: Paul Doherty
: Tod auf der Themse Historischer Kriminalroman
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955308391
: Bruder Athelstan
: 1
: CHF 4.50
:
: Historische Kriminalromane
: German
: 268
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Winter 1379: Sir John Cranstone, Coroner der Stadt London, muß sich mit einer Serie geheimnisvoller Diebstähle in den Häusern reicher Handelsherren beschäftigen. Gleichzeitig bereitet Athelstan, Dominikaner und Schreiber des Sir John, ein Mysterienspiel in seiner Gemeinde vor. All das wird plötzlich unwichtig, als mehrere englische Schiffe, die im Auftrag des Königs französische Küstenorte ausgeplündert habe, um die Staatskasse aufzufüllen, in der Themse vor Anker gehen. Der Tod eines Kapitäns, zwei weitere Morde und drei spurlos verschwundene Seeleute stellen Sir John und Athelstan vor eine beinahe unlösbare Aufgabe. Im Zuge ihrer Nachforschungen stoßen sie auf Skandale, Intrigen und sogar Hochverrat. Als französische Kriegsschiffe für die englische Piraterie Rache üben wollen, wird es lebensgefährlich ...

Paul Charles Doherty, geb. 21. September 1946 in Middlesbrough, als viertes von neun Kindern. Seine Schulzeit absolvierte er in einem katholischen Internat. Anschließend jobbte er mit geringem Erfolg als Müllmann, Straßenkehrer, Busfahrer, Kellner und Knecht Ruprecht. Danach wollte er Priester werden, verwarf dies aber nach drei Jahren und studierte dann Geschichte in Liverpool und Oxford, wo er auch seine Frau Carla, eine Amerikanerin, kennenlernte. Nach dem Studium unterrichtete er in Berkeshire, Nottinghamshire und West Sussex und wurde 1981 zum Leiter der Trinity Catholic Highschool ernannt.

2


 

Bruder Athelstan saß am Küchentisch seines kleinen Pfarrhauses von St. Erconwald in Southwark und starrte mißgelaunt ins Feuer. Er hatte die Frühmesse gelesen, hatte mit Hilfe der Kurtisane Cecily die Kirche geputzt und mit Tab, dem Kesselflicker, über ein paar Töpfe gesprochen, die repariert werden mußten. Dann hatte er sich von der Witwe Benedicta verabschiedet, weil sie für ein paar Tage auf die andere Seite der Themse zu einer Verwandten wollte, die kurz vor der Niederkunft stand.

Athelstan erhob sich und rührte in dem Porridge, der in einem schwarzen Kessel über den Flammen kochte. Dann schaute er sich nach Bonaventura um, dem großen, einäugigen Kater, der geduldig auf dem Tisch saß und sich zierlich putzte, nachdem er die Nacht über in den Gassen rings um die Kirche auf der Jagd gewesen war.

»Gleich ist es fertig, Bonaventura. Heiße Hafergrütze mit Milch, dazu Zimt und Zucker. Benedicta hat sie selbst zubereitet, bevor sie ging. Sie wird köstlich schmecken. In der kommenden Woche werden wir frühstücken wie die Könige.«

Der Kater gähnte und starrte diesen seltsamen Dominikaner, der dauernd mit ihm sprach, mit arroganter Miene an. Athelstan wischte den Hornlöffel ab, hängte ihn an seinen Haken, streckte sich und gähnte.

»Ich hätte ins Bett gehen sollen«, murmelte er. Statt dessen war er auf den Kirchturm geklettert, um die Sterne zu betrachten, und mit ehrfürchtigem Staunen hatte er den feurigen Fall eines Meteors beobachtet. Er setzte sich wieder an den Tisch und trank einen Schluck von seinem verdünnten Ale.

»Warum nur?« fragte er Bonaventura. »Sag es mir, du gerissenster unter den Katern. Warum fallen Meteore vom Himmel, aber Sterne nicht? Oder«, fuhr er fort, als er sah, daß der Kater ihm aufmerksam zuhörte, »sind Meteore herabfallende Sterne? Und wenn sie es sind, was veranlaßt den einen und nicht den anderen Stern herabzufallen?«

Der Kater blinzelte mit seinem gesunden Auge.

»Und das Problem wird noch verwickelter«, sagte Athelstan. »Ich will es einmal so ausdrücken. Warum bewegen sich manche Sterne? Das Sternbild, das man den Großen Bären nennt, tut es zum Beispiel, aber der Stern der Schiffe, der Polarstern, tut es nie.«

Zur Antwort miaute Bonaventura laut und ließ sich auf den Tisch plumpsen, als verzweifle er ob des langen Wartens auf seine morgendliche Schale Hafergrütze. Athelstan lächelte und streichelte dem Kater sanft über das zerfranste Ohr.

»Sollen wir überhaupt Fragen stellen?« flüsterte er. »Oder sollen wir die großen Wunder Gottes nur staunend betrachten?«

Seufzend wandte er sich wieder dem Pergament zu, das er am Abend zuvor studiert hatte. Es zeigte eine rohe Grundrißzeichnung seiner Kirche. Der Gemeinderat in seiner Weisheit hatte entschieden, am Namenstag des Pfarrheiligen im Kirchenschiff ein Mysterienspiel aufzuführen. Athelstan legte jetzt eine Liste der Dinge an, die man dazu brauchen würde. Thomas Drawsword, ein neues Mitglied der Gemeinde, hatte sich bereit erklärt, einen großen Karren zu beschaffen, der als Bühne dienen konnte, aber sie würden noch mehr benötigen. Athelstan studierte seine Liste:

Zwei Teufelsmäntel

Ein Hemd

Drei Masken

Flügel für die Engel

Drei Trompeten

Eine Hö