: J. Patrick Black
: Die Neunte Stadt Roman
: Heyne Verlag
: 9783641195724
: 1
: CHF 4.50
:
: Science Fiction
: German
: 800
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Fünfhundert Jahre nach der Invasion

Die Erde in der Zukunft: Ausgerechnet am Valentinstag wurde die Menschheit von einer unbekannten, mächtigen Alien-Spezies angegriffen. Innerhalb kürzester Zeit wurden Länder zerstört und Städte dem Erdboden gleichgemacht. Und doch waren die Menschen nicht völlig wehrlos, denn der Angriff der Aliens stattete sie mit einer Macht aus, die sie bisher ins Reich der Magie verbannt hatten. Nun, fünfhundert Jahre später, tobt der Kampf um die Erde noch immer, und das Schicksal der gesamten Menschheit ruht auf den Schultern von acht ungleichen Helden. Dies ist ihre Geschichte…

J. Patrick Black hat als Barmann, Rettungsschwimmer, Rechtsanwalt, Bauherr und als Maskottchen in einem Freizeitpark gearbeitet. Seine wahre Leidenschaft gehörte jedoch schon immer dem Schreiben, das er jetzt zu seinem Beruf gemacht hat.Die Neunte Stadtist sein erster Roman. Der Autor lebt und arbeitet in Boston.

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Jax

Die Klausur läuft erst seit einigen Minuten, als die Sirene losgeht, und das Erste, was ich fühle, ist Erleichterung, obwohl ich weiß, dass das total falsch ist, dass ich so nicht empfinden sollte. Ich kann mich noch an die Panik erinnern, den Schrecken, der mich früher immer überkam, wenn ich die Atmosphäreneinfall-Sirenen gehört habe – das Signal, dass unsere Stadt angegriffen wird. Und ich weiß, dass sich die anderen aus meiner Klasse auch jetzt wieder so fühlen. Aber für mich ist es nun anders. Nachdem der erste Schock der heulenden Sirene verebbt ist, habe ich zwar Angst, aber es ist nicht dasselbe wie früher. Mich quält eher die Sorge, dass ich die anderen im Stich lassen werde, und selbst diese Angst hält sich noch in Grenzen, auch wenn sie sicher noch schlimmer werden wird. Aber für einen Moment, nur für einen kleinen Augenblick, bin ich erleichtert, denn auf diese Klausur bin ich echt nicht vorbereitet. Ich weiß, dass es verrückt ist, denn wer denkt schon:Hey, großartig, ich muss die Klausur nicht schreiben, weil alle anderen sterben werden!

Ich bin kein schlechter Schüler, wirklich nicht. Noch nicht einmal in Biologie, worum es in der Prüfung geht. Vor allem über Fotosynthese, die dafür sorgt, dass Pflanzen Sonnenlicht in Energie umwandeln. Das Problem ist, wann immer ich mich zum Lernen hinsetze, endet es damit, dass ich zum Handbuch der Akademie greife. Es ist kein langer Text, aber jedes Mal, wenn ich damit durch bin, fange ich wieder von vorne an, als würde ich die Antwort, nach der ich suche, finden, wenn ich es noch einmal lese. Als hätte ich sie bei den anderen hunderttausend Malen übersehen. Aber obwohl alle Regeln über das Leben an der Akademie in dem Handbuch stehen, erfahre ich daraus nicht, was ich wirklich wissen muss. Und es steht auch nichts über Fotosynthese darin.

»Stifte hinlegen, Kadetten.« Das ist Danyee, unsere Rhetorin. Alle in der sechsten Klasse, Sektion E, haben bei ihr Biologie, Physik und irrationale Mechanik. Gerade ist sie noch durch Reihen geschritten und hat jedem Einzelnen von uns über die Schulter geblickt, aber beim ersten Aufheulen der Sirene ist sie nach vorne gegangen. »Bitte in einer Reihe an der Tür aufstellen«, sagt sie mit ruhiger Stimme, fast fröhlich, als wäre dies einfach eine weitere Lektion.

Überall um mich herum knarzen Stühle unter den Pulten. Hinten im Raum kreischt ein Mädchen auf: Ihr Stift schreibt einfach weiter. Sie schlägt danach wie nach einer lästigen Fliege und blickt dann schuldbewusst um sich, ob jemand es bemerkt hat. Das haben wir alle, inklusive Rhetorin Danyee, die das Mädchen an der Hand nimmt und zur Reihe der Kadetten führt, die sich an derTür bildet. Einen artifizierten Stift zu benutzen, verstößt gegen jede Regel, und jeder, der einen Blick in das Handbuch der Akademie geworfen hat, weiß das auch. An einem normalenTag würde sie jetzt großen Ärger bekommen, aber nicht heute. Rhetorin Danyee, die normalerweise sehr streng ist, drückt beruhigend die Hand des Mädchens, bevor sie es in die Reihe führt. Sollte es morgen noch leben, könne