: Marcia Rose
: Geliebter Unbekannter
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955306359
: 1
: CHF 5.40
:
: Erzählende Literatur
: German
: 400
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Marcia Rose versteht es meisterhaft, ihren Figuren Leben einzuhauchen und sie zu starken Charakteren zu formen. Große Emotionen vor einem stimmungsvollen, farbenprächtigen Hintergrund.' (Publishers Weekly) Alle Frauen lieben ihn - doch keine kennt ihn wirklich: Der Millionär Jack führt seit Jahrzehnten ein Doppelleben. Als er mit siebzig in den Ruhestand gehen und sein Unternehmen verkaufen will, kann er seine Geliebte und deren Sohn nicht mehr länger verheimlichen. Jacks Familie, die sein ganzer Stolz ist, zerbricht beinahe daran. Seine Frau will ihn verlassen, seine Töchter verachten ihn, er steht vor dem Ruin. Auch finanziell - denn in der Chefetage seiner Firma gibt es einen Verräter. Jetzt muss Jack Farbe bekennen und endlich handeln... 'Ein Schmöker im allerbesten Sinne des Wortes!' (Library Journal)

KAPITEL 1


Erntedanktag, 28. November 1985


Die Küche der Mutter kam Deena Berman vor wie das Bühnenbild für ein Theaterstück, in dem es um eine wohlhabende jüdische Familie ging, die sich am Erntedanktag in einer der großzügigen alten Luxuswohnungen an der Westseite des Central Parks zum Abendessen versammelt hatte.

Jedes Teil war an seinem Platz: die dampfenden Töpfe auf dem Herd, Porzellanschüsseln und silberne Servierteller griffbereit. In der Speisekammer warteten Tabletts mit Bergen von frischem Obst, das zur Versorgung eines kleinen Landes ausgereicht hätte. Und der Teewagen war auf jedem Zentimeter mit köstlichen Desserts bedeckt. Es gab Körbe mit Brot, Brötchen und Zwieback, und durch das Fenster der Backröhre war der obligatorische Truthahn dunkel zu erkennen.

Die Bühne war bereit, der Vorhang konnte sich öffnen, alle waren da: Die mitwirkenden Frauen waren geschäftig beim Kochen – fröhlich, vertraut, lustig, liebevoll –, Papas vier Strauss-Mädchen. In Gedanken ging Deena die Besetzungsliste in der Reihenfolge der Auftritte durch: Mutter Sylvia Weinreb Strauss, neunundsechzig Jahre alt, die älteste Schwester Elaine Strauss Barranger, fünfundvierzig, und die jüngste Schwester Marylin Strauss, Ärztin, sechsunddreißig Jahre alt und – oh Himmel! – noch nicht verheiratet. Und dann natürlich sie selbst, Deena Strauss Berman, Ehefrau und Mutter und – verdammt – dreiundvierzig Jahre alt.

Doch das hier war kein Theaterstück und auch keine Bühnendekoration. Es handelte sich vielmehr um das Zuhause ihrer Kindheit und um ihre Familie. Aus der Küche drangen die Gerüche, die sie seit jeher vom Erntedanktag kannte: eine Mischung aus Butter, Honig, Orangen, Salbei, Nelken, Truthahn, Zwiebeln, Apfelkuchen ... einfach köstlich! Und so vertraut! Deena blieb in der Küche stehen und schnupperte tief und zufrieden.

»Aufpassen!« Elaine schob sich lachend mit einem großen Teller voller rohem Gemüse hinter ihr vorbei. »Ich habe den Auftrag, diecrudités hineinzutragen.« Sie sprach das Wort französisch aus.

»Crudités?«, wiederholte Deena. »Kannst du dich vielleicht noch daran erinnern, dass es sich dabei früher schlicht um rohes Gemüse handelte?«

»Das war, kurz bevor aus der Hühnersuppe ein consommé wurde«, schaltete sich Marilyn ein.

»Und aus Schokoladenspeise Mousse ...«, ergänzte Elaine.

Deena musste lachen. »Erinnert ihr euch noch daran, als Sylvia zum ersten Mal verkündete, dass es Mousse geben würde? Und Marilyns Gesichtsausdruck – pure Panik!«

»Die Geschichte haben wir doch alle schon tausendmal gehört, Deena«, sagte Marilyn.

Jetzt lachte auch Elaine. »Das war aber auch komisch! Wir haben dir alles Mögliche erzählt, und du konntest dir nichts daru