: Morris L. West
: Der Salamander
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302429
: 1
: CHF 3.60
:
: Spannung
: German
: 320
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Morris L. West hat mit seinem atemberaubend spannenden Roman 'Der Salamander' weltweit Begeisterung ausgelöst. Es geht um ein hochbrisantes Thema: einen Staatsstreich in Italien mit geradezu beklemmend realem Hintergrund... Oberst Dante Alighieri Matucci vom italienischen Geheimdienst gerät bei Nachforschungen zum mysteriösen Tod eines hochdekorierten Generals, Kopf einer neofaschistischen Verschwörerclique, in einen Strudel dramatischer Ereignisse. Die Entdeckung eines geheimnisvollen Emblems auf einem Kärtchen - ein gekrönter, flammenzüngelnder Salamander - führt Matucci zu einem einflußreichen Industriellen, der unter dem Decknamen 'Salamander' im Zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle im Widerstand gespielt hat. Mit ihm läßt er sich auf ein gefährliches Bündnis ein. Doch auch Intrigen und Morddrohungen können Matucci nicht von seinem Vorhaben abbringen, die Verschwörer zu entlarven - auch wenn er dabei sein Leben und seine Liebe riskiert... Große Hollywood-Verfilmung mit Franco Nero und Anthony Quinn in den Hauptrollen!

Morris Langlo West wurde 1916 in St. Kilda, Australien geboren. Mit 14 Jahren trat er in den Orden der Christian Brothers ein, der Katholizismus beeinflusste West nachhaltig. 1937 schloss er sein Studium an der University of Melbourne ab und unterrichtete anschließend moderne Sprachen und Mathematik an den Klosterschulen des Ordens in New South Wales. 1942 verließ er den Orden und kämpfte etwa zu dieser Zeit auch im Zweiten Weltkrieg, bis er 1943 Sekretät des früheren australischen Premierministers, Billy Hughes, wurde. Während seiner Zeit bei der Armee schrieb er ein Buch über sein Leben im Kloster, das er 1945 unter dem Pseudonym Julian Morris veröffentlichte. Etwa zur Zeit des Kriegsendes arbeitete er für den australischen Rundfunk, nachdem er jedoch wegen eines Zusammenbruchs ein Jahr im Krankenhaus gelegen hatte, verkaufte er sein Unternehmen und arbeitete fortan ausschließlich als Schriftsteller. Sein erster Gedichtband erschien 1955, gefolgt von den erfolgreichen Romanen 'Gallows on the Sand' im selben Jahr und 'Kundu' ein Jahr später. Mit dem Geld, das er mit den Romanen verdiente, reiste er ins Ausland und lebte einige Zeit in Österreich, Italien, England und den USA. Viele seiner Bücher sind von seiner Zeit in Italien inspiriert. Erst 1980 kehrte er nach Australien zurück. Wests Bekanntheit wurde durch einige Verfilmungen seiner Bücher noch gesteigert. Viele seiner Werke behandeln ethisch-religiöse Konflikte oder haben politische Brisanz. Am 9. Oktober 1999 starb Morris West in Sydney.

Zweites Buch


Die politische Praxis im Osten läßt sich durch ein einziges Wort definieren: Spiegelfechterei.

BENJAMIN DISRAELI,
Contarini Fleming

Wir fuhren nicht direkt nach Italien, sondern machten einen Umweg über Salzburg, wo Manzini ein Holzgeschäft mit einem österreichischen Sägewerkbesitzer besprechen wollte, und dann über den Brenner nach Mestre, wo eine seiner Gesellschaften ein Trockendock für kleine Tanker baute. Es war eine beschwerliche Fahrt, weil sich das Wetter verschlechterte und beiderseits der Alpen schwere Schneefälle niedergingen; auf den Straßen lag Schneematsch und stellenweise gefährliches Glatteis.

Manzini war jedoch gut gelaunt und entschlossen, wie er es ausdrückte, daß wir uns erst noch amüsieren sollten, bevor wir die Höhle des Löwen betraten. Er hatte eine Vorliebe für alte Legenden und lokale Geschichte, und er verstand die Kontinuität des Lebens und die Art, wie sich auch heute noch die alten, feudalen Familien in dem Omelette eines modernen Europa miteinander vermischten. Er erging sich nicht in leeren Phrasen, wie es alte Menschen gerne tun, sondern führte das Gesprächsthema stets zu einem vernünftigen Ende. Er war von Natur ein Dramatiker, und auch wenn er Dialoge und bestimmte Situationen erfand, hatte man das Gefühl, es könne wahrscheinlich so gewesen sein.

