: Andreas Koch
: Selbstevolution Die Antwort auf eine globale Herausforderung
: Verlag zeitgeist Print& Online
: 9783943007060
: 1
: CHF 8.90
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: Philosophie, Religion
: German
: 208
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Evolution findet nicht nur im Tier- und Pflanzenreich statt, auch der Mensch entwickelt sich, sein Bewusstsein evolviert. Dies konnte der Kulturphilosoph Jean Gebser in den 1950er-Jahren anschaulich belegen. Allerdings bezogen sich seine Ausführungen auf die Menschheit als Ganzes, die Bedeutung für das Individuum blieb unbeachtet. Hier nun setzt Andreas Koch an: Infolge einer Sinnkrise gab der Unternehmensberater seinem Leben eine radikale Wendung. Er beschäftigte sich zehn Jahre intensiv mit dem Thema Bewusstseinsstrukturen, vor allem dem aktuellen Wandel von der mentalen zur integralen Struktur sowie dem Wirkpotenzial der Selbstevolution: Wir, die heutigen Menschen, sollten uns gewollt neu ausrichten und mit Blick auf eine zukunftsfähige Gesellschaft weiterentwickeln, um im neuen, integralen Weltbild heimisch werden zu können. Der Autor liefert hierzu das Wertegerüst, mit dessen Hilfe sich jeder selbst verwirklichen, ja ermächtigen kann - und dies zugleich zum Wohle unserer Erde.

Andreas Koch ist Trendanalytiker und Unternehmensberater mit Fokussierung auf Corporate Identity, Vision und Werte. Ausgehend von der Betrachtung, welche Konsequenzen unternehmerisches Handeln nach sich trägt und welche ethische Verantwortung damit einhergeht gerade in Zeiten der Globalisierung, begann er die tieferen Ursachen kultureller Entwicklungs- und Veränderungsprozesse systematisch zu erforschen. Andreas Koch lebt in Rüschlikon bei Zürich, Schweiz.

Bewusstsein und Geist


Das Bewusstsein ist als Sub- oder Teilsystem zu verstehen, was ja auch in der Bedeutung von »Mitwissen« zum Ausdruck kommt. Doch wovon ein Teilsystem? Vom »Geist«? Das ist ein heikler Begriff, weil »der Geist« oder »das Geistige« ein noch vielschichtigeres Phänomen darstellen als das Bewusstsein. Zwar wissen wir dank der Psychologie heute, wie es sich normalerweise manifestiert, denn sie ist jener Zweig der Wissenschaft, der sich damit beschäftigt und die Funktionsmechanismen sowie die in ihm wirkenden Kräfte untersucht. Im Großen und Ganzen aber gilt: Geist ist für uns zwar»das Selbstverständlichste der Welt, aber eben gleichzeitig auch einer theoretischen Erfassung stark widerstrebend«, wie es die deutsche Philosophin Karen Gloy (geb. 1941) ausdrückt. Bei den nachfolgenden Darlegungen sollten wir uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass Geist holistisch-dynamischer Natur ist und der Erklärende stets selbst Teil des zu Erklärenden. Zudem verändern sich unsere Vorstellungen darüber mit der Entwicklung unseres Bewusstseins. Folglich erscheint das Dilemma unlösbar: Es liegt in der Natur der Sache.

Bei Betrachtung der Evolution des Bewusstseins ist es dennoch hilfreich, die heute bekannten Elemente, Kräfte und Prozesse, die dabei im Spiel sind, zu berücksichtigen. Sie zu verstehen ist Voraussetzung, um die mit der Evolution verbundenen, oftmals völlig chaotisch scheinenden soziokulturellen Veränderungen und Entwicklungen auf der Oberfläche der Welt nachvollziehen und deren tiefere Ursachen erkennen zu können. Dazu müssen wir die psychischen Kräfte kennen, die sie letztlich hervorbringen.

Sigmund Freud (1856–1939) prägte Ende des 19. Jahrhunderts den Begriff »Unbewusstes« für eine neben dem Bewusstsein existierende Geistesform, auch als Unterbewusstsein bezeichnet. Heute ist es der Sammelbegriff für alles, was zwar unser Handeln veranlasst oder auf dieses einwirkt, dessen Ursache vom Bewusstsein aber nicht erkannt wird. Im Grunde ist der Begriff »Unbewusstes« eine unglückliche Wahl – als handle es sich dabei um eine niederere Geistesform, da »un« und »unter« häufig mit minderwertig assoziiert werden. Besser wäre vielleicht Parabewusstsein, von griechischpara = neben, darüber hinaus, denn das Unbewusste ist eher mit der Vorstellung eines »Über-« als eines »Unter«-Bewusstseins zu verbinden. Wir bleiben hier aber beim Begriff »Unbewusstes«, weil dieser sich nun mal etabliert hat.

Neben Freud beschäftigte sich vor allem der Schweizer Arzt, Psychologe und Psychiater Carl Gustav Jung (1875–1961) intensiv mit dem Unbewussten. Er begründete Anfang des 20. Jahrhunderts die Analytische Psychologie, auch Komplexe Psychologie genannt, welche nicht nur die Psychologie allgemein, sondern auch die Psychotherapie, Theologie, Völkerkunde, Literatur und Kunst wesentlich beeinflusste. Jung entwickelte Freuds Theorien und Erkenntnisse weiter. Er übernahm dabei die Freud’schen Begriffe Bewusstsein und Unbewusstes, differenzierte sie jedoch in individuelles Bewusstsein, individuelles Unbewusstes, kollektives Bewusstsein und kollektives Unbewusstes. Neben bzw. innerhalb dieser vier grundsätzlichen Größen erkannte er noch differenziertere Strukturen, die bestimmte Eigenschaften, Charakteristika und Funktionen aufweisen und in Interaktion miteinander stehen.


Carl Gustav Jung (1875–1961), oftmals C. G. Jung abgekürzt, gilt als der Begründer der Analytischen