte gemacht. Doch an einer der drängendsten Fragen der Menschheitsgeschichte - Wo liegt der Ursprung der menschlichen Sprache? - scheitert die Wissenschaft bis heute. Das hat, wie Tom Wolfe genüsslich darlegt, führende Forscher von Charles Darwin bis Noam Chomsky jedoch zu keiner Zeit davon abgehalten, grandiose Erfolge zu verkünden, die gar keine waren, Konkurrenten zu diffamieren, anstatt eigene Fehler einzugestehen, und generell des Kaisers neue Kleider in den schillerndsten Farben zu beschreiben.

InDas Königreich der Sprachevertritt Wolfe die These, wonach die Sprache die erste kulturelle Leistung des Menschen und somit nicht mit der Evolutiontheorie oder wissenschaftlicher Systematik zu erklären ist.

Tom Wolfe, 1930 in Richmond, Virginia, geboren, arbeitete nach seiner Promotion in Amerikanistik als Reporter u.a. fürThe Washington Post,Esquireund arper's. In den 1960er-Jahren gehörte er mit Truman Capote, Norman Mailer und Gay Talese zu den Gründern des"New Journalism". Der vielfach preisgekrönte Schriftsteller (National Book Award u.a.) war mit Büchern wieThe Electric Kool-Aid Acid Test (1968) international längst als Sachbuchautor berühmt, ehe er mitFegefeuer der Eitelkeiten(1987) seinen ersten Roman vorlegte, der auf Anhieb zum Weltbestseller und von Brian de Palma mit Tom Hanks verfilmt wurde. Es folgten mitHooking Upeine Sammlung von Essays und Erzählprosa (Blessing 2001) und weitere erfolgreiche Romane, darunterIch bin Charlotte Simmons(Blessing 2005) und der SPIEGEL-BestsellerBack to Blood(Blessing 2013). Zuletzt erschienDas Königreich der Sprache(Blessing 2017). Tom Wolfe verstarb im Mai 2018 in New York.

K A P I T E L  I

D A S  T I E R,  D A S  S P R A C H

Eines schönen Abends im Jahr 2016 surfte ich im Netz, das Gesicht von weiß Gott wie vielen Milligauss Elektrosmog durchglüht, als ich auf einen Webknoten stieß und las:

The mystery of language evolutionI

I Der Artikel war inFrontiers in Psychology erschienen, 7. Mai 2014, abrufbar unter http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fpsyg.2014.00401/full

Wie es aussah, verkündeten hier acht schwergewichtige Evolutionsforscher – Linguisten, darunter ein »Computerlinguist«, Biologen und AnthropologenII –, dass sie sich geschlagen gaben, das Handtuch warfen, einknickten, kniffen angesichts der Frage, wie Sprache entstand und wie sie funktioniert.

II Marc D. Hauser, Charles Yang, Robert C. Berwick, Ian Tattersall, Michael J. Ryan, Jeffrey Watumull, Noam Chomsky und Richard C. Lewontin.

»Die grundlegendsten Fragen über die Ursprünge und die Evolution unserer Sprachfähigkeit sind so rätselhaft wie ehedem«, schlussfolgerten sie. Und nicht nur das, sie klangen auch so, als ließen sie alle Hoffnung fahren,jemals Antworten zu finden. Oh ja, natürlich werden wir am Ball bleiben, erklärten sie beherzt … aber wir werden noch einmal bei null anfangen müssen. Unter den acht Unterzeichnern befand sich auch der berühmteste Name aus der Geschichte der Linguistik: Noam Chomsky. »In den vergangenen vierzig Jahren«, erklärten er und die anderen sieben, »vermehrte sich die Forschung über dieses Thema explosionsartig«, doch alles, was die größten akademischen Geister der Evolutionstheorie damit bewerkstelligt hatten, war eine kolossale Zeitverschwendung.

Das war schon seltsam … Noch nie hatte ich von einer Gruppe solcher Koryphäen gehört, die sich zusammentaten, um zu verkünden, welch erbärmliche Versager sie waren …

Höchst seltsam sogar … Also surfte ich und safariete ich und mauste ich herum, bis ich schließlich den offenbar einzigen Akademiker fand, der anderer Meinung war als die acht Versager, einen Chemiker an der Rice University …Rice … Rice hatte mal ein Spitzenfootballteam … die Rice Owls … was wohl aus denen geworden ist? Ich mauste weiter auf der Rice-Homepage herum, und,oh-oh … nicht so toll letzte Saison … die Owls …Football … surfte weiter zuFootball undSchädel-Hirn-Trauma … Grundgütiger, wie ich’s mir dachte! Da wütet eine regelrechte Schädel-Hirn-Trauma-Epidemie! Die sind emsig damit beschäftigt, sich gegenseitig erste Alzheimer-Löcher ins Hirn zu schlagen! …Traumata … ich surfe … surfe … surfe … schau an! Football ist noch gar nichts im Vergleich zuEishockey … ohne wenigstens zwei Hirnverletzungen unter deiner Schädeldecke bist du nicht reif fü