: Diana A. von Ganselwein
: Codename Göring-Schatz 1996 Die Spur der Bilder
: IGK-Verlag
: 9783958494220
: 1
: CHF 8.90
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 171
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Psst! Interessiert an einem echten van Gogh? Oder Gauguin, Picasso, Manet? Dann greifen Sie schleunigst zum Telefon! 00301... Athen. Die wahre Geschichte von zwei Kisten prall voll mit Gemälden. Beutekunst von 1943! Vieles deutet auf Hermann Göring hin. Wer gewinnt den Wettlauf? Geheimdienste, Mafia, Investoren? Oder am Ende doch die Moral? Sie lesen die Schilderung von wahren Begebenheiten. Die Stationen der Hauptperson Harry Ko?nig - Berlin, Leipzig, Mu?nchen, Cannes, Paris, Kitzbu?hel, Salzburg, Ibiza und schließlich Athen - sind ebenso wirklich wie der Frachtbrief zur Internationalen Eisenbahnbefo?rderung der Deutschen Reichsbahn vom 26. Juli 1943. Dieses vierseitige Dokument begleitete zwei volumino?se Kisten aus Holz an eine seltsame Adresse in Athen. Ihr Inhalt, an die hundert Kunstwerke hauptsa?chlich im Stil der franzo?sischen Impressionisten, stellt ein halbes Jahrhundert spa?ter ihren Finder vor riesige Probleme. Warum er glaubt, dass der Held dieser Geschichte sie fu?r ihn lo?sen wird, soll diese Schilderung erkla?ren. Harry Ko?nig hat bis zu jenem Tag im September 1996 weder von Beutekunst, noch vom Go?ringschatz konkrete Vorstellungen. Vielleicht die beste Voraussetzung, um ein Abenteuer mitten unter uns, wie es sich kaum jemand ausdenken ko?nnte, mit jener Leichtigkeit anzugehen, die gefragt ist, wenn die Grenzen von Gier, Macht, Moral und Liebe verschwimmen. Ja, Kunst-Liebe treibt seltsame Blu?ten.

UNTERNEHMEN VINCENT 1996


„Sei bereit!“


In dem weißen Alfa Romeo saßen zwei Männer. Nichts Ungewöhnliches in der Sharonebene. Hier fährt kaum einer allein. Der nördliche Zentraldistrikt ist nicht gerade berühmt für pulsierenden öffentlichen Nahverkehr. Der Staat Israel hat andere Prioritäten.

Die fantastischen, vitalen, jungen Leute aus dem Camp Muto Gur wussten das. Für keinen ein Problem. Blind konnten sie auf die nationale Ehrenpflicht setzen. Jeder fand immer ein Auto, das ihn mitnahm.

Die junge Soldatin gab ein kurzes Zeichen.

„Tel Aviv?“ fragte sie.

„Steig‘ ein.“ Sie öffnete die hintere Tür an ihrer Seite und glitt auf den Sitz. „Oder sogar Rehovot?“ fragte sie jetzt.

„Mal schauen.“ Der Mann am Steuer antwortete wieder prompt. Sie sah kein Lächeln in seinen Augen.

Nach Süden waren es auf dieser Straße von Kfar Monash über Pardesiya in Sichtweite der Mittelmeerküste keine dreißig Kilometer bis Tel Aviv und Jaffa, der Doppelstadt. Von da ans eigentliche Ziel, Rehovot, blieb nur noch eine kleine Etappe.

In keinem anderen Land der Welt wäre sie zu zwei Fremden in ein Auto gestiegen. Hier, praktisch noch in Rufweite ihres Camps, war das anders. Jedes Mitglied der Israelischen Verteidigungsstreitmacht steht unter einem ideellen Schutz. Es sind diese Männer und Frauen in Uniform, die durch Entschlossenheit und Improvisation den Staat Israel am Leben erhalten. Sie repräsentieren alle Schichten der Gesellschaft. Möglicherweise gehörten die beiden auf den vorderen Sitzen ebenfalls zu einer Task Force. Überraschen würde sie das nicht.

Sie fühlte die prüfenden Blicke. Der Fahrer musterte sie im Rückspiegel. Der andere drehte sich immer wieder um. Keiner sagte einen Ton. Aha, dachte sie, die zwei haben Zeitungen gelesen. In der Armee gab es an diesem Tag nur ein Thema. Infektionen mit Chlamydia trachomatis bei Soldatinnen der israelischen Armee. Die Studie einer Epidemiologin mit dem vertrauenserweckenden Namen Charlotte Gaydos von der berühmten Johns Hopkins University. Diese bakterienähnlichen Mikroben verursachen eine überaus häufige Geschlechtskrankheit, bei Männern wie bei Frauen, übertragen durch ungeschützten Verkehr. Betroffen: praktisch alle Völker der Erde. Allein in Deutschland eine geschätzte halbe Million Infizierter. Und wie und wo sammelte die Wissenschaftlerin Gaydos die gewünschten Informationen? Bei Soldatinnen der israelischen Armee, wegen ihrer statistisch nachgewiesenen überdurchschnittlich hohen sexuellen Aktivität mit häufig wechselnden Partnern.

Sie erinnerte sich der Bemerkungen darüber heute im Camp und stellte mit Genugtuung fest: Rot wurde sie nicht, während sie mit den beiden Fremden dem Zwischenziel Tel Aviv entgegenfuhr. Mochten sie doch von ihr halten, was sie wollten.

Nach anfänglichem Zögern lehnte sie sich entspannt zurück. Langsam streifte sie seitwärts die Uniformkappe vom Kopf, und die Bewegung, mit der sie das tat, hätte einem intelligenten Beobachter verraten können, dass sie von den beiden eine bestimmte Reaktion erwartete. Nicht etwa, weil sie das gewollt hätte. Jetzt wollte sie nur in Ruhe nach Hause gefahren werden. Die beiden waren ihr ziemlich gleichgültig. Nein, sie erlebte immer das Gleiche, wenn sie unter den Augen fremder Männer, die sie dabei noch nie beobachtet hatten, ihr schwarzes Haar befreite und