: Morris L. West
: Der Turm von Babel
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302443
: 1
: CHF 3.60
:
: Spannung
: German
: 400
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein hochgradig spannender Thriller über die gefährlichste Region der Welt - von einem der erfolgreichsten Schriftsteller aller Zeiten! Das Pulverfass Naher Osten scheint kurz vor der Explosion zu stehen. Jakov Baratz, Chef des israelischen Geheimdienstes, fragt sich, ob sein Land nach 41 Sabotageakten in zwölf Monaten noch weitere Provokationen hinnehmen kann. Der Traum seines gefährlichen Gegners Safreddin, der den syrischen Geheimdienst leitet, ist es, die Juden ins Meer zu jagen und die arabischen Staaten unter einem neuen Islam zu vereinigen. Diesen Plan zu vereiteln ist wiederum das Ziel von Adam Ronen, der in Damaskus - als Händler Selim Fathalla getarnt - für Baratz ein breites Spionagenetz ausgeworfen hat. Beide Seiten riskieren mit höchstem Einsatz ein grausames Spiel aus Aktionen, Gegenaktionen und Intrigen, die alle auf den Tag X zielen - an dem jeder seine todbringenden Pläne realisieren will...

Morris Langlo West wurde 1916 in St. Kilda, Australien geboren. Mit 14 Jahren trat er in den Orden der Christian Brothers ein, der Katholizismus beeinflusste West nachhaltig. 1937 schloss er sein Studium an der University of Melbourne ab und unterrichtete anschließend moderne Sprachen und Mathematik an den Klosterschulen des Ordens in New South Wales. 1942 verließ er den Orden und kämpfte etwa zu dieser Zeit auch im Zweiten Weltkrieg, bis er 1943 Sekretät des früheren australischen Premierministers, Billy Hughes, wurde. Während seiner Zeit bei der Armee schrieb er ein Buch über sein Leben im Kloster, das er 1945 unter dem Pseudonym Julian Morris veröffentlichte. Etwa zur Zeit des Kriegsendes arbeitete er für den australischen Rundfunk, nachdem er jedoch wegen eines Zusammenbruchs ein Jahr im Krankenhaus gelegen hatte, verkaufte er sein Unternehmen und arbeitete fortan ausschließlich als Schriftsteller. Sein erster Gedichtband erschien 1955, gefolgt von den erfolgreichen Romanen 'Gallows on the Sand' im selben Jahr und 'Kundu' ein Jahr später. Mit dem Geld, das er mit den Romanen verdiente, reiste er ins Ausland und lebte einige Zeit in Österreich, Italien, England und den USA. Viele seiner Bücher sind von seiner Zeit in Italien inspiriert. Erst 1980 kehrte er nach Australien zurück. Wests Bekanntheit wurde durch einige Verfilmungen seiner Bücher noch gesteigert. Viele seiner Werke behandeln ethisch-religiöse Konflikte oder haben politische Brisanz. Am 9. Oktober 1999 starb Morris West in Sydney.

Erstes Kapitel


Sha’ar Hagolan


Der Beobachter auf der Hügelkuppe lehnte sich gegen den knorrigen Stamm eines Olivenbaums, prüfte sein Funkgerät, öffnete die Kartenmappe auf seinen Knien, stellte das Fernglas ein und begann mit einer langsamen, peinlich genauen Betrachtung des Geländes vom südlichen Zipfel des Sees Genezareth bis zu den Ausläufern des Sha’ar Hagolan, wo der Yarmuk nach Südwesten biegt und in den Jordan mündet. Es war elf Uhr vormittags. Der Himmel war klar, die Luft nach den ersten herbstlichen Regengüssen frisch und rein.

