: Morris L. West
: Harlekin
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302504
: 1
: CHF 3.60
:
: Spannung
: German
: 400
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Der Bankier George Harlekin wird beschuldigt, Gelder seiner Bank zu unterschlagen. Der Vorwurf stammt von Basil Yanko, Chef einer der weltgrößten Computerfirmen. Sein Ziel: Die Übernahme von Harlekins Unternehmen. Harlekin erkennt schnell, dass dies für Yanko nur der Auftakt zu einer weit größeren Operation ist: Um die weltweite Vorherrschaft seiner Computer durchzusetzen, schreckt Yanko auch vor Mord und Terror nicht zurück. Doch Harlekin nimmt den Kampf auf - in einer atemberaubenden Jagd von Genf über New York, Washington und Los Angeles - bis zum Showdown der beiden Gegenspieler in Mexico City...

Morris Langlo West wurde 1916 in St. Kilda, Australien geboren. Mit 14 Jahren trat er in den Orden der Christian Brothers ein, der Katholizismus beeinflusste West nachhaltig. 1937 schloss er sein Studium an der University of Melbourne ab und unterrichtete anschließend moderne Sprachen und Mathematik an den Klosterschulen des Ordens in New South Wales. 1942 verließ er den Orden und kämpfte etwa zu dieser Zeit auch im Zweiten Weltkrieg, bis er 1943 Sekretät des früheren australischen Premierministers, Billy Hughes, wurde. Während seiner Zeit bei der Armee schrieb er ein Buch über sein Leben im Kloster, das er 1945 unter dem Pseudonym Julian Morris veröffentlichte. Etwa zur Zeit des Kriegsendes arbeitete er für den australischen Rundfunk, nachdem er jedoch wegen eines Zusammenbruchs ein Jahr im Krankenhaus gelegen hatte, verkaufte er sein Unternehmen und arbeitete fortan ausschließlich als Schriftsteller. Sein erster Gedichtband erschien 1955, gefolgt von den erfolgreichen Romanen 'Gallows on the Sand' im selben Jahr und 'Kundu' ein Jahr später. Mit dem Geld, das er mit den Romanen verdiente, reiste er ins Ausland und lebte einige Zeit in Österreich, Italien, England und den USA. Viele seiner Bücher sind von seiner Zeit in Italien inspiriert. Erst 1980 kehrte er nach Australien zurück. Wests Bekanntheit wurde durch einige Verfilmungen seiner Bücher noch gesteigert. Viele seiner Werke behandeln ethisch-religiöse Konflikte oder haben politische Brisanz. Am 9. Oktober 1999 starb Morris West in Sydney.

2


In New York fühle ich mich sofort zu Hause – als schamloser Kapitalist, der sich an den Gewinnen des freien Unternehmertums bereichert hat. Ich habe ein Appartement in den East Sixties, einen japanischen Diener, einen guten Club und eine Blütenlese von Freunden beiderlei Geschlechts. Trotz all ihrer verrückten Auswüchse liebe ich die Stadt. Ihre lärmende Geschäftigkeit, ihr lakonischer Zynismus und ihre schlechten Manieren gefallen mir. Das Leben dort ist nicht ohne Risiko – man kommt leicht zu Tode. Aber ich fühle mich hier wohler als in jeder anderen Großstadt der Welt.

Hier genieße ich auch die Segnungen des Privatlebens, denn ich habe einen Fernsprechanschluß, der nicht im Telefonbuch steht, habe den Namen eines anderen an der Tür und bediene mich eines Appartements der Bank imSalvador, wo ich langweilige Gäste bewirten kann, ohne daß sie den Fuß über die Schwelle meines eigenen Heims setzen müssen. Das Arrangement bietet auch diplomatische Vorteile. ImSalvador werden Geschäfte in aller Öffentlichkeit abgewickelt. Es lohnt sich also für mich, eine Art Doppelleben zu führen: in dem einen Schlupfwinkel meine Köder auszulegen und in dem anderen auszuruhen.

Um acht Uhr morgens ließ ich mich, übernächtigt und verschlafen, imSalvador kurz sehen. Um neun war ich in meinem eigenen Appartement. Um zehn war ich, dank den Handreichungen von Takeshi, rasiert, gebadet, verpflegt und sah wieder wie ein Mensch aus. Um zehn Uhr dreißig schlenderte ich die Third Avenue entlang, um Verbindung mit Aaron Bogdanovich aufzunehmen, der mit Terror und sehr teuren Blumen handelte.

Das Blumengeschäft blühte. Zwei mit Scheren und Draht bewaffnete Mädchen fertigten Tischdekorationen an; ein exotisch aussehender junger Mann packte einen Strauß in eine Schachtel. Eine würdevolle Dame mit Goldrandbrille, einem zitronengelben Kleid und breitem Lächeln fragte nach meinem Begehr und ratterte eine ganze Liste von Frühlingsblumen herunter, bevor ich überhaupt zu Wort kam. Als ich sagte, ich möchte mit dem Besitzer sprechen, schwand ihr Lächeln, und sie interessierte sich jetzt nicht mehr für meine Blumenwünsche, sondern nur noch für meinen Namen und für mein Anliegen.

Meine Antwort schien sie wenig zu befriedigen. Als ich Karl Krügers Brief vorwies, nahm sie ihn vorsichtig, als handele es sich um Sprengstoff, in die Hand, legte ihn auf ein Tablett und trug ihn ins Hinterzimmer. Kurz darauf war sie wieder da und sagte, ich solle die Third Avenue zuGinty’s Tavern hinuntergehen und auf einen Anruf in der Telefonzelle warten. Ich verließ den Laden mit einer kurzen Verbeugung und fühlte mich irgendwie aussätzig und ungeliebt.

BeiGinty’s trank ich Tomatensaft und zählte die Flaschen auf den Regalen, bis das Telefon klingelte und mir eine Stimme befahl, zu Fuß in die Saint Patrick’s Cathedral zu gehen und im ersten Beichtstuhl neben dem rechten Gang niederzuknien. Ich hielt die ganze Geheimniskrämerei inzwischen für reinen Unsinn und sagte das auch. Die Stimme unterbrach mich kurz angebunden:

»In Bankangelegenheiten kommen wir zu Ihnen. In unserem Geschäft sind wir die Spezialisten... Okay?«

Man konnte es natürlich auch so ausdrücken – meinetwegen. Außerdem war es nicht weit zur Saint Patrick’s Cathedral, und ein bißchen Beten konnte nicht schaden – vorausgesetzt, mir fielen noch die richtigen Worte ein. Der Beichtstuhl war dunkel und roch säuerlich nach alten Sünden. Das Gitterwerk, das den Reuigen vom Beichtvater trennte, war mit undurchsichtiger Gaze bespannt. Die Stimme, die von der anderen Seite zu hören war, klang wesenlos, ein eintöniges Flüstern.

»Sie sind Paul Desmond?«

»Ja.«

»Ich bin Aaron Bogdanovich. Ich habe ein untrügliches Gedächtnis. Sie werden mir sagen, welchen Service Sie von mir erwarten. Ich werde Ihnen sagen, ob und zu welchen Bedingungen wir Ihre Wünsche erfüllen können. Fangen Sie bitte an.«