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Eine halbe Stunde später brachte mir Mum mein Frühstück ins Zimmer. Zum Glück sah sie wieder ganz normal aus. Keine verschmierte Wimperntusche, kein Griesgramgesicht.
»Soll ich Berta und Niklas absagen?«, fragte sie netterweise.
Ganz die liebe kleine Lina, schüttelte ich den Kopf und dachte insgeheim: Oh ja bitte, tu’s! Tu’s für mich!
» Willst du nicht Ole Bescheid sagen? Er könnte mit uns ...«
»Nein, vielen Dank.«
Zwar war die Idee gar nicht mal übel, ich mit männlicher Verstärkung an meiner Seite, doch letztlich konnte mir Ole ja doch nicht helfen. Außerdem hätte er in seiner Panik, für meinen Verlobten gehalten zu werden, sowieso nicht mitgespielt. Meine neue Fast-Schwester Berta ... Wahrscheinlich hatte sie Glubschaugen, Warzen im Gesicht und fettige Haare. Wie peinlich, Ole so eine vorstellen zu müssen.
Nach dem Frühstück hatte ich mich immerhin wieder so weit eingekriegt, dass ich Mum bei den Vorbereitungen helfen konnte. Das Radio dudelte leise und außer »Gibst du mir bitte mal das Mehl?«, »Ach ja, und noch das Backpulver«, »Du, die Butter steht ganz hinten im Kühlschrank« redeten wir nicht viel. Das war wahrscheinlich auch besser so. Sonst hätte es doch nur wieder Streit gegeben.
Zum Mittagessen schmierten wir uns ein paar Brote, danach deckte ich den Esstisch im Wohnzimmer und faltete Servietten mit Blümchenmuster. Normalerweise tat ich so etwas nur zu Ostern und zu Weihnachten und schon gar nicht, wenn unliebsamer Besuch ins Haus stand, aber irgendwie lenkte es mich davon ab, dass der Zeiger der Uhr immer weiter vorrückte. Warum tuckerte mein Herz eigentlich wie verrückt? War Niklas etwa mein Lover?
Um drei sollte das Berta-