: Wolfgang Zdral
: Die Hitlers Die unbekannte Familie des Führers
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955303327
: 1
: CHF 4.50
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: Biographien, Autobiographien
: German
: 260
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Adolf Hitler schuf den Mythos des Führers, der allein dem Volk angehört. Mit großem Aufwand verheimlichte er seine Verwandtschaft. Bis heute wissen die wenigsten, wie die Angehörigen Hitlers vor, während und nach der Nazi-Herrschaft lebten. Wolfgang Zdral zeichnet erstmals die Chronik der ganzen Familie Hitler nach.

Wolfgang Zdral, geb. 1958 in Nürnberg, ist ein deutscher Journalist und Schriftsteller. Wolfgang Zdral wuchs in Oberbayern auf. Er studierte Volkswirtschaft, Politik und Kommunikationswissenschaft. Später absolvierte Zdral die Deutsche Journalistenschule in München. Er war drei Jahre als stellvertretender Chefredakteur der Wirtschaftswoche und als Redakteur und Korrespondent bei Capital tätig. Er lebt in München.

2 Versteckte Heimat


April 1945. Die Russen kämpfen sich in der Reichshauptstadt Berlin vor, die deutschen Soldaten sind an allen Fronten auf dem Rückzug, Millionen Tote auf den Schlachtfeldern und in den Konzentrationslagern bezeugen die grausamen Folgen der Nazi-Herrschaft. Das Regime dämmert seinem Ende entgegen. Die Menschen sehnen sich nach Frieden. Das Ende des Krieges ist nur wenige Tage entfernt. Tief im Keller der Reichskanzlei spielen sich derweil gespenstische Szenen ab: Adolf Hitler, körperlich und psychisch vom Verfall gezeichnet, beugt sichüber ein Modell der Stadt Linz, das vor ihm auf einemüberdimensionalen Tisch aufgebaut ist.»Gleich zu welcher Zeit, ob Tag oder Nacht, sobald sich in diesen Wochen die Möglichkeit bot, saß er vor dem Modell«, berichtet der Architekt Hermann Giesler, der die Entwürfe verantwortete. Hitler habe die virtuelle Stadt fixiert wie»ein verheißenes Land, in das wir Eingang finden würden«37. Besuchern führt der Herrscher im Bunker seine Pläne vor, doziertüber die Zukunft der oberösterreichischen Bezirkshauptstadt, ohne die Welt draußen und die bevorstehende totale Niederlage wahrzunehmen.

Scheinwerfer simulieren für früh, mittags und abends den unterschiedlichen Sonnenstand von Klein-Linz. Der Ort, in dem Hitler nur wenige Jahre als Heranwachsender gewohnt und kurzzeitig die Schule besucht hatte, sollte die neue Megapolis des Deutschen Reiches nach dem Endsieg werden. Den Titel»Patenstadt des Führers« hat Hitler bereits verliehen, nun sollte daraus eine Weltstadt und Kulturhauptstadt werden. Entlang des Donauufers war eine Repräsentationsarchitektur geplant, gepflastert mit nationalsozialistischen Protzbauten– das Baumaterial sollte das nahe gelegene KZ Mauthausen liefern. Ein Hochhaus war für die Parteileitung vorgesehen, eine»Gauanlage« barg»Donauturm«,»Gauhalle« und Ausstellungsgelände, mit Platz für 100000 Menschen. Dazu eine»Nibelungenbrücke«, ein Kraft-durch-Freude-Hotel und eine Technische Hochschule. Auf dem Freinberg oberhalb von Linz, mit Blick auf die Donau, wollte Hitler seinen Altersruhesitz errichten, im Stil eines Vierseithofes, wie er im Waldviertelüblich war,»außer Fräulein Braun nehme ich niemanden mit; Fräulein Braun und meinen Hund«38. Im Zentrum plante Hitler ein Kunstmuseum, in dem er– als Gegenpol zu Wien und zu den Uffizien in Florenz– seine angekauften und geraubten Gemälde zeigen wollte.»Linz verdankt alles, was es hat und was es noch bekommt, dem Reich. Deshalb muss diese Stadt Trägerin des Reichsgedankens werden. Auf jedem Bau in Linz müsste stehen›Geschenk des Deutschen Reiches‹«, schwadroniert Hitler.39 Als nationales Heiligtum entwirft er ein Grabmal seiner Eltern, pompöser gedacht als das Tadsch Mahal, mit einem Turm höher als der Wiener Stephansdom und einem Glockenspiel, das zu ausgewählten Zeiten eine Melodie aus der»Romantischen Symphonie« von Anton Brückner spielt. Dazu will der Sohn seinen Vater Alois und seine Mutter Klara aus ihrer letzten Ruhestätte auf dem Friedhof Leonding bei Linz umbetten.

Bezeugen diese Pläne, dieses steinerne Hohelied auf die Eltern, Hitlers Heimatverbundenheit und Verehrung seiner Vorfahren? Mitnichten. Die demonstrative Zurschaustellung seiner Wurzeln ist allenfalls Größenwahn eines Alternden in seinen letzten Lebensjahren.

Hitler ging mit dem Thema Heimat und Familie in früheren Lebensphasen ganz anders um. Mit dem Abschied aus Linz war auch die Jugend des Adolf Hitler beendet. Der Wechsel nach Wien markierte den Umbruch: Er war nun Vollwaise, allein und ungebunden, aber auch orientierungslos. Schon nach kurzer Zeit tauchte er in der HauptstadtÖsterreich-Ungarns unter und führte sein unstetes Leben ohne geregelte Arbeit und festes Einkommen weiter. Den Rastlosen hielt es an diesem Ort nicht lange. Es zog ihn fort, nach München, Berchtesgaden und Berlin. So trat er in die Fußstapfen seines Vaters, von dem er als Kind schon ständige Ortswechsel gewohnt war. Gab es für den Diktator, der den Begriff»Heimat« politisch ständig im Mund führte, persönlichüberhaupt so etwas wie Heimat? Wie ging er mit seiner eigenen Vergangenheit und seinen Wurzeln im Waldviertel um? Stand er zu Werten wie Tradition undÜberlieferung, wenn es die persönliche Geschichte betraf? Immerhin bedeutet Heimat meist nicht nur das Geborgensein in einer Region, sondern auch in der eigenen Familie.

Familie aus dem Gedächtnis gestrichen


Trotz seiner Liebe zur Mama und zu Linz beließ es der NS-Führer in Bezug auf seine Herkunft bei gelegentlichen Gesten für die Propaganda. So besuchte er beim Einmarsch inÖsterreich im Jahr 1938 das Grab seiner Eltern und das danebenliegende ehemalige Wohnhaus, die Kameras der Berichterstatter immer mit dabei. Aber hätte er zu seiner Familie besondere, um nicht zu sagen herzliche Gefühle gehegt, wäre der Respekt und die Pflege der Gräber eigentlich eine Selbstverständlichkeit, kaum der Rede wert gewesen. Tatsache ist jedoch, dass Hitler außer bei solchen offiziellen Anlässen nur selten seine»Heimat&la