AM ANFANG WAR DER HUND …
In den letzten fünfundzwanzig Jahren als Anwältin habe ich an Hunderten Fällen gearbeitet und dabei das gesamte Spektrum menschlicher Abgründe vertreten: Kleinkriminelle, die Bagatelldiebstähle begangen haben, Heroinabhängige aus reichem Haus, Zurechnungsfähige und Verrückte, Missbrauchende und Missbrauchte. Jeder Fall hat seine ganz eigene Geschichte, und je intensiver ich mich auf einen Prozess vorbereite, desto komplizierter scheint diese Geschichte zu werden. Wenn ich nicht aufpasse, verirre ich mich schnell im Labyrinth aus Fakten und Gesetzgebung. Am Abend vor einer Verhandlung nehme ich mir deswegen immer einen Notizblock zur Hand, auf den ich eine Tabelle zeichne. Die linke Spalte erhält die Überschriftgut, die rechte die Überschriftschlecht. In dem Scheidungsfall, mit dem ich in der vergangenen Woche zu tun hatte, sah die Liste zum Beispiel so aus:
gut
schlecht
–redegewandte Klientin, gute Zeugin