Sie fühlte sich ausgeschlafen und topfit und rekelte sich noch eine Weile im Bett. Noch nie hatte sie sich so erholt gefühlt. Dann jedoch, als ihr die Ereignisse des gestrigen Tages ins Gedächtnis kamen, runzelte sie die Stirn. Es gefiel ihr gar nicht, dass Rudd offensichtlich mit Hilfe seines Schlagzeugs in irgendeiner Weise Einfluss auf sie hatte nehmen können. Sicher, er hatte den Eid geschworen und war somit gebunden, sie und das Haus zu schützen, aber wie genau dieser Eid zu interpretieren war …? Wer wusste das schon. Sie würde mit ihm reden müssen. Nun ja, zumindest sie würde reden.
Doch wie es sich herausstellte, musste sie die Aussprache aufschieben. Rudd kam, gerade als sie ihren ersten Kaffee trank, in die Küche. Er war von Kopf bis Fuß in schwarzes Leder gekleidet und schnupperte, als er den Kaffee roch.
„Ich würde Euch ja eine Tasse anbieten, aber …“, meinte Rylee verlegen.
Er zückte sein Tablet und schrieb: „Keine Nahrung. Nur Gerüche“, und sog noch einmal tief die Luft ein. Dann schrieb er weiter: „Ich bräuchte Eure Hilfe, Hüterin. Man erwartet mich in“, er sah auf eine fremdartig wirkende Uhr an seinem Handgelenk, „zwei Stunden in einer Stadt namens Hamburg. Könntet Ihr mir ein Fortbewegungsmittel besorgen? Ich habe etwas Erdengeld.“
„Sicher“, sagte Rylee, „ich rufe Euch ein Taxi. Kommt Ihr danach wieder hierher?“
„Ja.“
Mit einer gewissen Erleichterung sah ihm Rylee nach, als er aus dem Gartentor ging und in das wartende Taxi stieg. Der Mann war ihr unheimlich und seine Fähigkeit machte ihr Angst. Er wirkte wie ein Rockmusiker, doch wie war es ihm möglich, ausgerechnet mit einem Schlagzeug, einem Instrument, das kaum unterschiedlich