: Lothar Berndorff, Tobias Friedrich
: Die 100 besten Fußball-Tore Hammer, Hackentricks und Soli
: Edel Sports - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783868035087
: 1
: CHF 0.90
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: Humor, Satire, Kabarett
: German
: 132
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Hammer, Hackentricks und Soli: von Zinzinhos Tor in der Weltmeisterschaft von 1950 bis hin zu Franck Ribérys Torkünsten. Die 100 besten Fußball-Tore aus der ganzen Welt!

Tobias Friedrich, geboren 1969 in Göttingen, lebt als Autor und Musiker in Berlin. Er verfasste unter anderem die Sachbücher '1000 Tage, die die Welt bewegten', '1000 Gründe Fußball zu lieben', den SPIEGEL-Bestseller '... aber das ist eine andere Geschichte' sowie zahlreiche Artikel und Essays. In seiner Jugend spielte er eine äußerst erfolglose Saison lang als Linksaußen beim RSV Geismar.
44 - DER FALLRÜCKZIEHER, DEN KLAUS FISCHER NICHT SCHIESST (S. 33-34)

Fallrückziehertore im Trikot von Schalke– das ist ja ganz eigentlich die Mission des langjährigen blau-weißen Torjägers Klaus Fischer. Aber wollen mal nicht so viele Worteüber olle Kamellen verlieren. Es gibt da ja auch noch Andreas Müller, den späteren Schalke-Manager, der 2009 aufgrund seiner verunglückten Transferpolitik den Hut nehmen musste. Gnädiger ist das Schicksal Müller am 23. November 1991 auf dem Betzenberg, wo sich der gastgebende 1. FC Kaiserslautern und der FC Schalke 04 zum sportlichen Gedankenaustausch treffen.

Die Lauterer liegen kurz vor dem Pausenpfiff 1:0 in Führung und spielen ganz entspannt ihr Spiel. Schalke fährt einen Konter und Stürmer Uwe Leifeld flankt auf den kleinen Peter Sendscheid. Der wird einfach umgerannt und eigentlich muss es Elfmeter geben. Der Ball indes fliegt immer noch frei herum und Schalkes Mittelfeldrenner Andreas Müller legt sich akrobatisch quer in die Luft und drischt das Leder per Fallrückzieher in die Maschen des Lauterer Tores. Libero Miroslav Kadlec und Tormann Gerald Ehrmann sind chancenlos. Das Tor wird später–ähnlich wie die Vorbilder von Klaus Fischer– zum Tor des Jahres gewählt.

45 - RÜCKEN-TAUCH-SEIT

Es gibt den klassischen Fallrückzieher der Marke Klaus Fischer, es gibt Seitfallzieher, wie sie von Karl-Heinz Rummenigge oder auch von Jürgen Klinsmann schon formvollendet dargeboten wurden. Aber einen, nennen wir das mal, Rücken-Tauch-Fall-Zieher hat es vermutlich nur ein einziges Mal gegeben. Jürgen Wegmann, 1988 Stürmer in Diensten des FC Bayern München, muss man in seinen besten Tagen nicht unbedingt gut zureden, damit sein Selbstbewusstsein eine annehmbare Größe erreicht.

Die selbsternannte„Kobra” bewegt sich an jenem Tag im Jahr 1988 dann auch in etwa wie eine eher mutige Schlange als eine Vorlage von Olaf Thon beim Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg von kurz hinter der Mittellinie in den Strafraum segelt. Es gibt nur eine Art wie man den Ball jetzt spielen und in Richtung Tor bringen kann. Man lege sich hintenüber, fast waagerecht, lasse lediglich ein Unterbein zum Stehen auf dem Boden, stoße sich mit eben jenem dann im richtigen Moment ab, um mit dem anderen einen Scherenschlag zu vollziehen und den Ball Volley ins Tor weiterzuleiten.

Das alles von kurz hinter dem Elfmeterpunkt, umringt von Abwehrspielern. Kann klappen, muss aber nicht. Normalerweise geht man aus so einer Situation als Depp hervor. Nicht so Wegmann, der genau so trifft, das Spiel damit auch noch 1:0 entscheidet und von 113.000 Fernsehzuschauern zum Spieler mit dem„Tor des Jahres” vor Marco van Basten gewählt wird. Hut ziemlich ab.