: Victoria Holt
: Der Teufel zu Pferde
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955305048
: 1
: CHF 4.50
:
: Erzählende Literatur
: German
: 320
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Die 18jährige Minella Maddock fristet ihr Dasein als Lehrerin adeliger Töchter im England des 18. Jahrhunderts. Ihr Leben ändert sich schlagartig, als sie eines Tages dem französischen Grafen Fontaine Delibes begegnet, der eine geradezu teuflische Faszination auf sie ausübt. Wird Minella dem 'Teufel zu Pferde' verfallen? Virtuos mixt Victoria Holt die Zutaten für diesen großangelegten Spannungsroman im historischen Gewand: Romantik und Spannung, Liebe und Hass, Leben und Tod bilden die Pole dieses aufregenden Romans: die gefährliche Leidenschaft einer jungen Frau für einen Mann, der sie unwiderstehlich anzieht - und dem sie niemals vertrauen darf!

Victoria Holt (eines von mehreren Pseudonymen Eleanor Burfords) wurde in London als Tochter eines literaturbegeisterten Kaufmanns geboren. Da mehr Bücher als Geld im Hause waren, begann sie früh zu lesen und bald auch selbst zu schreiben - anfangs Kurzgeschichten, später zahlreiche Romane, die Bestseller wurden und sie zu einer international berühmten Autorin machten.

Zwischenstation in Petit Montlys


1


Petit Montlys war eine bezaubernde kleine Stadt, die etwa hundert Meilen südlich von Paris im Schatten ihrer größeren Schwesterstadt Grand Montlys lag. Wir kamen Ende April dort an. Mit der Hilfe von Sir John hatte ich meine Möbel verkauft. Jenny hatte ich zu den Mansers gegeben, mit der Bitte, für sie zu sorgen. Sir John hatte mir einen guten Preis für Dower bezahlt und versprochen, sie mir für die gleiche Summe, die meine Mutter für sie aufgewendet hatte, wieder zu verkaufen, sobald ich nach England zurückkäme. Der Comte würde mir ein sehr ansehnliches Gehalt zahlen, und erst als diese Last von meinen Schultern genommen war, wurde mir bewußt, wie sehr meine finanzielle Lage mich bedrückt hatte. Mrs. Manser schüttelte mißbilligend den Kopfüber meinen Entschluß. Sie wußte natürlich nicht, daß Margot schwanger war, sie dachte vielmehr, ich würde eine Stellung als Gesellschafterin im Hause des Comte antreten. Dies war die Version, welche die Derringhams verbreiteten.

»Sie werden zurückkommen«, prophezeite sie.»Ich gebe Ihnen höchstens ein paar Monate. Bei uns wird immer Platz für Sie sein. Bis dahin werden Sie wissen, auf welcher Seite Ihr Brot mit Butter bestrichen ist.«

Ich küßte sie und bedankte mich bei ihr.»Sie waren mir und meiner Mutter stets eine gute Freundin«, sagte ich.

»Es gefällt mir gar nicht, wenn eine kluge Frau den falschen Weg einschlägt«, meinte sie.»Doch ich weiß, woran das liegt. Das macht die ganze Aufregung wegen Joel Derringham. Ich verstehe, was das für Sie bedeutet hat, und sehe ein, daß Sie für eine Weile von hier fort wollen.«

Ich ließ es dabei bewenden. Sollte sie nur glauben, daß sie recht hatte. Ich wollte ihr nicht zeigen, wie wohl mir zumute war. Wir fuhren mit der Postkutsche bis zur Küste und nahmen von dort ein Schiff nach Frankreich. Glücklicherweise hatten wir eine angenehmeÜberfahrt. Als wir auf der anderen Seite ankamen, wurden wir von einem Ehepaar mittleren Alters empfangen– offensichtlich treue Diener des Comte–, das uns auf unserer Reise begleiten sollte.

