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Die unvollkommene Frau
Clarabelle Sweet war andauernd im Fernsehen aufgetreten, wo sie Reklame für ihr Buch, DIE UNVOLLKOMMENE FRAU, machte. Clarabelle hatte langes schwarzes Haar und sagte Sachen wie:»Wenn ein Mann im eigenen Eisschrank Schlagsahne findet, rennt er nicht herum und sucht sich seine zwei Prozent Butterfett anderswo.«
Ich warüberzeugt, daß ein Diwanpüppchen in andalusischer Tracht daheim zwischen Seidenkissen auf ihrem Bett saß. Zu diesem Eindruck kam ich, als ich ihren Partner-Quiz gelesen hatte.
Anfangs machte es mich ein bißchen beklommen, daß ich bei einem solchen Quiz durchrasseln würde. Und nach dreißigjähriger Ehe und drei Kindern zu erfahren, daß mein Mann und ich nicht zusammenpaßten, war mir sehr unangenehm. Aber lesen Sie selbst.
Nachträge zum Ja am Altar
Sie und Ihr Mann sind zum ersten Mal seit der Hochzeit allein in einer Blockhütte. Er knabbert an Ihrem Ohr. Was tun Sie?
a) Sie knabbern Ihrerseits an seinem Ohr
oder
b) teilen ihm mit, daß kein Brennholz da ist
Ihr Mann kommt mitten am Nachmittag unerwartet nach Hause. Schlüpfen Sie in ein gewagtes Kleidungsstück und machen ihm ein Angebot, dem er nicht widerstehen kann,
oder
lassen Sie ihn stehen, nehmen seinen Wagen und fahren zu einer Vorführung von Küchenmaschinen?
Ihr Mann lädt Sie ein, ihn zu einem Kongreß zu begleiten, bei dem Sie nur abends zusammen sind. Bestellen Sie sich einen Babysitter und fahren Sie mit,
oder
benutzen Sie die Gelegenheit, daheimzubleiben und das Schlafzimmer zu streichen?
Überprüfen Sie den Führerschein Ihres Mannes. Was hat er dort unter SEX eingetragen?
a) männlich
b) selten
Wenn Ihr Mann nach einem langen, anstrengenden Tag erschöpft und ausgepumpt nach Hause kommt,
a) massieren Sie ihm die Füße mit Nußöl
oder
b) sagen Sie ihm, ihm fehle nichts außer einer sportlichen Betätigung?
Wenn Sie selbst einen schlimmen Tag hinter sich haben und das Bedürfnis nach Zärtlichkeit und Verständnis empfinden,
a) nimmt Ihr Mann Sie in die Arme und sagt Ihnen, daß er Sie liebt
oder
b) liest er die Zeitung und krault Sie zerstreut hinterm Ohr, weil er Sie für den Hund hält?
Ich brauchte die Punkte gar nicht erst zusammenzuzählen. Das Ergebnis lag klar auf der Hand. Ich war die Frau, die zwar am Altar JA gesagt hatte, aber von dem Tage an, an dem sieüber eigene Wagenschlüssel verfügte, zu oft NEIN.
Ich verwöhnte meinen Mann nicht, ich befriedigte seine Bedürfnisse nicht. Vielleicht hatte Phyllis doch recht. Vielleicht hatten wir uns gerade zu einer Zeit, in der wir miteinander gut eingefahren waren, miteinander festgefahren?
Wenn ich es mir rechtüberlegte: Das letzte Mal hatte er im Kino die Arme um mich gelegt, als ich das kleine Plastikauto aus der Crackerpackung verschluckt hatte.
Ich wäre mir idiotisch vorgekommen, wenn ichüberall hinter ihm hergezockelt wäre. Wir sind keine besondersüberschwenglichen Menschen. Sind es nie gewesen. Wenn er nun aber eines Tages nach 2%igem Butterfett gierte? Wenn Clarabelles Mann tagtäglich aus dem Büro zu Hause anrief, nur um am Telefon anderthalb Minuten lang schwer zu atmen, war es vielleicht doch der Mühe wert?
Am nächsten Morgen rief mein Mann aus dem Badezimmer:»Was soll das denn?«
Ich hatte mit Lippenstift auf den Spiegel geschrieben: 65 MILLIONEN FRAUEN BEGEHREN MEINEN MANN.
»Das ist nur, damit ich immer daran denke, welches Glück ich gehabt habe, dich zu ergattern, Liebling.« Er musterte den Spiegel und sagte:»Wer war denn die Konkurrenz. Namen bitte.«
»Du brauchst nicht gleich ironisch zu werden. Clarabelle Sweet sagt, wenn Frauen ihre Männer besser behandelten, würden sie nicht fremd gehen.«
»Wer bitte ist diese Clarabelle Sweet und mit wem bitte gehe ich fremd?«
»Clarabelle Sweet wird unsere Ehe retten. Hier ist dein Rasierzeug, dein Frottiertuch, deine Seife und dein Shampoo.«
»Und wo ist meine Plastikente?« fragte er gereizt.
»Dein Kamm, dein Deodorant, ein sauberes Hemd und deine Hose. Warte, ich klapp’ dir den Deckel auf.«
»Mach bloß, daß du aus dem Bad kommst!« preßte er durch die zusammengebissenen Zähne.
Wenn ich es mir nachträglichüberlege: so wenig Anerkennung für dienstbereite Unterwürfigkeit ist mir noch nie im Leben begegnet.
Als ich versuchte, ihm die Cornflakes mit dem Löffel einzufüttern, verweigerte er das Essen.
Als ich ihm Zahnpasta auf die Zahnbürste auftrug, verließ er unter Protest das Bad.
Als ich ihm ein Streichholz unterm Kinn anzündete, pustete er es aus und knurrte:»Das Rauchen habe ich aufgegeben, falls du dich noch erinnerst.«
Und als ich, seinen Aktenkoffer in der Hand, in der Garageneinfahrt stand, sagte er:»Das Parfum kannst du weglassen!«
»Ich ruf’ dich dann im Büro an«, raunte ich mit sinnlich-rauer Stimme.»Sieh zu, daß du bald heimkommst.« Als er weg war, nahm ich das Buch DIE UNVOLLKOMMENE FRAU noch einmal zur Hand und vergewi