: Tobias Friedrich, Lothar Berndorff
: Die 100 besten Fußball-Spiele Finals, Krimis und Wunder
: Edel Sports - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783868035056
: 1
: CHF 0.90
:
: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 144
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Finals, Krimis und Wunder: von Maradonas Machtdemonstration im Jahr 1986 bis hin zu der Eroberung Roms in Manchester. Die 100 besten Fußball-Spiele aus der ganzen Welt!

Tobias Friedrich, geboren 1969 in Göttingen, lebt als Autor und Musiker in Berlin. Er verfasste unter anderem die Sachbücher '1000 Tage, die die Welt bewegten', '1000 Gründe Fußball zu lieben', den SPIEGEL-Bestseller '... aber das ist eine andere Geschichte' sowie zahlreiche Artikel und Essays. In seiner Jugend spielte er eine äußerst erfolglose Saison lang als Linksaußen beim RSV Geismar.
11 - BALLERSPIELE IN ULM (S. 11-12)

„Spatzen“ heißen sie, die Spieler des SSV Ulm. Doch an diesem 18. März 2000 geht es ihnen nicht anders als den Protagonisten des seinerzeit angesagten Ballerspiels von den„Moorhühnern“: Sie werden gnadenlos abgeschossen. Dass sie in Gestalt des Brasilianers Leandro zumindest das zehnte Tor selbst machen, ist schon der einzige Trost, der den Ulmern nach dem 1:9-Debakel gegen den Titelfavoriten Bayer Leverkusen bleibt. Emerson (zweimal), Paulo Rink, Ulf Kirsten, Oliver Neuville, Zé Roberto (zweimal), Michael Ballack und Bernd Schneider heißen die erfolgreichen Spatzenjäger, die sich am Ende der Saison nur werden nachsagen lassen müssen, dass sie sich vielleicht den einen oder anderen der neun Treffer für das Saisonfinale in Unterhaching hätten aufheben sollen.

Dort holen sie sich statt des zum Titelgewinn ausreichenden Punktes eine 0:2-Schlappe ab, was den Rivalen aus München die Meisterschaft bringt und Leverkusens Trainer jede Menge Spottgesänge als„Vizemeister Daum“. Für die Aufsteiger, bei denen mit Ralf Rangnick lange einer der herausragenden Vertreter der jungen„Konzept-Trainer“-Gilde gewirkt hatte, ist das Ballerspiel der Anfang eines beispiellosen Abstiegs.

Den 30 Punkten, die man bis zu diesem 25. Spieltag bereits gesammelt hatte, werden nur fünf weitere folgen und damit der Abstieg. Im Folgejahr wird den Ulmern sogar die Lizenz entzogen - Verbandsliga. Nach dem Debakel gegen Leverkusen verkündet Trainer Martin Andermatt sarkastisch, nun müsse man„mal schauen, ob noch irgendwelche (Negativ-)Rekorde in der Bundesliga zu brechen sind.“ Doch für die höchste Heimniederlage der Bundesligageschichte reicht es nicht ganz: Die Rekordspezialisten von Tasmania Berlin können ein 0:9 gegen den Meidericher SV aus dem Jahre 1966 vorweisen.

12 - TORSTAKKATO IN DER VERLÄNGERUNG


Bayer Uerdingen, bis zum Ende der Saison 1994/1995 zweite Werkself des Chemiekonzerns Bayer AG, sorgt Ende der Siebziger für Furore. Zwar verabschiedet sich er Verein nach dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga zur Saison 1975/76 sofort wieder in die zweite Liga. Doch der Zweitligist sorgt in der Spielzeit 1976/77 im DFB-Pokal für Aufregung. Nach Heimsiegenüber die Bundesliga-Mannschaften vom 1. FC Kaiserslautern (3:1) und Werder Bremen (2:0), bleibt vor allem ein legendäres Spiel gegen Eintracht Frankfurt in Erinnerung:

Ein offener Schlagabtausch bestimmt die umkämpfte Partie in der 1. Halbzeit (Zwischenstand 1:1). Doch es ist die emotional aufrüttelnde 2. Halbzeit (eine Spezialität der Uerdinger, wie sich Jahre später zeigen sollte), die mit Toren im Doppelpack hüben wie drüben für Stimmung sorgt: Willi Neuberger und Bernd Nickel zum 1:2 und 1:3 für die Gäste aus Frankfurt, Friedhelm Funkel und Jan Mattsson zum 2:3 und 3:3 für die Heimmannschaft sorgen für Nervenkitzel.

Es gibt Verlängerung. Auf einmal schießt die Bayerwerkself aus Uerdingen an diesem 19. Februar 1977 den Gegner aus Frankfurt, sehr zur Freude der Krefelder Fans, in einem Torstakkato nach Hause in die hessische Heimat. Hans-Jürgen Wlonka (94.) und zweimal der umjubelte Paul Hahn (104., 120.) sorgen für die Sensation. 6:3 gegen die eigentlich routinierten Frankfurter. Erst im Halbfinale zeigt sich Hertha BSC (0:1) alsübermächtiger Gegner im Pokalgeschäft.