: Morris L. West
: Der Schatz der Dona Lucia
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302436
: 1
: CHF 3.60
:
: Spannung
: German
: 164
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Zwei Männer auf der Suche nach dem versunkenen Schatz der 'Dona Lucia': Der eine, der gescheiterte Historiker Renn Lundigan, hat eine Goldmünze aus dem 18. Jahrhundert, die ihn zu der vor Australien versunkenen Galeone führen soll; der andere, der zwielichtige Spielclubbesitzer Mannix, verfügt über das nötige Geld. Doch aus der erhofften Zusammenarbeit wird ein Konkurrenzkampf auf Leben und Tod...

Morris Langlo West wurde 1916 in St. Kilda, Australien geboren. Mit 14 Jahren trat er in den Orden der Christian Brothers ein, der Katholizismus beeinflusste West nachhaltig. 1937 schloss er sein Studium an der University of Melbourne ab und unterrichtete anschließend moderne Sprachen und Mathematik an den Klosterschulen des Ordens in New South Wales. 1942 verließ er den Orden und kämpfte etwa zu dieser Zeit auch im Zweiten Weltkrieg, bis er 1943 Sekretät des früheren australischen Premierministers, Billy Hughes, wurde. Während seiner Zeit bei der Armee schrieb er ein Buch über sein Leben im Kloster, das er 1945 unter dem Pseudonym Julian Morris veröffentlichte. Etwa zur Zeit des Kriegsendes arbeitete er für den australischen Rundfunk, nachdem er jedoch wegen eines Zusammenbruchs ein Jahr im Krankenhaus gelegen hatte, verkaufte er sein Unternehmen und arbeitete fortan ausschließlich als Schriftsteller. Sein erster Gedichtband erschien 1955, gefolgt von den erfolgreichen Romanen 'Gallows on the Sand' im selben Jahr und 'Kundu' ein Jahr später. Mit dem Geld, das er mit den Romanen verdiente, reiste er ins Ausland und lebte einige Zeit in Österreich, Italien, England und den USA. Viele seiner Bücher sind von seiner Zeit in Italien inspiriert. Erst 1980 kehrte er nach Australien zurück. Wests Bekanntheit wurde durch einige Verfilmungen seiner Bücher noch gesteigert. Viele seiner Werke behandeln ethisch-religiöse Konflikte oder haben politische Brisanz. Am 9. Oktober 1999 starb Morris West in Sydney.

2


»Einen Drink, Käpt’n?« fragte Manny.

Ich winkte müde ab.

»Tut mir leid, Manny, einen Drink kann ich mir nicht leisten. Ich bin blank.«

Manny schnalzte mit der Zunge und winkte beruhigend ab.

»Schade, Käpt’n – sehr schade. Es kommt, und es geht. Wenn ich recht sehe, schuldet das Haus dem Verlierer einen Drink. Setzen Sie sich.«

»Nein, danke, Manny. Es ist ein netter Zug, aber ich pack’ meine Sachen.«

Ich ging in Richtung Tür, aber Manny folgte mir. Ich hatte es noch nie erlebt, daß er solche Skrupel hatte, einen blanken Gast loszuwerden.

»Kapitän?«

»Ja, Manny?«

»Sie sagten da etwas von einem Geschäft. Wollen wir in meinem Büro darüber sprechen?«

Jetzt hatte ich ihn also an der Angel. Mein Herzschlag hämmerte, und mein Mund war trocken. Ich mußte die Fäuste ballen, um meine zitternden Finger unter Kontrolle zu bringen; aber ich versuchte, so gut es ging, eine gleichgültig klingende Antwort.

»Wie Sie wollen. Ich hab’s nicht eilig.«

»Hier herein, Kapitän«, sagte Manny und schob mich durch eine ledergepolsterte Tür auf einen riesigen Neureichenteppich unter einem Leuchter aus Murano-Glas.

Die Vorhänge hatten Goldschnüre. Vor einem mit Einlegearbeiten verzierten Schreibtisch stand ein Stuhl in italienischer Walnuß mit hoher Lehne. Vor einem offenen Adam-Kamin stand ein sagenhaftes Sofa in Goldbrokat, und die Drinks holte man sich aus einem in die pastellene Holztäfelung verdeckt eingelassenen Schränkchen. Die Nobelschwulen von der King’s Cross hatten sich für Manny ins Zeug gelegt. Alles war echt, alles war teuer, und das Ganze machte einen ebenso harmonischen Eindruck wie das Foyer im ›Haus der Nationen‹... und war ebenso erdrückend.

Manny warf mir von der Seite einen Blick zu, während er sich über die Drinks beugte.

»Gefällt es Ihnen, Kapitän?«

Ich schnalzte mit der Zunge und sagte: »Es muß Sie eine Menge Geld gekostet haben, Manny.«

Er nahm das als Kompliment, grinste und sagte: »Das ist sogar mir unheimlich, wieviel. Aber immerhin arbeite ich hier, und deshalb meine ich, darf es ruhig etwas gemütlicher sein. Außerdem macht es Eindruck auf die Kundschaft.«

»Ich hätte nicht gedacht, daß Ihre Kunden jemals hier hereinkommen, Manny.«

Ich zwinkerte und lächelte ihm über den Rand meines Glases zu, mit dem sehr anzüglichen Von-Mann-zu-Mann-Lächeln, das einem Mann wie Manny die Brust anschwellen und ihn vergessen läßt, daß er sich kaufen muß, was andere Männer nur der Liebe wegen bekommen. Manny zwinkerte zurück und hob sein Glas.

»Auf die Mädchen... Gott segne sie!«

Wir tranken. Dann winkte Manny mich auf das Sofa, während er selbst mit dem Rücken an dem Adam-Kamin lehnte, die Ellbogen auf den Marmorsims gestützt. Ich kannte diese Taktik. Es ist schwer, im Sitzen jemandem etwas zu verkaufen, der steht. Sie sollten es einmal versuchen. Ich entschied mich, es mir so bequem wie möglich zu machen. Ich lehnte mich tief in den Goldbrokat zurück, schlug meine Beine übereinander und versuchte, entspannt dazusitzen, während ich darauf wartete, daß Manny das Gespräch eröffnete.

Mannys Augen waren wieder verschleiert wie die eines Vogels, so daß kein Leuchten und kein Glanz darin zu sehen war. Als er redete, war seine Stimme weich, beinahe liebevoll.

»In welchem Geschäftszweig sind Sie tätig, Kapitän?«

»Was tut das zur Sache?«

Manny zwickte die Spitze