: Rita Hampp
: Tod auf der Rennbahn Lea Weidenbachs zweiter Fall
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955307738
: & Weidenbach
: 1
: CHF 3.60
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 288
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Schöne Frauen, edle Vollblüter, Geld, Champagner und Glamour - all das vereint alljährlich Ende August die Große Rennwoche in Baden-Baden. Doch diesmal wird die beschauliche Idylle vor den Toren der mondänen Stadt getrübt: Ein Gestütsbesitzer wird erstochen in seiner Pferdebox aufgefunden. War er in einen Dopingbetrug verwickelt? Oder war es eine Eifersuchtstat? Ein Fall für Kriminalhauptkommissar Maximilian Gottlieb, dem eigentlich nichts lieber ist als seine Ruhe, sein Rotwein und seine Zigaretten, wenn da nicht Lea Weidenbach wäre, die quirlige Polizei- und Gerichtsreporterin des 'Badischen Morgen', die ihm mit Hilfe ihrer rüstigen Vermieterin Luise Campenhausen nun schon zum zweiten Mal gehörig in die Quere kommt.

Hampp verbrachte ihre Kindheit in Wittmung und die Jugendjahre in Bad Mergentheim. Sie studierte zunächst Jura in Würzburg , brach ab und wurde Journalistin. Zwanzig Jahre lang arbeitete sie für die Main-Post, zunächst als Leiterin der Kitzinger Lokalredaktion und später überörtlich als Gerichtsreporterin. Es folgte ein mehrjähriger Aufenthalt in New York und Virginia, wo Hampp Book Publishing studierte. Seit 2000 lebt sie als Autorin mit Ehemann in Baden-Baden.

EINS


Sechs Stunden vor dem Mord saß Udo Retzlaff neben der Pferdebox auf einer umgedrehten Schubkarre und schluckte trocken, voller Sehnsucht nach einem Tropfen Bier. Er stützte seine Beine auf dem vor ihm liegenden Strohballen ab und versuchte, sich auf das Messer zu konzentrieren. Andächtig strich er mit dem weichen Lappen über Griff und Klinge.

Lange hatte er darauf gespart. Bläulicher, matt glänzender, dreihundertachtzigmal gefalteter Damaszener-Stahl, der ovale Griff kunstvoll gerundet und sanft schimmernd. Ein Meisterwerk. Wie es in der Hand lag! Und scharf war es, gefährlich scharf. Dieses Stück war sein ganzer Stolz, gerade hier, in dieser schäbigen Umgebung, die ganz im Gegensatz zu den glänzenden Kulissen Baden-Badens und der berühmten Rennbahn von Iffezheim stand.

Keiner der feinen Leute am Geläuf hatte eine Vorstellung davon, wie sie hier hausten, in Vierbettzimmern, ohne Privatsphäre. Aber er musste es aushalten, noch die ganze Woche. Order vom Chef, der natürlich in der Stadt in einem Fünfsternehotel residierte, obwohl er sich das gar nicht leisten konnte.

Am liebsten würde er sich davonstehlen, nur ganz kurz, nur für einen winzigen Trostschluck. Aber das ging nicht. Erst gestern hatte es deswegen Krach gegeben. Er brummte verärgert, als er daran dachte. Mit Kündigung drohen – ihm! Ausgerechnet ihm! Nach all den Jahren. Das war nicht fair.

Prüfend hob er das Messer und streichelte die Klinge ganz vorsichtig mit seinem Daumen. So scharf! So wertvoll! Als ein Sonnenstrahl die Schneide zum Funkeln brachte, blickte er sich ängstlich um. Niemand sollte das Messer zu Gesicht bekommen. Es gab überall Langfinger, bestimmt auch hier.

*

»Einen klitzekleinen Moment noch«, bat Marie-Luise Campenhausen und deutete mit dem gebogenen Gemüsemesser auf den Stuhl neben dem Küchentisch. »Setzen Sie sich doch, Frau Weidenbach. Das Ragout ist gleich fertig. Ich will nur noch schnell die Äpfel schneiden für das Kompott.«

Gehorsam nahm Lea in der gemütlichen Küche Platz und musste sich beherrschen, um nicht zum zehnten Mal zur Uhr zu schielen. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, sich heute von ihrer netten alten Vermieterin zum Mittagessen einladen zu lassen. Gleich eins! Um kurz nach zwei musste sie spätestens auf der Rennbahn in Iffezheim sein, um noch eine halbwegs gute Position für das Foto zu ergattern. Um drei würden die Zuschauer so dicht gedrängt um den Führring stehen, dass kein Durchkommen mehr möglich wäre. Das hatte ihr jedenfalls der Kollege von der Sportredaktion gesagt, dem sie den Termin zu verdanken hatte.

»Ist das nicht ärgerlich«, seufzte Frau Campenhausen, während sie die Äpfel in feine Spalten schnitt. »Ein Bridgeturnier ausgerechnet während der Großen Woche.«

»Heute geht es doch nur um die Goldene Peitsche. Schlimmer wäre es nächsten Sonntag beim Großen Preis«, versuchte Lea sie zu trösten, doch die alte Dame schüttelte unwirsch ihre weißen Löckchen.

»Das wäre ja noch schöner! Davon würde mich nichts und niemand abhalten. Trotzdem ärgert es mich.« Sie schnalzt