: Matthias Horx
: Future Fitness Wie Sie Ihre Zukunftskompetenz erhöhen
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955305482
: 1
: CHF 3.60
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: Gesellschaft
: German
: 236
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Wie erkenne ich einen Trend? Wie kann ich von Trends profitieren? Was sind Megatrends, Produkt-, Konsum,- Kultur- und Retrotrends? Ob als selbständiger Unternehmer, als Entscheider in der Wirtschaft oder in persönlichen Krisensituationen - das Wissen um Trends und zukünftige Mentalitäten ist entscheidend für erfolgreiche Geschäftsstrategien. Der renommierte Trend- und Zukunftsforscher Matthias Horx öffnet in seinem Buch den Blick der Unternehmenskultur nach vorn. In seinem Handbuch vermittelt er Strategien und Methoden, Trends zu erspüren, sie erfolgreich zu nutzen, von Trendentwicklungen zu profitieren und Innovationen durchzusetzen. Die professionelle Beschäftigung mit dem Thema 'Zukunft' erhöht die Intelligenz in der strategischen Planung und erzeugt so 'Future Fitness.' Future Fitness - die Zukunftskompetenz für Entscheider - ist unerlässlich für diejenigen in Unternehmen und Management, die Veränderung und Innovation anstreben und sich nicht mit Sicherheit und Tradition begnügen.

Matthias Horx, geb. 25. Januar 1955 in Düsseldorf, ist ein deutscher Publizist und Unternehmensberater, der von sich selbst und einigen Medien als 'Trend- und Zukunftsforscher' bezeichnet wird. Horx besuchte die Ziehenschule in Frankfurt am Main. Nach dem Abitur 1973 begann er ein Soziologiestudium an der Goethe-Universität, das er allerdings abbrach. In den 1980er-Jahren schlug er eine journalistische Laufbahn ein. 1980 bis 1992 arbeitete er als Autor und Redakteur bei Pflasterstrand, Tempo, Die Zeit und Merian. Er schrieb mehrere Bücher. 1993 eröffnete er gemeinsam mit Peter Wippermann das Trendbüro in Hamburg. Nach seinem Ausstieg aus dem Unternehmen gründete er 1998 das Zukunftsinstitut mit Hauptsitz in Frankfurt am Main, das auch eine Zweigstelle in Wien unterhält. 2017 übergab Horx die Führung des operativen ZI-Geschäftes an Harry Gatterer. Horx lebt mit seiner Familie in Wien. Er ist mit der britischen Journalistin Oona Strathern verheiratet und Vater von zwei Söhnen.

ÜBERWINDEN SIE DEN ZUKUNFTSZYNISMUS


»Ich weiß buchstäblich nicht, was die Leute damit meinen, wenn sie sagen, man muss nach vorne sehen, um zu wissen, wohin wir gehen. Worauf sollen wir denn blicken? In der Zukunft gibt es für uns noch nichts zu sehen. Nach-vorne-Blicken kann doch nur bedeuten, dass wir in unserer Vergangenheit nützliche und humane Ideen suchen, mit denen wir die Zukunft gestalten können.«3 So formulierte es vor kurzem der Medienkritiker Neil Postman. Noch trockener sagte es unser geliebter Karl Popper:

»We can know nothing about the future, otherwise we would know it!«

Zukunfts-Zynismus– also die Leugnung, dass die Auseinandersetzung mit Zukunftüberhaupt einen Sinn machen kann– ist ein beliebter Freizeitsport, und er kann sich auf die Zitate kluger Männer berufen. Nichts ist leichter, als sich schenkelklopfendüber die Unmöglichkeit jeder Prognose zu verständigen: Hoho– alles Unsinn– wenn nicht einmal die Wetterfrösche uns den Regenschauer von heute Nachmittag vorhersagen können!

