: Bernhard Hennen
: Elfenmacht Roman
: Heyne Verlag
: 9783641186012
: 1
: CHF 3.60
:
: Fantasy
: German
: 576
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wer wird künftig über die verwunschene Albenmark herrschen? Sind es die grausamen Drachen oder die raubeinigen Zwerge? Oder die geheimnisvollen Elfen, deren Kräfte bisher im Verborgenen geschlummert haben? Als die beiden Geschwister Emerelle und Meliander sich auf die Suche nach ihrer verschwundenen Mutter machen, der legendären Drachenelfe Nandalee, ahnen sie nicht, dass ihre Reise das Schicksal aller Völker Albenmarks für immer verändern wird. Während Emerelle den Weg des Kampfes wählt, findet ihr stillerer Bruder eine junge, mysteriöse Elfe, die ihn vom ersten Augenblick an fasziniert. Doch es gibt Geheimnisse, an deren Wurzeln man nicht rühren sollte …

Bernhard Hennen, 1966 geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Vorderasiatische Altertumskunde. Mit seiner »Elfen«-Saga stürmte er alle Bestsellerlisten und schrieb sich an die Spitze der deutschen Fantasy-Autoren. Bernhard Hennen lebt mit seiner Familie in Krefeld.

DER LETZTE SCHRITT

Emerelle wich ein Stück zurück, und die Klinge verfehlte ihre Kehle nur um einige Fingerbreit. Grüne Augen funkelten sie aus dem Schatten des Helms an. Die Elfe gab vor zu straucheln, während sie vor der tanzenden Klinge weiter zurückwich. Es war nicht leicht, ihn zu reizen, aber wenn man es schaffte, ließ er alle Vorsicht fahren und wurde regelrecht zum Berserker. Nur dann war er ein respekteinflößender Gegner, und Emerelle liebte die Gefahr.

Aus dem Augenwinkel sah sie Satas angespanntes Gesicht. Die Koboldin war sich durchaus bewusst, dass dies hier keine Übungsstunde mehr war. Kreischend glitt Melianders Schwert über Emerelles Helm. Sie hatte sich nur um eine Winzigkeit zu spät geduckt. Der Stahl hatte ihren Helm kaum berührt und doch war ihr Kopf mit einem schmerzhaften Ruck nach hinten gerissen worden.

Emerelle packte die Klinge ihres Schwertes mit der behandschuhten Linken, riss die Waffe hoch, hakte die Parierstange hinter Melianders Klinge und drückte sie zur Seite. Dann versetzte sie ihm mit dem Knauf ihrer Waffe einen Stoß vor die Brust, der ihren Bruder von den Beinen riss. Sein Schwert fiel aufs Deck.

»Das reicht!« Sata schaffte es, sie erstaunlich laut anzuzischen, ohne auch nur ihre Meerschaumpfeife zwischen den schmalen Lippen hervorzuziehen. Mit ihren schwarzen Augen funkelte sie die beiden wütend an. Sata reichte ihnen kaum bis zum Knie, und dennoch hatte Emerelle einen gehörigen Respekt vor der Koboldin. Sie hatte das Sagen auf dem verwunschenen Himmelssegler, auf dem Emerelle und Meliander einen Großteil ihres bisherigen Lebens verbracht hatten. Einem Schiff, das mit dem Wind über den weiten Himmel trieb, ohne jemals irgendwo vor Anker zu gehen.

Manchmal des Nachts hörte Emerelle eine getragene, traurige Stimme durch die leichten Holzwände, die Blicke aussperrten, aber keine Geräusche. Sie sang ein Lied, dessen Worte Emerelle nicht verstand und das sie dennoch zutiefst berührte. Es war voller Melancholie, und so war auch die Stimmung an Bord. Ganz gleich, ob Andur, der Kentaur, oder Abrax, der Troll, Gylla, die Dryade, oder Fillipos, der Faun – sie alle trugen an einer Last, die sie hinter einer aufgesetzten Fröhlichkeit verbargen. Was sie bedrückte, hatte Emerelle in all den Jahren an Bord nicht herausfinden können. Es musste irgendeine nicht greifbare Bedrohung geben … Aber wer konnte dem Blauen Stern gefährlich werden? Dem Schiff eines Gottes?

Meliander nahm seinen Helm ab. Er wirkte zerknirscht. Ihrem Bruder setzte es viel mehr zu, wenn die kleine Tyrannin Sata wütend oder, schlimmer noch, enttäuscht war. »Tut mir leid«, murmelte er, wobei er kaum die Zähne auseinanderbekam. »Du hättest mich aber wirklich nicht …«

»… einen Bücherwurm mit Knoten im Hirn nennen dürfen?«, fiel ihm Emerelle ins Wort. »Ich sage immer, was ich d