: Mario Puzo
: Der vierte Kennedy
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302375
: 1
: CHF 4.50
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: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 576
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Francis Xavier Kennedy, Präsident der Vereinigten Staaten, steht als ­fiktiver­ vierter Kennedy ganz in der demokratischen Tradition seiner berühmten Namensvettern. Von privaten Schicksalsschlägen zermürbt, ist er amtsmüde geworden und erwägt, für die nächste Legislaturperiode nicht mehr zu kandidieren. Doch dann entführt ein internationales Terrorkommando eine amerikanische Linienmaschine in das kleine Öl-Sultanat Sherhaben. An Bord befindet sich Kennedys Tochter Theresa ...

Marion Puzo, geb. 15. Oktober 1920 in New York City. Puzo wuchs in Little Italy, einem New Yorker Stadtteil, in ärmlichen Verhältnissen auf. Im Jahr 1950 veröffentlichte Puzo seine erste Kurzgeschichte, im Jahr 1955 seinen ersten Roman 'The Dark Arena'. Er schrieb für Magazine und war zeitweise auch Regierungsangestellter. Puzo wurde zu einem weltweit bekannten Krimiautor. Durch seinen 1969 erschienenen Roman 'Der Pate' wurde er bekannt.

2. Kapitel


Am Morgen des Ostersonntags verließ Romeo mit seiner Gruppe von vier Männern und drei Frauen in voller Einsatzausrüstung den Kastenwagen. Sie tauchten in den Straßen um den Petersplatz unter und mischten sich unter die festlich herausgeputzte Menge, die Damen in frühlingsfrischen Pastellfarben und operettenhaft eleganten Kirchgangshüten, die schmucken Herren in seidigen, cremefarbenen Anzügen mit gelb gestickten Palmkreuzen auf den Revers. Die Kinder waren sogar noch feiner ausstaffiert, die kleinen Mädchen mit Handschuhen und Rüschenkleidern, die Jungen in marineblauen Kommunionsanzügen und roten Krawatten auf schneeweißen Hemden. Undüberall in der Menge erteilten lächelnde Priester den Gläubigen freundlich-herablassend den Segen.

Romeo dagegen wirkte nicht wie ein fröhlicher Pilger, sondern wie ein sehr ernsthafter Zeuge der Auferstehung, die an diesem Ostermorgen gefeiert wurde. Er trug einen stumpfschwarzen Anzug, ein steif gestärktes weißes Hemd und eine reinweiße Krawatte, die sich kaum davon abhob. Seine schwarzen Schuhe hatten Gummisohlen. Jetzt knöpfte er seinen Kamelhaarmantel zu, um das Gewehr zu tarnen, das darunter in einer Spezialschlinge hing. Seit drei Monaten hatte er mit diesem Gewehr trainiert, bis seine Zielsicherheit tödlich war.

Die vier Männer aus seiner Gruppe waren als Kapuzinermönche verkleidet: Sie trugen lange, erdbraune Kutten mit dicken Tuchgürteln. Sie hatten sich eine Tonsur geschnitten, die sie jedoch mit einem Käppchen bedeckten. Unter den weiten Gewändern hatten sie Handgranaten und Faustfeuerwaffen versteckt.

Die drei Frauen, darunter Annee, hatten sich als Nonnen getarnt und trugen ebenfalls Waffen unter dem weiten, schwarzweißen Habit. Während die Menschen ihnen bereitwillig Platz machten, ging Annee mit den beiden anderen Nonnen voran, damit Romeo ihnen problemlos folgen konnte. Hinter Romeo kamen die vier Mönche der Gruppe, die die Umgebung im Auge behielten und jederzeit zum Eingreifen bereit waren, falls Romeo von der päpstlichen Wache angehalten werden sollte.

So gelangte Romeos Gruppe allmählich zum Petersplatz, ohne in der riesigen Menge, die sich dort sammelte, aufzufallen. Und schließlich blieben sie, dunklen Korken gleich, die auf einem Meer geblümter Seide tanzen, auf der gegenüberhegenden Seite des Platzes so stehen, daß ihnen die Marmorsäulen und Steinmauern im Rücken Schutz boten. Romeo hielt sich ein wenig abseits. Er wartete auf ein Signal von der anderen Platzseite, wo Yabril und seine Gruppe damit beschäftigt waren, kleine Heiligenfiguren an den Mauern zu befestigen.

Yabril und seine Gruppe von drei Männern und drei Frauen waren zwanglos in besonders weite Jacken gekleidet. Die Männer hatten Faustfeuerwaffen am Körper versteckt, die Frauen hantierten mit den Heiligenfiguren. Diese Figuren, kleine Christusstatuen, waren mit Sprengstoff gefüllt, der auf ein Funksignal hin gezündet werden sollte. An der Rückseite waren sie mit einem so starken Klebstoff bestrichen, daß sie sich nicht einmal durch das Gedränge der Menschen zufällig lösen konnten. Außerdem waren die Figuren wunderschön gestaltet: aus recht kostbar wirkender, weißer, bemalter Terrakotta, die um ein Drahtskelett herumgeformt war. Da sie wie Bestandteile der Osterdekorationen wirkten, galten sie als sakrosankt.

Nachdem alles erledigt war, führte Yabril seine Gruppe durch das Gewühl vom Petersplatz herunter zu seinem eigenen wartenden Kastenwagen. Einen der Männer schickte er zu Romeo, um ihm das Funkgerät zum Auslösen der Sprengsätze zuüberbringen. Dann stieg Yabril mit seiner Gruppe in den Kastenwagen und machte sich auf den Weg zum römischen Flughafen. Papst Innozenz sollte erst drei Stunden später auf den Balkon hinaustreten. Sie hatten den Zeitplan perfekt eingehalten.

Im Kastenwagen, abgeschnitten von der Welt desösterlichen Rom, dachte Yabril daran zurück, wie dieser ganze Plan entstanden war. Vor wenigen Jahren hatte Romeo bei einem gemeinsamen Auftrag erwähnt, der Papst verfügeüber die beste Sicherheitstruppe von allen europäischen Herrschern. Yabril hatte nur gelacht und ihm geantwortet:»Wer will schon einen Papst umbringen? Das ist doch, als wollte man eine ungiftige Schlange töten. Eine nutzlose, alte Galionsfigur mit einem Dutzend nutzloser Greise, die darauf warten, seinen Platz einzunehmen. Verlobte Christi, ein Dutzend Marionetten mit roten Hüten. Was würde sich durch den Tod eines Papstes auf der Weltändern? Ihn entführen– na ja, das könnte ich mir schon vorstellen; schließlich ist er der reichste Mann der Welt. Aber ihn umbringen wäre nicht mehr als eine in der Sonne dösende Eidechse töten.«

Romeo hatte ihm widersprochen, und seine Argumente faszinierten Yabril. Der Papst werde von Hunderten Millionen Katholiken auf der ganzen Welt verehrt. Und zweifellos sei der Papst ein Symbol für den Kapitalismus, von den christlichen Bourgeoisie-Staaten des Westens unterstützt. Der Papst sei einer der ganz großen Autoritäten im Bauwerk