Fallen wir also ruhig einmal ein in den Chor der Zukunftszyniker. Dabei brauchen wir noch nicht einmal die allbekannten Fehlprognosen-Bonmots zu bemühen, die heute jede zweite Rede schmücken (Dauerbrenner: die Prognose des»IBM«-Chefs Thomas Watson aus den 40er Jahren:»Es gibt einen Weltmarkt für vier Computer!«).4

Im Jahre 1910 wagte ein Dutzend abendländischer Publizisten und Denker aus dem deutschsprachigen Raum das ehrgeizige Projekt einer 100-Jahre-Voraussage. Sie erschien in Buchform unter dem TitelDie Welt in 100 Jahren in Berlin: 24 Kapitelüber die Zukunft der Frauen, des Verkehrs, der guten Sitten, des Theaters und so fort. Hier einige Schlüsselzitate:

»Es gibt mancherlei, was wir trotz unserer Unzulänglichkeit voraussagen können. Zum Beispiel, dass das menschliche Vorwärtsstreben von jetzt ab weit schneller vonstatten gehen wird. In den kommenden Gärten werden Johannisbeeren wachsen so groß wie Damascenerpflaumen,Äpfel so groß wie Melonen […] Obwohl jede Ortschaft ihr Theater hat, wird man nur in New York und Paris Theater spielen und dies mittels Fernharmonium auf den Schirm in alle Weltübertragen. […] Nachts wird die Luft von Millionen Lichtern erhellt, und im tausendjährigen Reich der Maschine gleicht die Kriegsführung einem Schachturnier. Die Steppen Amerikas, die Dschungel Indiens, die Gletscherfirnisse der Alpen werden mit bunten, gen Himmel schreienden Plakaten bedeckt sein. Die Zahl der Wahnsinnigen wird irre steigen, das Verbrechen zur Domäne der Frauen geworden sein, die beiden großen Bewegungen der Neuzeit, die Frauen- und die Arbeiterbewegung haben ihre Ziele erreicht, u.a. durch die Mittel, die Menschheit ohne Elternschaft fortzupflanzen.«

Das scheint wie wilder Unsinn, gemischt mit zeitüblichem Pathos. Allerdings: Wenn man genauer liest, finden sich einige erstaunliche Erkenntnisse. Und im Kapitel»Die Kommunikation der Zukunft« wurde so gut wie alles präzise vorausgesagt, was unsere heutige Kommunikationswelt ausmacht:

»Die Bürger der drahtlosen Zeit werdenüberall mit ihrem›Empfänger‹ herumgehen, der irgendwo, im Hut oder anderswo angebracht, auf eine der Myriaden von Vibrationen eingestellt sein wird. Der Empfänger wird trotz seiner Kompliziertheit ein Wunder der Kleinmechanik sein. Konzerte und Direktiven, ja alle Kunstgenüsse und das Wissen der Erde werden drahtlosübertragen sein. Monarchen, Kanzler, Diplomaten, Bankiers, Beamte und Direktoren werden ihre Geschäfte erledigen und ihre Unterschriften geben können, wo immer sie sind, sie werden eine legale Versammlung abhalten, wenn der eine auf der Spitze des Himalaya, der andere an einem Badeorte ist…«5

Grasen wir weiter auf der fruchtbaren Weide der Zukunftsirrtümer: Hermann Kahn, der wohl berühmteste US-Zukunftsforscher der 60er und 70er Jahre, ein Zwei-Zentner-Mann mit massivem Sendungsbewusstsein (er erfand zum Beispiel die»doomsday machine«, die Stanley Kubricks Film»Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben« inspirierte), machte 1968 in seinem berühmten WerkIhr werdet es erleben6 zusammen mit Anthony J. Wiener, unter anderem folgende technische Prognosen für das Jahr 2000:

  • Wirksame Appetits- und Gewichtskontrolle; kein Mensch muss mehr wiegen, als er will,
  • »Winterschlaf« zu Erholungs- und Therapiezwecken auch beim Menschen,
  • Riesenunterseeboote für Massenguttransporte,
  • Verlässliche Wettervorhersagen und Beeinflussung des Wetters durch den Menschen,
  • Privatflugzeuge für jedermann.

Auch hier kann man mühelos die Formel»Der Wunsch ist der Vater aller Prognosen« erkennen. Doch diese sieben Fehltreffer sind lediglich ein kleiner Ausschnitt aus insgesamt 100 (!) Technik-Voraussagen Kahns, von denen die anderen 93 durchaus unser heutiges technisches Environment beschreiben. Zum Beispiel sahen Kahn und Wiener voraus:

  • den Boom der Bankautomaten,
  • den Siegeszug der Videorekorder,
  • die GPS-Ortungssysteme,
  • Hochgeschwindigkeitszüge.

Und wie steht es mit den»Trendbrüchen«, mit den völlig unerwarteten Ereignissen der Weltgeschichte?»A trend is a trend is a trend. But the question is: will it bend?« Wie es Alec Cairncross, Chefökonom der britischen Regierung, nach dem Kr