: Guido Knopp
: Der Sturm Kriegsende im Osten
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302672
: 1
: CHF 4.50
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: Zeitgeschichte (1945 bis 1989)
: German
: 278
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Mit Beginn der großen Sommeroffensive im Juni 1944 erobert die Rote Armee unaufhaltsam die von deutschen Truppen verwüsteten Gebiete zurück. Zur Jahreswende ist die Niederlage der Wehrmacht im Osten nicht mehr zu verhindern. Ostpreußen, Breslau und Königsberg, der Marsch auf Berlin bis hin zur Kapitulation - der Hass, den Hitler gesät hat, schlägt nun auf das eigene Volk zurück. Auf gewohnt eindringliche Art schildert Guido Knopp an Einzelschicksalen auf russischer und deutscher Seite, was es für die Soldaten und Zivilisten bedeutete, als am Ende des Krieges das schreckliche Geschehen noch einmal eskalierte.

Prof. Dr. Guido Knopp, Jahrgang 1948, war jahrzehntelang Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte. Zuvor war er Redakteur der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' und Auslandschef der 'Welt am Sonntag'. Als Autor publizierte er zahlreiche internationale Sachbuch-Bestseller. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Jakob-Kaiser-Preis, der Europäische Fernsehpreis, der Telestar, der Goldene Löwe, der Bayerische und der Deutsche Fernsehpreis, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und der Internationale Emmy.

Autor


Prof. Dr. Guido Knopp, Jahrgang 1948, arbeitete nach dem Studium als Redakteur der„Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und als Auslandschef der„Welt am Sonntag“. Von 1984 bis 2013 war er Leiter der ZDF-Redaktion Zeitgeschichte. Seitdem moderiert er die Sendung History Live auf Phoenix. Als Autor publizierte er zahlreiche Sachbuch-Bestseller. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Jakob-Kaiser-Preis, der Europäische Fernsehpreis, der Telestar, der Goldene Löwe, der Bayerische und der Deutsche Fernsehpreis, das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse und der Internationale Emmy.


Vorwort


Wir haben noch immer Funkverkehr mit Berlin, wo sich der Feind den Weg ins Stadtinnere erkämpft hat. Das Herz blutet bei diesen Gesprächen. Es ist wie der Kampf der Westgoten am Vesuv.« Ende April 1945 sandte Hitlers Helfer Alfred Jodl diese verzweifelte Botschaft an seine Frau. Vergeblich hatte er von außen die letzten Kräfte der ausgebluteten Wehrmacht zu mobilisieren versucht, um den Tyrannen aus der von der Roten Armee eingeschlossenen Hauptstadt zu befreien. Die Niederlage des Reiches vor Augen, verfiel er wie so viele andere in die schicksalstönende Untergangsromantik, mit der Hitler seine Paladine bis zuletzt in Bann hielt– wider jede Vernunft und ohne Rücksicht auf die Opfer, die der aussichtslos gewordene Kampf kostete. Bedenkenlos verknüpfte der Diktator das Los Deutschlands mit seinem eigenen: alles oder nichts. Wenn schon kein Sieg, dann der totale Untergang.

Gut sechs Jahrzehnte sind vergangen, seit der Krieg sein Ende fand und das Nazireich in einem Meer von Blut und Tränen versank. Viele Städte waren nur noch schwelende Ruinenfelder, landauf, landab bot sich den Siegern ein gespenstisches Bild. Millionen Soldaten waren an den vielen Fronten gestorben; Millionen Zivilisten in den Bombennächten, auf der Flucht und durch Vertreibung umgekommen; Millionen in Gaskammern ermordet worden.

Seinen Höhepunkt erreichte dieser Krieg im Osten.»Ostfront«– schon das Wort klang nach Tod. Mit demÜberfall am 22. Juni 1941 hatte Hitlers Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion begonnen. Hier wollte er seine beiden Hauptziele verwirklichen: die Eroberung von»Lebensraum im Osten« und die Ermordung der Juden Europas. Beides war für ihn die Vorstufe zum Endziel, dem wahnwitzigen Traum eines großgermanischen Reiches vom Atlantik bis zum Ural. Doch spätestens seit Stalingrad stand fest, dass der Krieg nicht mehr gewonnen werden konnte. Nach drei Jahren und Millionen Toten war die Wehrmacht in die alten Reichsgrenzen zurückgedrängt worden.

Im Oktober 1944 erreichte die Rote Armee im Osten deutschen Boden. Nun wurden die Ostpreußen Opfer eines Hasses, den die Deutschen selbst gesät hatten. Nemmersdorf bildete den Anfang: Stalins Truppen rächten sich mit einem Blutbad unter der Zivilbevölkerung für jene Grausamkeiten, die in deutschem Namen auf dem Boden der Sowjetunion begangen worden waren. Goebbels’ Propaganda schlachtete die Massaker nach Kräften aus: Das würde dem gesamten deutschen Osten drohen, wenn die Russen kämen! Der Kampfeswille wurde neu entfacht, und noch einmal gelang es der Wehrmacht, die Front im Osten zu stabilisieren. Von Oktober 1944 bis zum Januar 1945 verharrte die Rote Armee im Grenzland von Ostpreußen. Das war nur die Ruhe vor dem»Sturm«. 2,2 Millionen Soldaten, 33 500 Geschütze und 7000 Panzer standen Anfang Januar 1945 bereit für den entscheidenden Vorstoß nach Berlin.

Vieles wäre der Zivilbevölkerung erspart geblieben, hätte man sie rechtzeitig evakuiert. Doch die Menschen durften ihre Dörfer und Städte nicht verlassen.»Jede Räumung wird die Moral der Truppe und der Zivilbevölkerung schwächen«, verfügte Ostpreußens Gauleiter Erich Koch. Ein Bauernhof voller Kinder werde hartnäckiger verteidigt als ein leeres Gehöft– so das menschenverachtende Kalkül der obersten Führung. Als die Rote Armee schließlich am 12. Januar 1945 ihre Großoffensive startete, durchstieß sie binnen weniger Tage die dünnen deutschen Verteidigungslinien und drang bei Elbing bis zur Ostseeküste vor: 2,5 Millionen Menschen saßen in der Falle. So sammelten sichüberall in aller Eile Trecks, die zu den Häfen strebten. Zu Fuß, mit Schlitten oder Pferdewagen versuchten die angstvollen Menschen, ein rettendes Schiff zu erreichen. Doch vor den vermeintlich sicheren Häfen lag das Haff, eine bis zu zwanzig Kilometer breite, siebzig Kilometer lange Ostseebucht, die durch eine fünfzig Kilometer lange Landzunge, die Nehrung, von der offenen See getrennt ist. Schon dieÜberquerung des zugefrorenen Haffs war für viele ein Wettlauf mit dem Tod. In der dunklen Eiswüste kamen sie vom festen Weg ab, verirrten sich und brachen ein.

Während Millionen auf der Flucht nach Westen waren, vollzog sich im Osten Deutschlands eine Tragödie anderer Art. Um den Vormarsch der Roten Armee Richtung Berlin zu verzögern, wurden Städte wie Königsberg, Breslau und Kolberg zu»Festungen« erklärt. Sie sollten bis zum letzten Mann gehalten werden und damit starke russische Kräfte binden. Für die Eingeschlossenen begannen qualvolle Monate zwischen Bangen und Hoffen. Hinter hastig aufgebauten Panzersperren, eilig ausgehobenen Gräben und