: Helmut Borth
: Tempel, Logen, verschworene Brüder Freimaurergeschichte(n) aus Mecklenburg
: Books on Demand
: 9783743170353
: 1
: CHF 8.90
:
: Gesellschaft
: German
: 140
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die Wurzeln der mecklenburgischen Freimaurerei finden sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Beeinflusst wurde die Entwicklung der Königlichen Kunst im Land wesentlich durch die Brüder der in Mirow geborenen englischen Königin Charlotte. Als Gouverneure ihres Mannes in Hannover und Celle wurden die Prinzen Carl und Ernst Mitglieder einer verschworenen Gemeinschaft, als kaiserlicher Offizier auch Georg August. Letzterer nutze als einflussreicher Maurer das verschwiegene Netzwerk der untereinander verbundenen Logen auch, um hinter den Rücken seiner Familie eine heimliche Hochzeit mit der unehelichen Tochter des Kurfürsten von Pfalz-Bayern einzufädeln. Die nicht standesgemäße Ehe sollte den überschuldeten kleinen Bruder der Königin eines Weltreiches finanziell sanieren. Als das nicht gelang, war er wenige Monate später tot. Vereint waren alle vier Brüder in der Rostocker Loge Zu den drei Sternen. Die folgte nicht dem schlichten englischen System von Lehrling, Geselle und Meister, sondern einem sich auf den Templerorden berufenden hierarchischen Hochgradsystem. 1772 hatte eine Abordnung der Rostocker Loge Dörchläuchting in seinem Mirower Schloss als Freimaurer angenommen und mit ihm in einer einzigen Nacht alle Grade bis zum Meister durchlaufen. Zwei Jahre später wurde wegen der häufigen Aufenthalte des Landesherrn in Neubrandenburg die Loge Zum gekrönten goldenen Greif gegründet, die neun Jahre wirkte und der viele Mitglieder des Neustrelitzer Hofes angehörten. Unter dem Einfluss von Georg Christoph Röpert, eines dem Okkultismus anhängenden Rosenkreuzers und erster Meister vom Stuhl in Neubrandenburg, entstand 1776 in der Viertorestadt die Herzog Adolph Friedrich IV. gewidmete Schottenloge Adolph zum Ritteringe. In sie wurden Brüder berufen, die bereits den Meistergrad erreicht hatten und sich mit weiterführenden Graden wie Geheimer Meister oder Vollkommener Meister vom Gleichheitsgebot der Freimaurer abheben wollten, und das nicht nur während der Tempelarbeit in der Loge. Das Buch enthält neben verschiedenen Essays auch eine sprachlich der heutigen Rechtschreibung angepasste und um informative bzw. erklärende Fußnoten ergänzte Ausgabe der 1915 veröffentlichten Festschrift zum 100. Gründungsjubiläum der Neubrandenburger Loge Zum Friedensbunde, die deren Geschichte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wiederspiegelt.

1960 in Neubrandenburg geboren, ist Helmut Borth seit 1979 publizistisch tätig. Seit 2008 arbeitet er als freier Journalist und Autor sowie Inhaber bzw. Geschäftsführer von Unternehmen im Wellnessbereich. Von ihm erschienen bisher mehr als 20 Bücher, die über Geschichten mit Geschichte mit der regionalen Vergangenheit von Mecklenburg-Strelitz sowie der Uckermark bekannt machen bzw. besondere Reiseziele in Mecklenburg-Vorpommern präsentieren.

Geheimes Wissen braucht geheime Orte


War Belvedere der erste Freimaurertempel Neubrandenburgs?

Geheimes Wissen braucht geheime Orte, braucht Räume, um magische Rituale vor profanen Blicken zu schützen. Solche der Öffentlichkeit verborgenen Rückzugsmöglichkeiten bot das Mirower Schloss des Mecklenburg-Strelitzer Herzogs Adolph Friedrich IV. allemal.

Seit 1753 Regent seines Landes, lebte der junge Fürst längst nicht mehr in seinem bescheidenen Elternhaus vor der Mirower Schlossinsel und auch nicht im komfortableren barocken Schlösschen seiner Großmutter Christiane Aemilie Anthonie, einer geborenen Prinzessin von Schwarzburg-Sonderhausen, auf der Insel. Dorthin war seine Familie nach dem Tod der alten Dame 1751 gezogen. Seit 1761 Schwager von König Georg III. von Großbritannien und Irland, Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg (Hannover), residierte der den aufkommenden Naturwissenschaften gegenüber aufgeschlossene Landesherr des kleineren der beiden Mecklenburgs standesgemäß im großen Neustrelitzer Residenzschloss, das er nach dem Vorbild von Versailles hatte aufwendig umgestalten lassen.

Im Mirower Schloss wurde Herzog Adolph Friedrch IV. in die Reihen der Freimaurer aufgenommen.

Er hielt großzügig Hof, beköstigte alle interessanten Besucher seines Residenzstädtchens, kleidete sich nach neuestem Pariser Chic und frönte der Bauleidenschaft. Im Weisdiner See schuf er sich 1762 mit Adolphslust ein Refugium der Entspannung, in Ratzeburg 1766 ein nie von ihm besuchtes Herrenhaus als sommerlichen Residenzsitz. Der Bruder der Königin von England und erster Mecklenburger Träger des britischen Hosenbandordens, The Most Noble Order of the Garter, fühlte sich zum Repräsentieren verpflichtet. Auch wenn die Mäuse beim Blick in die Kassen in Tränen ausbrachen.

450.000 Taler in Gold betrugen die Kabinettschulden, 50.000 Taler die Rückstände bei der Rentei. Dazu hatte der ewige Junggeselle rund 250.000 Taler private Verbindlichkeiten, als 1772 mit „kaiserlicher Genehmigung“ eine Geheime Kommission ins Leben gerufen wurde, um das Haus Mecklenburg-Strelitz vor dem gänzlichen Ruin zu bewahren. Doch was störte den frommen Herzog die Ebbe in seinen Kassen, solange er bei seinen Hauptgläubigern Hannover, dem Kurfürstentum seines königlichen Schwagers Georg III., sowie bei Juden aus Berlin und Strelitz-Alt noch ausreichend Kredit besaß. Neidvoll blickte er nach Ludwigslust, wo auf Anordnung seines Schweriner Vetters Friedrich gerade mit dem Bau eines neuen Residenzschlosses begonnen wurde. Ihm war klar, dass er auch eines neuen Residenzensembles bedurfte. Die Vorderstadt Neubrandenburg hatte er sich dafür auserkoren.

Das älteste Stadtbild Neubrandenburgs aus dem Jahr 1774 zeigt in Broda (im Bild ganz links) auch das Belvedere Herzog Adolph Friedrich IV. von Mecklenburg-Strelitz. Foto: Wikipedia

Vielleicht boten ihm die Freimaurer neue Finanzierungsmöglichkeiten. In den Logen der Bruderschaft sammelten sich Mitte des 18. Jahrhunderts Adlige, die keine Aus