: Petra Gerster, Christian Nürnberger
: Charakter Worauf es bei Bildung wirklich ankommt
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955303648
: 1
: CHF 3.60
:
: Gesellschaft
: German
: 262
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
«Ein anregendes Buch!» (Die Welt) Was das Herz, den Kopf, die Seele prägt... Hängt das Wohl unserer Kinder davon ab, dass sie schon im Kindergarten Englisch oder Chinesisch lernen? Petra Gerster und Christian Nürnberger sagen entschieden: nein! Bildung heißt nicht, Kinder lediglich für den Arbeitsmarkt fit zu machen. Es geht darum, sie zu echten Persönlichkeiten zu erziehen. Dieses Buch zeigt, wie eine innere Haltung, Mut und Originalität entstehen. Und wie der Charakter reift - ein Leben lang.

Petra Gerster, geb. 25. Januar 1955 in Worms. Die Tochter eines Arztes war während ihrer Schulzeit am humanistischen Rudi-Stephan-Gymnasium in Worms politisch aktiv: Sie kämpfte für mehr Mitbestimmung an ihrer Schule und erreichte beispielsweise die Teilnahme der Schüler an Notenkonferenzen. Nach dem Abitur 1973 studierte sie unter anderem als Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes Literaturwissenschaft, Germanistik und Slawistik an der Universität Konstanz, sowie in den USA und in Paris. Danach absolvierte sie ein Volontariat beim Kölner Stadtanzeiger. Eigentlich wollte sie Lehrerin werden. Nach ersten beruflichen Erfahrungen im Fernsehen beim WDR und beim BR übernahm Petra Gerster 1989 die Moderation des Magazins ML Mona Lisa im ZDF. Diese Aufgabe nahm sie zehn Jahre lang wahr und erhielt dafür unter anderem 1996 den Hanns-Joachim-Friedrichs-Prei . Seit dem 15. August 1998 ist sie als Hauptmoderatorin im Studio in der Hauptausgabe der heute-Nachrichten um 19 Uhr zu sehen.

Vorwort:
Charakter? Kein Thema


Noch nie ist es so sehr auf jeden Einzelnen angekommen wie heute. Noch nie hing so viel davon ab, dass möglichst viele Einzelne nicht nurüber Bildung, sondern auchüber Herzensbildung, Haltung, Anstand und Charakter verfügen, denn noch nie waren die vielen Einzelnen dieser Welt– Arme wie Reiche, Mächtige wie Ohnmächtige– so eng miteinander verflochten und aufeinander angewiesen wie heute.

Man kann das Jahr, seit dem das so ist, sehr genau angeben: 1989. Seit 1989 leben wir in einer anderen Welt. Ohne die Mauer, ohne den Kommunismus, ohne nationale Grenzen zumindest für Kapital, Waren und Dienstleistungen, mit dem Internet, mit einer Milliarde Chinesen, plus eine Milliarde Inder, plus Lateinamerikaner, Russen, Osteuropäer– das macht knapp drei Milliarden neue Konkurrenten für die alten Industriegesellschaften der westlichen Demokratien.

Aber erst jetzt, zwei Jahrzehnte später, merken wir: Zu dieser neuen Welt, die da entstanden ist, wollen unsere alten Demokratien nicht mehr so richtig passen, und das ist kein Wunder, denn dafür wurden sie nicht gemacht. Demokratien sind vor Jahrhunderten für souveräne Nationalstaaten entworfen worden, nicht für die komplexen, global vernetzten Hightechökonomien, in denen wir heute leben.

Diese sind für den Einzelnen schwer durchschaubar und für nationale Regierungen nur noch schwer steuer- und kontrollierbar. Darum sind die weltweit miteinander verflochtenen Volkswirtschaften ausgerechnet auf jene Ressource besonders angewiesen, die gerade stark im Schwinden begriffen ist: Vertrauen.

Der Vertrauensschwund hat zwei Ursachen. Die erste liegt im Wandel der Gesellschaft. Die ehemals klarstrukturierten,überschaubaren Gesellschaften mit den intakten sozialen Milieus der Arbeiterschaft, des Bürgertums, des Katholizismus, des Protestantismus und der regionalen Landsmannschaften samt der jeweiligen sozialen Kontrolle existieren nicht mehr. An ihre Stelle sind multi-ethnische und multikulturelle Individualisten-Gesellschaften getreten, die keine starke gemeinsame Idee mehr zusammenhält.

