Mattis Lenbacher beschloss nach der Feldarbeit, sich noch einmal den neuen Mähdrescher anzusehen, bevor er ins Haus ging.
Als er das Scheunentor öffnete, das nur angelehnt war, hörte er gedämpfte Stimmen, und instinktiv trat er einen Schritt zurück. Dann aber zog es ihn mit aller Macht in das halbdunkle Gewölbe. Geduckt stand er da und lauschte.
„Zier dich net so, Anna, erst machst mir schöne Augen und lockst mich hierher, und dann …“
Mattis erkannte die raue Stimme seines Vaters. Anna, die seit Kurzem auf dem Lenbacherhof arbeitete, lachte girrend auf.
„Was sagst da, ich soll dich hierhergelockt haben? Meinst du, ich fang mitten auf der Tenne ein Gspusi mit dir an? So schaust aus!“
Lenbacher gab einen ärgerlichen Laut von sich.
„Stell dich net so an!“, erwiderte er. „Es soll gewiss net dein Schaden sein.“
Wieder stieß das Mädchen ein Lachen aus, doch diesmal klang es ausgesprochen verächtlich.
„Sag, soll ich gar deine Bäuerin werden?“, fragte sie listig. „Noch ist die Deinige net unter der Erd, auch wenn es dir recht wär.“
„Net gar so frech, Anna! Bist scho a rechtes …“
Der Mann und das Mädchen schienen miteinander zu ringen, Mattis vernahm ein Keuchen und dann einen dumpfen Fall, dem ein wüster Fluch folgte.
„So kannst mir net kommen, Lenbacher! Auf deine Versprechungen geb ich nix, da bleibt mein Kammertürl zu. Und wenn du mich grob anfassen tust, dann erst recht.“
Lenbacher, der von Anna zu Fall gebracht worden war, rappelte sich unter Verwünschungen auf.
„Du Flitscherl“, brüllte er. „Aber ich bekomm dich schon noch!“
Mattis, der wie erstarrt dastand, verließ hastig die Scheune, um nicht gesehen zu werden, und überquerte mit steifen Schritten den Hofplatz.
„So a Schand, so a Schand“, murmelte er vor sich hin, und heiße Lohe stieg in ihm auf.
Er betrat den Flur des breiten Wohnhauses, und der vertraute Duft nach frisch gebackenem Brot empfing ihn. Sonst eilte er immer in die Küche, um ein Stück der warmen Kruste abzubrechen, doch heute stand ihm nicht der Sinn danach.
Stattdessen goss er sich in der Stube einen Obstler ein, den er in einem Zug hinunterschüttete, als könnte er auf diese Weise den üblen Geschmack in seinem Mund loswerden.
Nach einer Weile kam Anna herein, um den Abendbrottisch zu decken. Die hochgewachsene, kräftige Frau arbeitete geschickt und schnell. Sie schob sich eine dunkle Strähne aus dem sinnlichen Gesicht, als sie sich beobachtet fühlte.
Unwillkürlich kam Mattis in den Sinn, was Anna über seine Mutter gesagt hatte, und wieder brandete Zorn in ihm auf. Aber er b