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Ein unerwarteter Gast
In Wien, im dämmrigen Salon einer prächtigen Barockvilla in der Nähe der Hofburg, saß die Marquise Madeleine de Bréde mit gesenktem Kopf vor ihrem kleinen, spielerisch mit Ornamenten verzierten Sekretär. Die verhängten, wuchtigen Spiegel, die zugezogenen Vorhänge, die die hellen Strahlen des sonnigen Morgens aussperrten, verliehen dem hohen Raum eine gewisse Intimität und zugleich einen Hauch von spürbarer, gewollter Tristesse. Der mit kostbaren, französischen Antiquitäten, vergoldeten Louis XV Möbeln und wundervollen Gemälden ausgestattete Raum ließ ahnen, dass sein Besitzer ein passionierter Kunstsammler war, dem ein nicht unbeträchtliches Vermögen gestattete, sich diesem Vergnügen uneingeschränkt hinzugeben.
Madeleine betrachtete mit versteinerter Miene das blaue Briefpapier, das vor ihr lag, die sch