Wir kamen nicht durch Paris. Wirübernachteten in kleinen Gasthöfen, und nach mehreren Tagen erreichten wir schließlich Petit Montlys, wo man uns zum Haus von Madame Grémond brachte, die uns während der kommenden Monate beherbergen sollte.

Sie empfing uns aufs wärmste und bedauerte Margot, die nun Madame le Brun war, weil sie in ihrem Zustand eine solche Reise hatte auf sich nehmen müssen. Ich war froh, meinen eigenen Namen behalten zu dürfen.

Ich muß schon sagen, Margot schien ihre Rolle zu genießen. Sie hatte immer schon Gefallen am Theaterspiel gefunden, und dies war sicherlich der wichtigste Part, den sie je verkörpert hatte. Die Geschichte war folgende: Margots Gatte, Pierre le Brun, der den umfangreichen Besitz eines einflußreichen Edelmannes in Nordfrankreich verwaltet hatte, war bei dem Versuch, den Wolfshund seines Herrn aus den Fluten zu retten, ertrunken. Seine Frau hatte entdeckt, daß sie schwanger war, und da sieüber den Tod ihres Gatten untröstlich war, hatte ihre Cousine sie auf Anraten ihres Arztes vom Schauplatz der Tragödie fortgebracht, damit sie die Geburt ihres Babys in Ruhe erwarten konnte.

Margot vertiefte sich aus vollem Herzen in ihre Rolle. Sie sprach liebevoll von Pierre, vergoß Tränenüber seinen Tod und schilderte selbst den Wolfshund in aller Lebendigkeit.»Der gute, anhängliche Chon-Chon. Er war meinem Pierre so treu ergeben«, sagte sie.»Wer hätte gedacht, daß Chon-Chon eines Tages den Tod meines Liebsten verursachen würde.« Dann sprach sie davon, wie tragisch es sei, daß Pierre sein Kind niemals sehen würde. Ich hätte gern gewußt, ob sie dabei an James Wedder dachte. Die Reise war wahrlich anstrengend gewesen, und es war gut, daß wir sie zu diesem Zeitpunkt unternommen hatten; denn ein paar Wochen später wäre sie für Margot erst recht beschwerlich geworden.

Madame Grémond entpuppte sich als eine höchst diskrete Frau, und während der folgenden Wochen fragte ich mich oft, ob sie wohl die Wahrheit kannte. Sie war eine hübsche Person und mußte in ihrer Jugendäußerst attraktiv gewesen sein. Jetzt war sie etwa Mitte Vierzig, und mir kam der Gedanke, ob das, was sie tat, nicht wohl einem alten Freund– dem Comte natürlich– zuliebe war. Falls ich recht hatte, so war sie eine Frau, der er vertrauen konnte. Selbstredend kam mir auch der Gedanke, daß sie eine seiner zahlreichen Geliebten gewesen sein mochte, die er, dessen war ich sicher, gehabt hatte.

Das Haus war angenehm. Es war nicht groß, stand mitten in einem Garten und warüber eine Auffahrt zu erreichen. Obgleich es in der Stadt lag, verliehen ihm die Bäume, die es umgaben, eine gewisse Abgeschiedenheit. Margot und mir wurden im rückwärtigen Trakt des Hauses nebeneinanderliegende Zimmer zugewiesen, von wo aus man den Gartenüberblicken konnte. Sie waren nicht luxuriös, aber hinreichend möbliert. Es gab zwei Hausmädchen, Jeanne und Emilie Dupont, deren Aufgabe es war, uns zu bedienen. Jeanne neigte zu Schwatzhaftigkeit, während Emilie eher mürrisch war und kaum ein Wort sagte, wenn sie nicht angesprochen wurde. Jeanne nahm regen Anteil an uns; ihre kleinen dunklen Augen waren wie bei einem Affen, dachte ich– voll lebhafter Neugier. Sie scharwenzelte geschäftig um Margot herum, e