: Jack Ketchum
: SCAR Roman
: Heyne Verlag
: 9783641196493
: 1
: CHF 2.70
:
: Horror
: German
: 336
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mit elf Jahren ist Delia Cross bereits ein gefeierter Fernsehstar – aber nicht glücklich. Ihre Mutter ist von krankhaftem Ehrgeiz getrieben. Ihr Vater dem Alkohol verfallen. Ihr Bruder von Eifersucht zerfressen. Einzig der Familienhund Caity hält immer treu zu ihr. Dann droht ein tragischer Unfall, Delias Karriere für immer zunichtezumachen. Doch sogar ihre Narben werden gegen ihren Willen vermarktet. Bis sie beginnt, sich zu wehren …

Jack Ketchum ist das Pseudonym des ehemaligen Schauspielers, Lehrers, Literaturagenten und Holzverkäufers Dallas Mayr. Er gilt heute als einer der absoluten Meister des Horror-Genres. 2011 wurde er zum Grand Master der World Horror Convention ernannt. Er erhielt fünfmal den Bram Stoker Award, sowie 2015 den Lifetime Achievement Award der Horror Writers Association. Jack Ketchum verstarb am 24. Januar 2018 in New York City, New York.

eins

»Sieh’s dir doch einfach mal an.«

Patricia pickt eine Olive aus ihrem kleinen griechischen Salat und tunkt sie in das dickflüssige Olivenöl und die Fetakrümel auf ihrem Teller.

Bart, der ihr gegenübersitzt, hält ein Rippchen zwischen Daumen, Zeige- und Ringfinger, während er die Gebrauchsanweisung ihres nagelneuen kirschroten Firebird studiert. Delia knabbert an einem über Holzkohle gegrillten Hähnchenflügel. Robbie beißt in einen Mozzarellastick und saugt geräuschvoll die würzige rote Soße heraus.

Das ist das Schöne am Chicken Little: Man kann dort einfach alles zum Mitnehmen bestellen, von ganzen Maiskolben über Philly Cheesesteak bis hin zu Orzo und Schokoladenpudding. Die Speisekarte ist nahezu endlos.

Das Lieblingsessen der Familie sind allerdings Rippchen – sehr zum Leidwesen Caitys, die zwischen Bart und Delia auf dem Boden liegt. Lediglich zwei Rippchen sind der traurige Rest einer dreifachen Portion.

Pat schiebt Bart das iPad über den Tisch hinweg zu. Auf dem Bildschirm ist das Foto zu sehen, das sie heute Morgen ausgesucht hat.

Gestern im Studio hat einfach alles geklappt. Der Fotograf – Scott – ist zwar erst Ende zwanzig, dafür hat er ein gutes Auge und tut, was Pat ihm sagt.

Delia war großartig.

Sie saß auf einer Obstkiste vor einem einfarbigen Musselinhintergrund, Caity zu ihren Füßen. Caity befand sich immer in Delias Nähe oder zumindest in Sichtweite, egal, ob sie mit auf dem Foto war oder nicht. Der Hund ist so eine Art Glücksbringer. Das soll Pat nur recht sein, solange die Bilder gut werden.

Sie hat Scott bei der Auswahl der Linsen und der Folienfilter geholfen, dann ging es sofort los. Delia saß kerzengerade, selbstsicher und konzentriert da. Sie war so vertraut mit der Kamera, als wären sie und die Nikon alte Freunde, als wäre die Kamera ein lebendiges Wesen. Scott brauchte bloß auf den Auslöser zu drücken. Delia veränderte gehorsam ihre Kopfhaltung, hob das Kinn ein wenig, drehte sich millimeterweise in die ideale Position, genau wie er es haben wollte. Scott war begeistert und lächelte zurück.