Die Beziehungen der Einzelnen in solch vielfältig zerstreuten Teilgruppen und -grüppchen sind weitgehend anonymisiert und verrechtlicht. Das erzeugt Fremdheitsgefühle und nährt Misstrauen.

Die zweite Ursache des Vertrauensschwunds steckt in der soeben kollektiv gemachten Erfahrung, dass der Markt den Markttest nicht bestanden hat.Über zwei Jahrzehnte lang wurde in geradezu ideologischer Manier den Menschen eingehämmert: Der Markt, der Markt, der hat immer recht. Irgendwann glaubte man an dieses Dogma– trotz gegenteiliger Erfahrungen. Schon die Blamage um jene berühmte Portokasse, aus der Bundeskanzler Helmut Kohl und Finanzminister Theo Waigel die Kosten der deutschen Einheit zu bestreiten gedachten, hätte für alle eine Warnung sein und Zweifel wecken müssen an den vielfach beschworenen«Selbstheilungskräften des Marktes», der ganz von selbst«blühende Landschaften» hervorbringen sollte.

Doch die Markt-Ideologen zeigten sich davon unbeeindruckt und stürzten die Welt ins nächste Desaster: die New Economy, die Milliarden und Abermilliarden Dollar und Euro verbrannte für den infantilen Glauben, man könneüber Nacht und ohne wirkliche Leistung ganz schnell an der Börse reich werden.

Aus Schaden wird man klug– nicht aber, wenn man zur Kaste der Macher und großen Wirtschaftsexperten gehört. Dann setzt man weiterhin unverdrossen auf sein Dogma und beschwört schließlich die Finanzkrise herauf, der die Griechenland- und die Eurokrise folgten.

Was daraus zu lernen ist, hat der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaft, Joseph E. Stiglitz, beschrieben:«Im Jahr 2009 wird uns wieder einmal klar, warum Adam Smiths unsichtbare Hand oft unsichtbar bleibt: weil es sie gar nicht gibt. Das eigennützige Streben der Banker führte eben nicht zum Wohl der Gemeinschaft, es war nicht einmal für Aktionäre von Nutzen. Ganz sicher nichts davon hatten die Hausbesitzer, die ihr Heim verloren; Arbeitnehmer, die ihre Jobs einbüßten; Rentner, die zusehen mussten, wie sich ihre Altersvorsorge in Luft auflöste, oder die Steuerzahler, die Hunderte Milliarden Dollar zur Rettung der Banken zahlen mussten.»1

Die«Mittel der Armen und Durchschnittsverdiener» seien«zu den Reichen dirigiert» worden. Arme und Durchschnittsverdiener«mussten genau jenen Institutionen Geld zukommen lassen, von denen sie vorher jahrelang abgezockt wurden– durch räuberische Kreditvergabe, Wucherzinsen bei Kreditkarten und undurchsichtige Gebühren. Und dann mussten die Steuerzahler auch noch zusehen, wie ihr Geld benutzt wurde, exorbitante Boni und Dividenden auszuzahlen».2

Fazit: Auch ein auf das Eigeninteresse des Einzelnen gegründetes System ist darauf angewiesen, dass jeder an seinem Platz so etwas wie ein Berufsethos zu verwirklichen bestrebt ist, die Folgen seines Tuns bedenkt und das eine oder andere Geschäft einfach einmal nicht macht. Wenn das nicht mehr geschieht, wird jene eigentliche Währung zerstört, die jeder monetären Währung erst ihren Wert verleiht: Vertrauen.

Das ist nun weg. Und das ist eine richtige Tragödie, denn gerade in einer Welt, die immer komplizierter und unübersichtlicher wird, muss der Einzelne darauf vertrauen können, dass der andere nichts Böses im Schilde führt, es gut mit ihm meint. Mehr als jede frühere Gesellschaft ist die unsrige darauf angewiesen, dass diese komplizierte Weltüberwiegend vo