Die Stadt gehört mir. Mir, Cooper Graham, gehört diese Stadt. Das sagte er sich immer wieder. Seine Welt war in Ordnung.
Eine Brünette mit einer Stimme wie ein Kätzchen kniete gerade vor ihm, und ihre langen dunklen Haare streiften seinen nackten Oberschenkel. »Damit Sie mich nicht vergessen«, schnurrte sie.
Es kitzelte an der Innenseite seines Oberschenkels, und er blickte auf sie hinunter. »Eine schöne Frau wie Sie könnte ich niemals vergessen …«
»Das würde ich Ihnen auch nicht raten.«
Sie drückte ihre Lippen auf die Telefonnummer, die sie mit einem schwarzen Filzstift auf seinen Schenkel gekritzelt hatte. Es würde eine Ewigkeit dauern, bis die Tinte ganz verblasst war, aber Cooper Graham hatte Verständnis für seine Anhänger, und er hatte sie machen lassen.
»Ich wünschte, ich könnte noch ein bisschen länger mit Ihnen plaudern«, sagte er, während er ihr galant aufhalf, »aber ich muss meine Runde zu Ende laufen.«
Sie streichelte ehrfürchtig über die Stellen, die seine Hände berührt hatten. »Sie können mich jederzeit anrufen, Tag und Nacht.«
Er schenkte ihr sein einstudiertes Grinsen und trabte dann weiter die asphaltierte Uferpromenade entlang, vorbei an der prächtigen Skyline von Chicago am Michigansee. Er war der größte Glückspilz der Welt, richtig? Das war er zweifellos. Jeder wollte sein Freund sein, sein Vertrauter, seine Geliebte. Selbst die ausländischen Touristen erkannten ihn. Berlin, Delhi, Osaka – es machte keinen Unterschied. Die ganze Welt kannte Cooper Graham.
Rechts glitt der Burnham Harbor an ihm vorüber. Es war September, und die Boote würden bald in den Winterstand gebracht werden, aber einstweilen schaukelten sie noch im Wasser. Er beschleunigte leicht seinen Laufschritt, achtete darauf, dass er seine Füße in einem perfekten Rhythmus auf dem Asphalt aufsetzte. Vor ihm wippte der blonde Pferdeschwanz einer Frau hin und her. Durchtrainierte Beine. Toller Po. Keine Herausforderung. Er überholte sie, ohne sein Tempo zu ändern.
Es war ein guter Tag, um Cooper Graham zu sein, andererseits galt das für jeden Tag. Das konnte jedermann bestätigen. Selbst die Möwen, die über ihm ihre Kreise zogen, schienen ihre Flügel zu neigen, um ihm ihre Ehrerbietung zu erweisen. Die Blätter der Rieseneichen, die der Promenade Schatten spendeten, raschelten, als ob sie ihm applaudieren wollten. Selbst die Taxifahrer, die auf dem Lake Shore Drive vorbeirasten, jubelten ihm hupend zu. Er liebte diese Stadt, und die Stadt liebte ihn zurück.
Der Jogger vor ihm hatte eine sehr athletische Figur, und er war schnell, aber nicht schnell genug. Cooper überholte ihn. Der Kerl sah aus, als wäre er noch keine dreißig. Er selbst war siebenunddreißig und lädiert von seiner langen Karriere als Profi-Footballer in der NFL, allerdings nicht lädiert genug, um sich von jemandem bezwingen zu lassen. Cooper Graham: gedraftet als Student auf der Oklahoma State University in Houston, danach acht Jahre bei den Miami Dolphins als Starting Quarterback und schließlich der Wechsel zu den mächtigen Chicago Stars, für die er nach drei Spielzeiten die Meisterschaft geholt hatte. Kaum hatte der diamantbesetzte Super-Bowl-Ring an seinem Finger gesteckt, hatte er das Klügste getan, was man auf dem Höhepunkt einer Karriere tun konnte: Er hatte seinen Rücktritt vom Profisport erklärt, hatte es verdammt noch mal durchgezogen. Er war aus dem Spiel ausgestiegen, bevor aus ihm einer dieser erbärmlichen Altprofis