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Maggie spinnt. Jetzt gerade wieder. Sie steht vor ihrem Herzchen-Spiegel, dreht und wendet sich, wackelt mit den Hüften, mit dem Po, reckt ein Bein in die Luft – ich fange schon langsam an zu gähnen –, da stöhnt sie plötzlich: »Ich bin ja soooo fett!«
»Ach, Maggie«, tröste ich und streichele sie wie ihren Hund Ungeheuer. »Halb so schlimm.«
Doch auch das scheint sie nicht sonderlich zu beruhigen, und als ich noch die Binsenwahrheit Kommt Zeit, kommt Rat hinzufüge, schraubt sich ihre Stimme zu einem schrillen Sopran empor und keift: »Das ist schlimm! Sehr schlimm sogar! Ich bin breiig und unförmig, ich bin ein ...«
»Ja? Ja?? Ja???« Wie eine Dirigentin wedele ich mit den Armen. Dabei weiß ich sowieso schon, was kommt. Entweder wird sie sich mit einem Panzer vergleichen, wahlweise mit einer Regentonne, einem Walross auf Freigang oder einem Gebäckstück, das eine Überdosis Hefe abgekriegt hat.
Aber ich habe mich geirrt, denn Maggie kreischt jetzt, sie würde wie ein Sofakissen aussehen, ein altes, unförmiges Sofakissen. Ich erspare es mir, diesen Unsinn zu kommentieren.
»Hedi, du sagst ja gar nichts.« Maggie runzelt verwundert die Stirn. Normalerweise protestiere ich nämlich sofort, wenn sie mal wieder einen ihrer Schwabbel-und-Gewabbel-fünf-Minuten-Anfälle kriegt, und erkläre ihr, dass sie auch mit ihren Rundungen wunderschön aussieht – was auch der Wahrheit entspricht. Maggie hat welliges, blondes Haar (nicht eine gespaltene Haarspitze!), Augen so blau wie die Schutzhülle meines Schulheftes, mausespecksüße Grübchen und rote Apfelbäckchen. Sämtliche Omas und Tanten stürzen sich wie Furien auf sie, um sie abzuknuddeln, und wenn die Natur nicht schon das Kindchenschema erfunden hätte, könnte man Maggie glatt als Pr