Er betrachtete zuerst die östliche Hügelkette, die von Norden nach Süden die Grenze zwischen Syrien und der entmilitarisierten Zone von Israel bildet. Die Berge erhoben sich kahl und braun. Es waren keine Hirten zu sehen. Keine Schafe, keine Ziegen. Das Dorf, das wie ein Haufen weißer Steinklötze an der Bergflanke lag, war ausgestorben. Er verharrte lange bei den Ruinen unterhalb des Dorfes, weil die Syrer dort gelegentlich Soldaten postierten, die das Tal beim geringsten Anlaß mit Maschinengewehrfeuer bestrichen. Heute waren auch die Ruinen leer. Daneben lagen die Schützengräben – eine langgezogene Zickzacklinie von Narben im südlichen Abhang, die die Australier im Krieg von 1918 gegraben hatten. Die Gräben lagen auf israelischem Gebiet, aber manchmal benutzten Plünderer sie als Ausgangsstellung für die nächtlichen Raubzüge gegen den Kibbuz. Eine kleine Herde Damwild äste friedlich zwischen den oberen und unteren Schützengräben. Er beobachtete sie längere Zeit; es waren sehr scheue Tiere, die eine Bewegung oder ein Laut sofort verschreckte. Dann wandte er seine Aufmerksamkeit den Weingärten am Südende des Tals zu. Die Rebstöcke standen braun und dürr in der späten Herbstsonne. Sie boten keinen Schutz für Mensch und Tier.

Nördlich von den Weingärten lagen die beiden langgestreckten Äcker, die durch einen schmalen Streifen Grasland voneinander getrennt waren. Der bräunliche Grasstreifen konnte nicht gepflügt werden, weil die Kartographen und Zeichner der Waffenstillstandskommission ihn aus irgendeinem idiotischen Grund nicht als bebaubares Land bezeichnet hatten. Es hieß daher, sich dem Feuer der unsichtbaren Schützen auf der syrischen Seite aussetzen, wollte man auf dem Grasstreifen graben oder gar ihn überqueren. Yigael arbeitete gerade auf dem ersten Acker; er fuhr einen neuen Traktor, und die Egge wirbelte eine hohe graue Staubwolke in die Luft. Yigael war sein Bruder, und mittags würde er die Wache übernehmen, während ein anderer Mann den Traktor fuhr. Weiter nördlich lagen die Bananenplantagen, die sich grün und üppig fast bis ans Ufer des Sees erstreckten. Nachts waren sie ein gefährliches Gebiet, weil sie guten Schutz boten, aber tagsüber waren die Hügel dahinter auch den verwegensten Guerillas zu nackt und ungeschützt. Es sah ganz so aus, als würde es wieder einmal ein ruhiger Tag im Tal von Sha’ar Hagolan. Er trank einen großen Schluck aus der Wasserflasche, schaltete dann das Funkgerät ein und gab einen Bericht an den Militärposten gleich hinter der entmilitarisierten Zone.

Der Traktor überquerte das Feld, drehte um, fuhr bis zum anderen Ende und drehte wieder um. Das Tal widerhallte vom Dröhnen des Motors, und die Staubwolke flimmerte wie Bodennebel in der Sonne. Die letzte Furche brachte den Traktor nahe an den Grasstreifen. Beim Wenden kippte er seitlich in einen Graben, und einen Augenblick lang sah es aus, als würde er umfallen. Aber Yigael war ein guter Traktorfahrer. Er gab Gas, riß das Steuer herum und richtete den Traktor wieder auf, indem er ihn direkt über den Grasstreifen fuhr. Der Beobachter sprang auf und wartete mit angehaltenem Atem auf das MG-Feuer. Es kam keins. Yigael fuhr den Traktor mit Vollgas über den schmalen Streifen zum zweiten Acker. Immer noch keine Schüsse. In fünf Sekunden war er gerettet.

Dann explodierte die Mine; der Benzintank ging hoch, und Yigael wurde wie eine Stoffpuppe mit brennenden Haaren und Kleidern in die Luft geschleudert.

Tel Aviv


In seinem großen kahlen Büro im vierten Stock des Dienstgebäudes saß Brigadegeneral Jakov Baratz, Lei