Die Tote hinter dem Teeladen
»Ich habe Kreuzschmerzen«, teilte mir mein Patient mit und wirkte dabei fast ein wenig stolz. »Ich will ein paar Spritzen.«
»Ein paar gleich?«, kam es mir süffisant über die Lippen, während ich ihn musterte: ein stämmiger Mann um die sechzig mit geschätzten fünfzehn Kilo Übergewicht, einem geröteten Gesicht und großen, kräftigen Händen, die er vor seinem beleibten Oberkörper verschränkt hielt. Seit drei Monaten war er in Pension. Seine Zugehörigkeit zur einschlägigen Betriebskrankenkasse verriet mir, dass er zuvor sehr lange für einen großen Automobilhersteller, einen der wichtigsten Arbeitgeber dieser Gegend, tätig gewesen war.
»Der Doktor Fischer hat mir immer Spritzen gegeben!«, begehrte mein Patient auf, der mir meine Süffisanz anscheinend tatsächlich gleich verübelte.
Ich unterdrückte ein Seufzen. Mehrmals schon hatte ich die Erfahrung machen müssen, dass die Leute hier in der Region meinen Humor nicht verstanden; ebenso wenig wie ich den ihren. Vor drei Monaten hatte ich als Allgemeinmedizinerin die Praxis meines Vorgängers Dr. Fischer übernommen, der im stattlichen Alter von siebzig Jahren nun endlich auf Druck seiner Frau in den Ruhestand gegangen war. Wenn es mir nicht gelang, mich besser auf die Mentalität der Menschen in diesem Sechstausend-Seelen-Ort einzustellen, konnte ich die Praxis entweder bald schließen oder darauf hoffen, jemanden zu finden, der sic