Immer wieder kehrte er in seine eigene Kindheit zurück, als ob er das tiefe Bedürfnis habe, sich von alten Zwistigkeiten zu reinigen und vergessene Freuden mit neuem Leben zu erfüllen.

»Ich bin in einer offenen Zeit aufgewachsen, Matucci, in einer toleranten und zynischen Stadt. Ich wohnte in einem Palais hinter den Condotti; in einem Haus voller närrisch-schwärmerischer Frauen, wo Männer nie fehlten. Ich hatte alle Illusionen, die man braucht, und keinerlei Schuldgefühl. In dieser Hinsicht, glaube ich, hatte ich eine glückliche Jugend. So merkwürdig es klingen mag, aber ich konnte besonders glücklich bei meiner Mutter sein. Es gab ihrer so viele, wissen Sie – jeden Tag eine neue.

Ich sehe sie noch vor mir, wie sie nackt in der Badewanne lag, glatt und appetitlich wie ein geschälter Pfirsich, singend und vor sich hin pfeifend und Champagner aus einem Glase trinkend, das auf einem Hocker neben der Badewanne stand. Ich erinnere mich, wie sie sich im Korsett und Kamisol, über und über mit Bändern und Spitzen geschmückt, vor dem Spiegel drehte und über meine Onkel plauderte ... Kein Knabe auf der ganzen Welt hatte so viele Onkel wie ich.

Da war der Oberst Melchior, der eine mit schwarzem Leder überzogene Hand aus Holz hatte, weil er seine Hand in Abessinien in der Schlacht von Adoba verloren hatte. Da war Onkel Burckhardt, der eine goldene Kette auf dem Bauch trug und ächzte, wenn er sich bückte, und schnaubte, wenn er redete, und meine Mutter zu Tode langweilte. Da war Onkel Freddie, der mir die erste Spielzeugeisenbahn kaufte und mir Schach beibrachte. Er war Engländer und hieß Phillimore; die Hausangestellten nannten ihn ›Engel des Papstes‹, weil er eine hohe Flötenstimme wie der Eunuchentenor im päpstlichen Chor hatte. Viele Menschen haßten ihn. Auch Mamma haßte ihn manchmal, weil er sehr boshaft sein konnte. Aber ich liebte ihn ...

Er tat mir eine neue Welt auf. Er nahm mich im Ruderboot auf den Tiber mit. Er unterrichtete mich als erster in Latein und Griechisch. Er zeigte mir, wie man auf Testaccio nach Tonscherben und alten Siegeln graben konnte. Er setzte sich mit mir im Forum auf eine umgestürzte Säule, ließ mich die Augen schließen und die Vestalinnen mit ihren Blumengirlanden und die Auguren sehen, die die Zukunft aus dem Vogelflug weissagten, und er zeigte mir Petronius, der elegant und eitel unter den Rednern herumstolzierte ... Eines Tages sagte er zu mir: ›Wenn du erwachsen bist, junger Mann, mußt du ein eleganter Mann werden, sonst würdest du mich sehr enttäuschen. Schau dort hinüber. Das ist deine Stadt. Du mußt dich ihr förmlich aufzwingen, wie es Petronius tat – mit Kopf, gutem Geschmack und einem Talent für Spott. Du mußt von der Stadt auch lernen – die Kunst des Überlebens und der täglichen Wiedergeburt. Wenn du deine erste Frau besitzt, laß sie eine Römerin sein, voll wildem Feuer, voller Tränen und Zärtlichkeit. Das ist eine Stadt der Spitzbuben. Lerne, selbst auch ein Spitzbube zu sein, wenn du mußt, aber sei um Gottes willen ein Spitzbube mit Stil.‹

Merkwürdig! Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen. Ich hatte natürlich keine Ahnung von Stil und dergleichen. Deshalb fragte ich ihn, was denn das sei. Er wies zum Himmel und sagte: ›Sieh dort