: Ina Plettenberg
: Vater, Vater, Mutter, Kind - Ein Plädoyer für die rechtliche Mehrvaterschaft
: Mohr Siebeck
: 9783161548406
: Studien zum Privatrecht
: 1
: CHF 78.70
:
: Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht
: German
: 164
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: PDF
Kinder haben nicht selten zwei Vaterfiguren: Einen rechtlichen und sozialen Vater einerseits und einen leiblichen, aber nicht rechtlichen Vater andererseits. Der Gesetzgeber hat im Anschluss an zwei Entscheidungen des EGMR dem leiblichen, nicht rechtlichen Vater ein Umgangs- und Auskunftsrecht eingeräumt (§ 1686a BGB). Diese Regelung ist jedoch inhaltlich unausgewogen und verfassungsrechtlich zumindest bedenklich, denn sie macht den leiblichen Vater gleichsam zu einem halben rechtlichen Vater, der nur Rechte, aber keine Pflichten hat. Ina Plettenberg plädiert deshalb für die Etablierung einer zweiten rechtlich vollwertigen Vaterschaft des leiblichen Vaters neben dem rechtlichen und sozialen Vater des Kindes. Erforderlich ist dabei stets, dass dies im Einzelfall mit dem Kindeswohl vereinbar ist. Eine solche doppelte rechtliche Vaterschaft ist von den verfassungsrechtlichen Vorgaben gedeckt und fügt sich einfachrechtlich komplikationslos in das geltende Familien- und Erbrecht ein, wie ein detaillierter Gesetzgebungsvorschlag der Verfasserin zeigt.

Geboren 1989; Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Regensburg; 2013 Erste Juristische Prüfung; Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte und Kirchenrecht der Universität Regensburg; seit 2015 Referendariat am Oberlandesgericht Nürnberg.
Cover1
Vorwort6
Inhaltsverzeichnis8
1. Kapitel: Einführung14
A. Problemaufriss – Forschungsfrage14
B. These15
C. Forschungsstand16
D. Methode – Gang der Untersuchung17
E. Das Kindeswohl – Zentraler Begriff des Kindschaftsrechts18
I. Kurzer Überblick über die Entwicklung des Kindeswohlbegriffs im BGB nach Inkrafttreten des Grundgesetzes18
II. Funktionen des Kindeswohls20
III. Inhalt des Kindeswohlprinzips20
1. Vorrang der Kindesinteressen vor Elterninteressen – Elternautonomie21
2. Berücksichtigung subjektiver Kindesinteressen – Einzelfallorientierte Gerechtigkeit22
3. Der Wille des Kindes23
IV. Das Kindeswohl als Zugangsvoraussetzung oder Schranke24
1. Positive Kindeswohlprüfung25
2. Negative Kindeswohlprüfung25
V. Zusammenfassung26
2. Kapitel: Die verfassungsrechtliche Dimension der rechtlichen Stellung des leiblichen Vaters27
A. Das Grundgesetz27
I. Der Schutz der Familie, Art. 6 Abs. 1 GG27
1. Enger Familienbegriff28
2. Neuer weiter Familienbegriff29
3. Der „Familienfriede“ als verfassungsrechtliche Kategorie30
II. Das Elternrecht, Art. 6 Abs. 2 GG33
1. Biologischer Ansatz – Das Elternrecht als „natürliches“ und damit genetisch determiniertes Recht?33
a. Auslegungsansätze zur „Natürlichkeit“ des Elternrechtes33
b. Auslegung der „Natürlichkeit“ durch das Bundesverfassungsgericht33
2. Insbesondere: Der leibliche (nicht rechtliche) Vater als Träger des Elternrechtes34
a. Entwicklungen durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts35
b. Die Einführung des § 1686a BGB als gesetzgeberische Wertentscheidung mit Einfluss auf das Verfassungsrecht38
3. Gemischt sozial-biologischer Ansatz40
4. Die sozial-familiäre Beziehung41
5. Gemeinsame Elternschaft eines Mannes und einer Frau als zwingende Voraussetzung für den grundrechtlichen Schutz?43
6. Die objektive Dimension des Elternrechts44
7. Rechtliche Absicherung des Kindes durch Abbildung der sozial gelebten familiären Situation45
8. Eventuelle Beschneidung des Elternrechtes durch weitere Person im Schutzbereich45
9. Ausgestaltung des Zugangs zum Elternrecht durch den Gesetzgeber46
III. Das Recht des Kindes auf staatliche Gewährleistung elterlicher Pflege und Erziehung, Art. 2 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG46
1. Dogmatische Herleitung47
2. Unmittelbare Grundrechtsbindung der Eltern durch das Recht des Kindes auf elterliche Pflege und Erziehung?48
3. Folgerungen aus dem Grundrecht für den Staat48
a. Abwehrfunktion49
b. Schutzfunktion49
B. Verfassungsmäßigkeit des § 1686a BGB51
I. Verstoß gegen Art. 2 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 6 Abs. 2 S. 1 GG – Recht des Kindes auf staatliche Gewährleistung elterlicher Pflege und Erziehung52
II. Verstoß gegen Art. 6 Abs. 1 GG52
III. Verstoß gegen Art. 2 Abs. 1 GG i. V. m. Art. 1 Abs. 1 GG – Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung53
1. Schutzbereich des Rechts des Kindes auf Kenntnis seiner eigenen Abstammung54
2. Eingriff und mögliche Rechtfertigung55
3. Zwischenergebnis55
C. Der Gestaltungsspielraum für den Gesetzgeber56
I. Grundgesetzlicher Gestaltungsspielraum56
II. Menschenrechtliche Aspekte58
3. Kapitel: Einfachrechtliche Positionen de lege lata60
A. Begriffsbestimmung der verschiedenen beteiligten Personen60
B. Abstammung61
I. Bestandsaufnahme61
1. Verwandtschaft im Sinne des § 1589 BGB61
2. Zuordnungskriterien der Mutterschaft62
3. Zuordnungskriterien der Vaterschaft62
a. § 1592 Nr. 1 BGB63
b. § 1592 Nr. 2 BGB63
c. § 1592 Nr. 3 BGB65
4. Zwischenergebnis: Vaterschaftszuordnungen und Kindeswohl66
II. Prinzipien des Abstammungsrechtes66
1. Genetische Abstammungskriterien67
2. Soziale Abstammungskriterien68
3. Statusprinzip69
4. Ein-Vater-Prinzip69
a. Hintergründe der existierenden Sperrwirkung70
b. Imitationsbedürfnis des „natürlich“ Möglichen71
c. Gesetzliches Novum durch § 1686a BGB: Bestehen zweier gerichtlich festgestellter Vaterschaften73
d. Vergleich mit § 1598a BGB74
5. Bindungskraft der Abstammungsprinzipien75
C. Auseinanderfallen von leiblicher und rechtlicher Vaterschaft/ Rangverhältnis de lege lata und de lege ferenda/Möglichkei