Geheimes Wissen braucht geheime Orte
War Belvedere der erste Freimaurertempel Neubrandenburgs?
Geheimes Wissen braucht geheime Orte, braucht Räume, um magische Rituale vor profanen Blicken zu schützen. Solche der Öffentlichkeit verborgenen Rückzugsmöglichkeiten bot das Mirower Schloss des Mecklenburg-Strelitzer Herzogs Adolph Friedrich IV. allemal.
Seit 1753 Regent seines Landes, lebte der junge Fürst längst nicht mehr in seinem bescheidenen Elternhaus vor der Mirower Schlossinsel und auch nicht im komfortableren barocken Schlösschen seiner Großmutter Christiane Aemilie Anthonie, einer geborenen Prinzessin von Schwarzburg-Sonderhausen, auf der Insel. Dorthin war seine Familie nach dem Tod der alten Dame 1751 gezogen. Seit 1761 Schwager von König Georg III. von Großbritannien und Irland, Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg (Hannover), residierte der den aufkommenden Naturwissenschaften gegenüber aufgeschlossene Landesherr des kleineren der beiden Mecklenburgs standesgemäß im großen Neustrelitzer Residenzschloss, das er nach dem Vorbild von Versailles hatte aufwendig umgestalten lassen.
Im Mirower Schloss wurde Herzog Adolph Friedrch IV. in die Reihen der Freimaurer aufgenommen.
Er hielt großzügig Hof, beköstigte alle interessanten Besucher seines Residenzstädtchens, kleidete sich nach neuestem Pariser Chic und frönte der Bauleidenschaft. Im Weisdiner See schuf er sich 1762 mit Adolphslust ein Refugium der Entspannung, in Ratzeburg 1766 ein nie von ihm besuchtes Herrenhaus als sommerlichen Residenzsitz. Der Bruder der Königin von England und erster Mecklenburger Träger des britischen Hosenbandordens, The Most Noble Order of the Garter, fühlte sich zum Repräsentieren verpflichtet. Auch wenn die Mäuse beim Blick in die Kassen in Tränen ausbrachen.
450.000 Taler in Gold betrugen die Kabinettschulden, 50.000 Taler die Rückstände bei der Rentei. Dazu hatte der ewige Junggeselle rund 250.000 Taler private Verbindlichkeiten, als 1772 mit „kaiserlicher Genehmigung“ eine Geheime Kommission ins Leben gerufen wurde, um das Haus Mecklenburg-Strelitz vor dem gänzlichen Ruin zu bewahren. Doch was störte den frommen Herzog die Ebbe in seinen Kassen, solange er bei seinen Hauptgläubigern Hannover, dem Kurfürstentum seines königlichen Schwagers Georg III., sowie bei Juden aus Berlin und Strelitz-Alt noch ausreichend Kredit besaß. Neidvoll blickte er nach Ludwigslust, wo auf Anordnung seines Schweriner Vetters Friedrich gerade mit dem Bau eines neuen Residenzschlosses begonnen wurde. Ihm war klar, dass er auch eines neuen Residenzensembles bedurfte. Die Vorderstadt Neubrandenburg hatte er sich dafür auserkoren.
Das älteste Stadtbild Neubrandenburgs aus dem Jahr 1774 zeigt in Broda (im Bild ganz links) auch das Belvedere Herzog Adolph Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz. Foto: Wikipedia
Vielleicht boten ihm die Freimaurer neue Finanzierungsmöglichkeiten. In den Logen der Bruderschaft sammelten sich Mitte des 18. Jahrhunderts Adlige, die keine Aus