Liebe Eva,
ich habe gerade mit deiner Mutter in Nizza telefoniert, und sie hat mich darum gebeten, dir zu schreiben.
Wie du ja weißt, macht Kim diesen Sommer ihren Abschluss an der Universität. Damit seid ihr dann beide keine Vollzeitstudenten mehr. Ihr seid jetzt erwachsen und selbst für eure Finanzen verantwortlich.
Mit diesem Brief möchte ich euch über meine Entscheidung informieren, das Haus in Nunhead zu verkaufen, sobald ihr eine anderweitige Unterkunft gefunden habt.
Jia hat mir gesagt, dass bezahlbare Mietwohnungen in London schwer zu finden sind. Deshalb bin ich bereit, euch das Haus bis Ende des Jahres, also bis zum 31. Dezember 2006, zur Verfügung zu stellen.
Alles Gute
Dad
Fassungslos riss Kim die Augen auf. »Damit macht er uns obdachlos.«
»Wir werden doch nie obdachlos sein«, wandte Eva ein. »Solange wir nur Christine von nebenan haben.«
Christine, die alle Heimatlosen und Streuner von ganz Südlondon bei sich aufnahm.
»Und was, wenn wir uns einfach weigern?«
»Es ist schließlich sein Haus, damit kann er machen, was er will.«
»Und was ist mit Mum? Gehört es ihr denn nicht auch?«
Eva schüttelte den Kopf. »Er hat sie bei der Scheidung ausbezahlt, und von dem Geld hat sie sich die Wohnung in Frankreich gekauft.«
»Aber warum macht er das nur?«
»Das weiß ich auch nicht. Vielleicht denkt er ja, wir brauchen das Haus nicht mehr.«
»Aber wir brauchen es.«
»In gewisser Hinsicht haben wir sogar Glück, er hätte es schon vor Jahren verkaufen können.« Eva verteidigte ihren Vater immer. Nicht nur, weil sie sich um Fairness bemühte, sie wollte ihn auch auf keinen Fall hassen.
»Wie ein Glückspilz komme ich mir aber nicht vor.«
»Das ist verständlich, aber versetz dich doch mal in seine Lage. Er muss jetzt für seine neue Familie sorgen.«
»Oh, klar«, knurrte Kim. »Die zauberhafte Jia.«
»Ich würde ja gerne wissen, wie die so ist.«
»Ich nicht.«
»Wirklich nicht? Fragst du dich das nie?«
»Warum sollte ich?« Die hat immerhin eine Familie zerstört. Sie hat uns den Vater weggenommen. Un