Vier Jahre später
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»Was ist denn hier passiert?«
Ungläubig schüttelte Pierre den Kopf und trat ein.
Eine wohltuende Kälte hing in den alten Gemäuern und legte sich auf die sonnenerhitzte Haut. Der Geruch frischer Farbe erfüllte die Luft.
»Da staunst du, was?« Arnaud Rozier grinste breit.
»Allerdings.«
Als der Bürgermeister die letzte Besprechung vor den Feierlichkeiten zur Sommersonnenwende – denFeux de la Saint-Jean – nicht in dermairie ansetzte, sondern in der ehemaligen Burgruine, hatte Pierre sich schon gedacht, dass er ihm zeigen wollte, wie sehr die Renovierungsarbeiten im künftigen Museum für provenzalische Kunstgeschichte vorangeschritten waren. Bereits gestern war das Gerüst, das seit Monaten vor den Mauern gestanden hatte, wie von Zauberhand verschwunden, nur noch ein einsames Schild im Rasen zeugte von der Anwesenheit des Bauunternehmens aus Apt. Ja, Pierre hatte damit gerechnet, dass es etwas zu bestaunen gab. Aber das, was er nun sah, verschlug ihm doch die Sprache.
Sämtliche Lücken im Gemäuer waren ausgebessert worden, die Risse im Boden geglättet. Einige der Fensterrahmen waren bereits gestrichen und glänzten in dunklem Rot.
Neugierig folgte er dem Bürgermeister durch die Räume und stieß einen leisen Pfiff aus.
Im westlichen Teil, wo ein Absperrgitter die fehlende Wand ergänzt hatte, stand eine neue Natursteinmauer, die sich so gut anpasste, als wäre sie schon immer dort gewesen. Und an der Stirnseite des östlichen Saals befand sich eine kunstfertig gestaltete Flügeltür aus Holz, die ihm bei der letzten Besichtigung im Oktober gar nicht aufgefallen war. Was daran liegen mochte, dass es dunkel gewesen war. Und dass Charlotte ihn begleitet hatte.
Bei dem Gedanken an den heimlichen Ausflug auf die Plattform musste er schmunzeln. Ganz oben, hinter den Zinnen, hatten sie über das Dorf hinaus auf den nächtlichen Luberon gesehen und waren sich sehr nahe gekommen. Bis die neugierige Madame Duprais sie mit dem Strahl einer riesigen Taschenlampe aufgeschreckt hatte. Seit jenem Tag waren Charlotte und er fest zusammen. Und noch heute, acht Monate später, weitete sich sein Herz, wenn er an sie dachte.
Pierre machte eine Kopfbewegung in Richtung des Saals. »Liegt hinter der Tür nicht das Ölmuseum?«
»Genau so ist es«, erklärte Rozier, und seine Stimme hallte. »Wir wollen die Bereiche zusammenlegen, als Teil eines neuen Gesamtkonzeptes, bei dem alle Räume miteinander verbunden sind. Was noch fehlt, ist ein zentraler Einlass. Und die sanitären Anlagen sind noch nicht fertig. Der Rest ist reine Kosmetik. Die ersten Exponate sind bereits eingetroffen, und in fünf Wochen wird das Museum eröffnet. Am ersten August, wie geplant.« Rozier setzte ein Gesicht auf, als hätte er die Burg eigenhändig renoviert.
»Eine echte Punktlandung!«, entfuhr es Pierre, der eine solche Schnelligkeit bei hiesigen Bauprojekten noch nie erlebt hatte. »Seit wann kannst du zaubern?«
»Ich weiß eben, wie man Handwerker zu Höchstleistung motiviert.«
»Handwerker und Höchstleistung si