»Du tust, was ich will, verstanden? Ich warne dich, Romy! Versuch nicht noch einmal, mich zum Narren zu halten, denn das würdest du bitter bereuen, sehr bitter …«
Abrupt schreckte die junge Frau aus dem Schlaf. Ihre rechte Hand tastete zitternd nach dem Schalter der Nachttischlampe.
Nur einen Atemzug später erfüllte der warme, gelbliche Lichtschein den Raum mit der vertrauten Einrichtung. Vor dem Fenster ballte sich noch das wattige Grau der späten Nacht. Es war still, sah man von einem gedämpften Geräuschpegel ab, der in einer Stadt wie Hamburg rund um die Uhr präsent war. Die Sicherheit und Normalität eines Wochentages im Spätherbst.
Trotzdem brauchte Romy Prinzessin von Weißenberg eine Weile, um sich zu beruhigen und in diese Normalität zurückzufinden. Im Traum hatte sie einmal mehr die Schrecken der jüngsten Vergangenheit durchlitten.
Schließlich verließ die junge Architektin das Bett und ging hinüber in die kleine Küche, um sich etwas Milch warm zu machen. Es war noch sehr früh, sie wollte noch ein wenig schlafen, denn ein anstrengender Tag lag vor ihr. Seit sie in dem jungen und innovativen Team des Architekturbüros »Schiefe Ebene« arbeitete, hatte ihr Tag selten weniger als zehn Stunden. Romy liebte ihren Beruf, und die kreative Atmosphäre in dem ehemaligen Loft am Hafen kam ihr sehr entgegen.
Beruflich hatte die Prinzessin sozusagen das große Los gezogen, während es privat ganz anders aussah.
Romy füllte die warme Milch in einen Becher und setzte sich an die Küchentheke. Sie strich ein paar vorwitzige Locken ihrer kastanienbraunen Haarpracht aus der klaren Stirn und seufzte leise. Ihre himmelblauen Augen wurden dunkel vor Kummer, als sie in Gedanken noch einmal zu den Bildern des Albtraums zurückkehrte, der sie seit Wochen fast jede Nacht quälte. Es war die letzte Zeit ihrer Beziehung zu Dr. Hannes Schubert, die sie verfolgte und einfach nicht losließ. Dabei hatte es zwischen ihnen fast wie ein Märchen begonnen …
Vor zwei Jahren war die Prinzessin dem smarten Mediziner auf einer Party zum ersten Mal begegnet. Hannes war groß und gut aussehend und verfügte über einen unwiderstehlichen Charme, der die Prinzessin rasch in seinen Bann gezogen hatte. Er schien tatsächlich ein echter Traummann zu sein. Doch es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis daraus ein Albtraum geworden war.
Die erste Zeit der Verliebtheit hatte Romy auf Wolke Sieben entführt. Aber sie war vorbeigegangen. Und was dann gefolgt war, hatte sich langsam und