: Emily Byron
: Verraten - Die Linie der Ewigen
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955305161
: Die Linie der Ewigen
: 1
: CHF 3.60
:
: Fantasy
: German
: 377
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der zweite, von den Fans sehnsüchtig erwartete Roman aus Emily Byrons fantastischer Trilogie 'Die Linie der Ewigen'! Die spannende Geschichte von Aline und ihrem geliebten Daron wird endlich fortgeschrieben... Vorstellungstermin bei der Familie des Zukünftigen - meistens der Alptraum aller Schwiegertöchter in spe... Doch Aline Heidemann nimmt es sportlich; scheint doch das bevorstehende Treffen mit dem Clan der McEags vergleichsweise einfach, gemessen an den Turbulenzen der vergangenen Wochen. Womit Aline allerdings nicht gerechnet hat: dass dieser kalte Dezemberabend ihr bisheriges Leben komplett auf den Kopf stellen und sie in ein noch größeres Abenteuer stürzen wird! Denn plötzlich sieht sie sich nicht nur den erwarteten Anfeindungen aus den Reihen der Ewigen ausgesetzt. Diesmal scheint es überraschenderweise nicht Darons Bruder Mael zu sein, der ihr übel mitspielen will. Bestürzt muss Aline feststellen, dass ihre große Liebe zu Daron abermals auf eine harte Probe gestellt und dass sie unerwartet in die dunklen Abgründe der Familiengeschichte gerissen wird. Und dabei eine Intrige aufdeckt, deren Bösartigkeit so tief geht und so lange währt wie die Existenz der Ewigen selbst. Einmal mehr liegt es allein an ihr, das Chaos zu ordnen und dabei jene zu retten, die sie am meisten liebt. Und als wäre das noch nicht anstrengend genug, plagt sie morgens seit Kurzem auch noch eine merkwürdige Übelkeit... Die junge Autorin Emily Byron hat mit ihrem Debüt 'Auserwählt' zahllose Leser begeistert. Auch in ihrem zweiten, von den Fans heiß ersehnten Roman 'Verraten' entführt sie wieder in die schaurig geheimnisvolle Welt der Ewigen - voller Jahrtausende alter Geheimnisse, tiefer Liebe, knisternder Erotik und düsterer Gewalt. Und begeistert mit einer hinreißenden Liebesgeschichte, die größer und stärker ist als Zeit und Raum...

Emily Byron, geb. 1976 in München. Bereits im Kindergartenalter stahl sie sich im Supermarkt - zum Leidwesen ihrer Eltern - immer wieder heimlich zum Zeitschriftenregal mit den Fantasycomics für Erwachsene. Ihre eigenen Gedanken hielt sie zunächst in Zeichnungen, später auch in ersten Kurzgeschichten fest. Im Zuge einer lebensverändernden Erfahrung überkam die Soziologin Ende 2009 wie aus dem Nichts die Idee zu ihrem ersten Buch 'Auserwählt - Die Linie der Ewigen', das eine ganze Trilogie begründen sollte. Neben ihren Büchern veröffentlichte die Autorin seither zahlreiche Kurzgeschichten, Gedichte und Gastartikel auf diversen sozialen Plattformen. Emily Byron lebt mit ihrem Freund sowie ihren Haustieren München.

2


Hatte ich nicht gerade noch gesagt, ich wäre nicht nervös gewesen? Dann streichen Sie das bitte.

Und zwar ganz schnell.

Innerhalb von Sekunden machte ich mir schlagartig in den Reifrock, zumindest innerlich.Äußerlich versuchte ich weiterhin den coolen Schein zu wahren. Daron entging meine Reaktion allerdings nicht, und er drückte ganz leicht meine Hand, als wollte er sagen, dass alles gut werden würde. Leider half das auch nicht viel.

Vor mir erstreckte sich ein großzügiger Raum, dessen Wände und Boden aus den gleichen alten Steinquadern bestand wie der Treppenabgang, durch den wir gekommen waren. Hier und da warfen einige Fackeln ihr Licht auf antik aussehende Wandteppiche, und ich fragte mich, aus welchem Ritterfilm der Fünfzigerjahre die wohl stammen könnten. Fast erwartete ich, jeden Moment Robert Taylor als Ivanhoe um die Ecke schreiten zu sehen. Mit den Trompetenärmeln wäre ich jedenfalls glatt als Rebecca durchgegangen.

An den Seiten links und rechts befanden sich je vier Stühle aus dunklem Holz, wobei das nicht annähernd der Bezeichnung entsprach. Ich hätte vielmehr das Wort Thron gewählt, aber das musste ich mir für die Sitzgelegenheit am gegenüberliegenden Ende des Raumes aufsparen. Wie die anderen acht Holzstühle war er mit zahlreichen Schnörkeln und seltsamen Tierköpfen an den Enden der Armlehnen versehen, jedoch um Einiges größer und breiter. Grüner Samtüberzog die Sitzfläche und die Rückenlehne, die an sich schon einem Kunstwerk glich. Um die Polsterung schnörkelten sich meisterhaft geschnitzte Ranken, die sich empor schlängelten zu einem gigantischen Drachen mit gespreizten Flügeln, der sich mit offenem Maul bedrohlichüber dem darauf Sitzenden erhob.

