: Julian Fellowes
: Belgravia Roman
: C. Bertelsmann
: 9783641205171
: 1
: CHF 8.90
:
: Erzählende Literatur
: German
: 448
: DRM
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Erfolgsautor mit der großen Familiensaga nach 'Downton Abbey'
'Belgravia' - mit seinem neuen Roman setzt der Schöpfer der Erfolgsserie 'Downton Abbey' Julian Fellowes dem nobelsten Londoner Stadtteil ein großartiges Denkmal. Dabei entführt er seine Leser mitten ins 19. Jahrhundert, wo alter Hochadel, neureiche Unternehmer und korrupte Dienstboten aufeinandertreffen und die Liebe sich den Standesgrenzen widersetzt ... Überaus spannend lässt Julian Fellowes in 'Belgravia' eine versunkene Welt lebendig werden.

Julian Fellowes wurde 1949 in Ägypten geboren, wuchs in England auf und studierte in Cambridge. Er ist Schauspieler und preisgekrönter Autor von Romanen, Drehbüchern und Theaterstücken; für 'Gosford Park' wurde er mit einem Oscar ausgezeichnet, die Serie 'Downton Abbey' hat ihn weltweit berühmt gemacht. 2009 wurde er in den Adelsstand erhoben. Julian Alexander Kitchener-Fellowes, Baron Fellowes of West Stafford, lebt mit seiner Frau Emma im Südwesten der englischen Grafschaft Dorset.

Eine zufällige Begegnung

1841

Die Kutsche kam zum Halten. Es schien kaum ein Moment vergangen, seit Anne eingestiegen war. Eigentlich lohnte es nicht, den Wagen anspannen zu lassen, um vom Eaton Square zum Belgrave Square zu fahren, und wenn es nach Anne gegangen wäre, dann hätte sie den Weg zu Fuß zurückgelegt. Aber natürlich ging es in solchen Fällen nicht nach Anne. Nie. Ein weiterer Moment verstrich, dann war der Kutscher abgestiegen und öffnete den Schlag. Er streckte ihr den Arm entgegen, um ihr beim Aussteigen Halt zu geben. Anne blieb kurz stehen und atmete einmal tief durch. Das Haus, in dem sie erwartet wurde, gehörte zu den glanzvollen klassischen Bauten im Zuckerbäckerstil, die in Belgravia, das erst seit Kurzem so hieß, in den letzten zwanzig Jahren aus dem Boden gestampft worden waren. Ihre Architektur barg für Anne Trenchard wenig Geheimnisse, denn ihr Mann hatte das ganze letzte Vierteljahrhundert damit verbracht, an Plätzen, Prachtstraßen und Crescents solche Privatpalais zu errichten, standesgemäße Domizile für die Reichen im England des neunzehnten Jahrhunderts. Er arbeitete mit den Gebrüdern Cubitt zusammen und verdiente dabei ein Vermögen.

Zwei andere Damen wurden vor Anne ins Haus eingelassen, und der Lakai hielt erwartungsvoll die Tür auch für Anne auf, sodass ihr nichts übrig blieb, als die Stufen hochzusteigen und in die weitläufige Eingangshalle zu treten. Dort stand ein Dienstmädchen bereit, um ihr das Umschlagtuch abzunehmen; die Haube behielt Anne jedoch auf. Sie war es inzwischen gewöhnt, von Leuten eingeladen zu werden, die sie kaum kannte, und der heutige Nachmittag machte da keine Ausnahme. Der Schwiegervater ihrer Gastgeberin, der verstorbene Duke of Bedford, war ein Kunde der Cubitts gewesen, und James Trenchard hatte für ihn viele Arbeiten am Russell Square und am Tavistock Square ausgeführt. Heutzutage gab sich James natürlich gern als Gentleman, den es nur zufällig in die Geschäftsräume der Cubitts verschlagen hatte, und manchmal nahm man ihm das sogar ab. Er hatte erfolgreich Freundschaft oder zumindest freundliche Bekanntschaft mit dem Duke und dessen Sohn, Lord Tavistock, geschlossen. Dessen Gemahlin hingegen, Lady Tavistock, hatte sich stets als überlegene Gestalt im Hintergrund gehalten, führte sie doch als eine der Palastdamen der jungen Queen ein ganz anderes Leben. Anne hatte mit ihr in all den Jahren kaum mehr als ein paar höfliche Worte gewechselt, aber James bildete sich ein, dies genüge als Grundlage, um die Bekanntschaft fortzuführen. Der alte Duke starb zu gegebener Zeit, und als der neue Duke James’ Hilfe in Anspruch nehmen wollte, um den Londoner Besitz der Familie weiter auszubauen, hatte James einen dezenten Hinweis fallen lassen, dass Anne gern einmal den »Nachmittagstee« erleben würde, eine Neuerung der Duchess, über die so viel gesprochen wurde. Tatsächlich kam in Kürze eine Einladung.

Man konnte nicht behaupten, dass Anne Trenchard den gesellschaftlichen Alpinismu