: Susanne Fülscher
: Die Kussagentur
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955301101
: 1
: CHF 1.80
:
: Jugendbücher ab 12 Jahre
: German
: 188
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Um ihr Taschengeld aufzubessern, eröffnen die Freundinnen Junko und Effi einen Kinobegleitservice für die Jungs aus ihrer Klasse. Kostenpunkt: 50 Cent. Doch die Sache hat einen Haken - ihre Kinokarten müssen die Mädchen selbst bezahlen, also machen sie unterm Strich Verlust. Eine neue Idee muss her und der Begleitservice wird auf Dinge ausgeweitet, die nichts kosten: Spaziergänge auf der Blumenwiese, Tanzpartnerin beim nächsten Schulfest, Begleiterin ins Schwimmbad, Schularbeitenhilfe etc. Doch schon beim ersten gebuchten Spaziergang geht alles schief. Leo, den Effi begleitet, versucht sie zu küssen! Das bekommt Effis Bruder Lukas mit, der nichts Besseres zu tun hat, als gleich in der ganzen Schule rum zu erzählen, dass man bei einem Spaziergang mit den Mädels das Küssen üben kann. Plötzlich boomt die Agentur und die Mädchen wissen gar nicht warum ...

Schreiben wollte Susanne Fülscher schon seit ihrem 12. Lebensjahr, aber erst nach einem abgeschlossenen Lehramtsstudium in Hamburg (Französisch/Deutsch) und einem Intermezzo als Kulturjournalistin setzte sie ihren ursprünglichen Berufswunsch in die Tat um und begann, Romane für Jugendliche zu verfassen. Rasch stellte sich heraus, dass das engagiert-emanzipatorische Mädchenbuch, frech, humoristisch und ohne erhobenen Zeigefinger, ihre Stärke ist. Stets geht es ihr in ihren Büchern darum, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen gerade in der heiklen Umbruchphase ihres Lebens zu stärken, Probleme ernst zu nehmen und unverblümt beim Namen zu nennen. Mehr als 60 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten für Jugendliche und Erwachsene sind bisher von ihr erschienen und in viele Sprachen übersetzt worden. Susanne Fülscher lebt heute als freie Schriftstellerin und Drehbuchautorin in Berlin.
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Seit drei Tagen haben wir Mai und ich denke, langsam müsste mal etwas passieren. Meine beste Freundin Junko behauptet nämlich, dass sich im Mai die grässlichsten, aber auch schönsten Dinge ereignen. Liebeskranke Tauben flattern vor Busse, Geister begegnen einem im Schlaf und zwölfjährige Mädchen kriegen so viele Küsse, dass sie es im Nachhinein kaum noch schaffen, all die kusswütigen Anwärter auseinander zu halten.
Möglich, dass Junko einen Knall hat oder der Monat einfach noch nicht weit genug fortgeschritten ist, denn weder habe ich irgendwo eine vom Bus zermatschte Taube entdeckt noch ist mir im Schlaf ein Geist begegnet, geschweige denn dass ich auch nur ansatzweise von einem Jungen geküsst worden wäre. Die bittere Wahrheit ist: Ich bin noch nie geküsst worden. Was an mehreren Faktoren liegen könnte:
– Mein Bruder Lukas – genannt der Mutant – wirkt abschreckend auf potenzielle Anwärter. Er gehört zu der Gattung Angeber, die sich am liebsten den ganzen Tag lang auf ihre (so gar nicht muskulöse und behaarte) Brust trommeln würde.
– Die winzige Wohnung, in der Mama, der Mutant und ich leben, wirkt abschreckend.
– Der Beruf meiner Mutter (Arzthelferin in einer orthopädischen Praxis) wirkt abschreckend. Hammerzehen, Krummrücken und verwachsene Hüften – um nur ein paar Beispiele zu nennen ...
– Ich selbst wirke abschreckend. Ständig Pickel am Kinn. Ständig Mitesser auf der Nase. Zwar lange, dafür aber sehr dünne Haare. Hautfarbe: frischkäsebleich.
– Wenn ich mit meiner Freundin Junko zusammen bin, fliegen alle nur auf sie. Japanerin. Exotisches Gesicht. Schöne, glänzende Haare. Außerdem ward noch nie ein Pickel in ihrem zauberhaften Antlitz gesichtet.
Wie üblich sitzen wir nach der Schule in Junkos türkisblauem Meerzimmer und langweilen uns. Wir langweilen uns so sehr, dass wir fast dazu bereit wären, noch ein paar Hausaufgaben mehr als verlangt zu machen. Vielleicht eine kleine, fiese Versuchsanordnung für Chemie aufzustellen, einen haarigen Dreisatz zu lösen oder grammatikalische Sonderfälle im Englischen zu pauken, bis uns die Ohre