Ach du dickes Ei.

Doch so imposant dieses Stühlchen auch war– das, was sich darauf befand, ließ mir richtig den Atem stocken.

Unter dem Drachen, beide Arme auf die Lehnen gestützt, saß ein Mann, dessen Anblick mir nur allzu vertraut war. Kurz musste ich blinzeln, weil ich dachte, dass mir meine Sinne einen Streich spielten.

Auf dem Thron saß Daron. Aber nein, das konnte doch nicht sein– schließlich stand Daron links von mir und hielt meine Hand. Ein kurzer Seitenblick aus den Augenwinkeln verschaffte mir Bestätigung: Daron stand wirklich neben mir.

„Tretet näher“, vernahm ich in diesem Augenblick die Stimme des Unbekannten.

Sogleich atmete ich ein klein wenig erleichtert auf. Auch wenn es eine wunderbar voluminöse Stimme war, so tief und felsig wie ein Vulkankrater, so war es nicht die Stimme meines sanften Riesen.

„Ich grüße dich, Vater“, erwiderte Daron neben mir und machte einige Schritte nach vorn, während er mich dabei sanft, aber bestimmt mit sich zog.

Vater?

O Mann, Aline, du hast dich mal wieder voll ins Bockshorn jagen lassen.

Zu meiner Verteidigung musste allerdings gesagt werden, dass mein Liebster mir zwar schon berichtet hatte, wieähnlich er seinem Vater sah, dabei aber das nicht gerade unwichtige Detail vergessen hatte, dass sie sich fast wie Zwillinge glichen. Darüber würde ich nachher noch ein paar Takte mit ihm reden müssen.

Vor dem Thron angekommen legte sich Daron die Hand, mit der er mich festgehalten hatte, aufs Herz und verbeugte sich kurz. Ein Lächeln glittüber das Antlitz seines Vaters, das sich, wie ich aus der Nähe nun erkennen konnte, doch in manchem von Darons Gesicht unterschied. Seine Züge waren nicht ganz so markant, die Lippen nicht ganz so voll, und die Augen waren von einem so hellen Blau, dass es beinahe silbern wirkte. Ich kannte nur einen der Achtlinge, der noch hellere Augen besaß.

Cayden, auch Satan genannt.

Der Tod des Zornes und ein wahrhaft ehrenwerter Mann.

Weiter kam ich mit meinenÜberlegungen nicht, denn gerade als ich die Fältchen studierte, die sich bereits um seine Augen und den Mund gebildet hatten, blickte Darons Vater auf mich herab.

Hitze schoss mir ins Gesicht, und ich war versucht wegzuschauen, doch ich fühlte mich wie hypnotisiert. Ich konnte einfach nicht sittsam die Augen niederschlagen; zu sehr faszinierte mich der geradezu majestätische Anblick des Ewigen. Ich schaffte gerade so noch einen höflichen Knicks, wobei ich mir dabei schon ziemlich affig vorkam.Überhaupt war für mich in diesem Moment alles irgendwie affig. Aline Heidemann, knicksend wie eine Hofdame aus dem 18. Jahrhundert, dazu in diesem Kleid… Nein, das war alles so gar nicht mein Stil. Aber gut, ich saß schließlich nicht daheim auf der Couch, sondern hatte an diesem Abend eine nicht gerade unwichtige Aufgabe zu meistern. Also steckte ich mein aufkommendes Unwohlsein in eine innere Schublade und verschloss sie sorgsam mit einem heimlichen Grummeln. Das hier war nun einmal Teil der offiziellen Einführung in die Familie, und da galt es, sich zusammenzureißen.

Für Daron und unsere Liebe.

Ha!

Als ob ich dafür nicht schon genug Opfer gebracht hatte.

Wenn ich nur ans Cubarium dachte…

„Du bist also Aline“, wandte sich Darons Vater an mich, ohne auch nur für eine Sekunde seinen Blick von mir zu nehmen. Die Hitze fing allmählich an, wie Quecksilber in einem Fieberthermometer von unten nach oben zu schießen. Zumindest fühlte es sich so an. Darons Vater taxierte mich genauestens, aber obwohl sich meine Knie weich wie Butter anfühlten, widerstrebte es mir, die Augen niederzuschlagen. Wenn ich eines gelernt hatte in den letzten Wochen, dann, dass ein guter Bluff in Darons Welt mehr wert war als das ehrlichste Tiefstapeln. Wäre ich dem Blick jetzt ausgewichen, wäre mir das sicher als Unterwürfigkeit ausgelegt worden. Also starrte ich reglos zurück und versuchte derweil, an etwas anderes zu denken, das mich ablenkte.

Kleine, flauschige Kaninchen zum Beispiel.

In Pink.

Ja