: David Duchovny
: Ein Papagei in Brooklyn Roman
: Heyne Verlag
: 9783641190309
: 1
: CHF 6.20
:
: Erzählende Literatur
: German
: 352
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Marty Fullilove und sein Sohn Ted sind beide auf ihre ganz eigene Art im Leben gescheitert. Der Vater als zynischer Lebemann, der an nichts ein gutes Haar lassen kann. Der Sohn als Möchtegern-Schriftsteller, der als Erdnussverkäufer im Stadion arbeitet. Beide haben seit Jahren kein Wort miteinander gewechselt. Da braucht es schon einen unheilbaren Lungenkrebs, damit Ted seinem Vater einen Besuch abstattet. Zunächst wird er mit den üblichen Vorwürfen und Beschimpfungen begrüßt. Doch nach und nach finden die beiden zueinander – über Baseball, die Suche nach der wahren Liebe und die Freuden des Cannabiskonsums.

David Duchovny ist bekannt als Fernseh- und Kinodarsteller. MitAkte Xwurde er weltberühmt, derzeit läuft weiter die preisgekrönte TV-Serie Californication, in der er die Hauptrolle spielt. Duchovny hat vor seiner Zeit als Schauspieler in Princeton und Yale Literatur studiert. Er ist überzeugter Vegetarier und auch im Tierschutz aktiv.

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José Canucci. So nannten sie ihn bei der Arbeit. Als wäre er halb Latino, halb Italiener. Italiener väterlicherseits, wie’s scheint. Aus welchem Teil des Stiefels könnten die Canuccis wohl stammen? Keine Ahnung. Vielleicht war seine Mutter eine bildschöne Puerto Ricanerin aus Spanish Harlem. Verdammt, das wär echt lustig. Seinem Vater hätte es gefallen. Aber war Canucci überhaupt ein richtiger Name? Er wusste es nicht. Die sprachen ihn ja nicht mal richtig aus. Die Fans hier oben sagten’s immer falsch.Can-you-see, sagten die, machten aus dem doppelten c ein s. Aber es war ja ohnehin nicht sein richtiger Name. Eigentlich hieß er Ted Fullilove. Theodore Lord Fenway Fullilove. Einen beknackteren Namen musste man erst mal finden. Irgendein Möchtegern-Poet auf Ellis Island musste damals das Filinkow, Filipow oder Filitow seines russischen Vorfahren als Fullilove eingetragen haben. Er selbst nannte sich Ted. Außer bei der Arbeit. Dort war er José. Oder Mr. Peanut.

Vielleicht sollte er sich ein Monokel zulegen. Eins wie das von Mr. Peanut, dem Cartoon-Maskottchen der Planters Peanut Company. Teds Vater war Werber gewesen. Ob er auch Mr. Peanuts Vater war? War Ted am Ende Mr. Peanuts Halbbruder?

Mr. Peanut war ein freundlicher Kerl mit Zylinder, ein Mischwesen aus Mensch und Erdnuss mit Gehstock und Monokel. Eine vernunftbegabte Nuss. Ein Wesen wie ein missglücktes Experiment aus einem der schäbigen B-Movies, die man sich im Chiller Theatre auf WPIX, Kanal 11, reinziehen konnte, wenn das Spiel wegen Regen ausfiel. Streifen wieDie Fliege zum Beispiel. »Helft mir! Helft mir!« Das war die legendäre Stelle. Vincent Price mit Fliegenkörper und Vincent-Price-Kopf. Oder war das überhaupt Vincent Prices Kopf? Vielleicht doch nicht, dachte Ted. Sowieso egal. Gut, Vincent Price war’s wohl nicht ganz unwichtig. Ted aber schon. Etwas an dem »Helft mir! Helft mir!« rührte ihn allerdings an. Die reine, nackte Not. Vielleicht das Erste, was ein Kind sagen lernte. Nach »Mommy« und »Daddy« und »mehr«. Helft mir! Helft mir! Bitte, hilf mir doch jemand!

Mr. Peanut brauchte Hilfe. Er hatte so einen welligen, beigegrauen Erdnusskörper, Käferbeinchen und schlechte Augen. Also zumindestein schlechtes Auge. Und Eier hatte er auch nicht wirklich, war ein geschlechtsloses Wesen, ein blinder Eunuch, der am Stock ging. Kann dem Kerl nicht einer helfen? Und was sollte dieser Zylinder? Der wollte es doch nicht anders! Ab auf Karteikarten mit all den Gedanken, abheften unter einem neuen Registerpunkt: Insiderwitz, H wie »Helft mir!«. Könnte klappen. Doch schon kamen die Querverweise und Seitwärtsbezüge, brachten alles durcheinander. Ted wünschte, er hätte eine Freundin. Er für seinen Teil hatte schließlich keinen Erdnusskörper, hatte Eier und Bedürfnisse, emotionale, körperliche und was sonst noch. Allerlei verrückte, widersprüchliche Bedürfnisse, die in alle Richtungen Funken schlugen, wie wenn ein Auspuffrohr abfällt, mit fiesem Scheppern und Feuerwerk auf dem Asphalt. Freundin/Auspuffrohr. Ich sollte wirklich immer einen Stift dabeihaben, dachte er. Wütend auf sich selbst, weil diese Sachen, diese Gedanken eben doch verloren ge