: Morris L. West
: Die Konkubine
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302481
: 1
: CHF 3.60
:
: Spannung
: German
: 160
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Typisch Morris L. West: Ein meisterhaft erzählter Roman voller Spannung, Dramatik und Leidenschaft! Der Erdölexperte McCreary wird in Djakarta für eine private Bohrung angeheuert. Bald jedoch bemerkt er, daß er einem Schwindel aufgesessen ist. Doch aussteigen kann er nicht mehr - weil ihn sein Auftraggeber in einen Mord verwickelt hat. Als sich McCreary zudem in die schöne vietnamesische Geliebte seines Auftraggebers verliebt, bleibt den beiden nur ein Ausweg: Sie begeben sich auf eine Flucht voller lebensgefährlicher Abenteuer...

Morris Langlo West wurde 1916 in St. Kilda, Australien geboren. Mit 14 Jahren trat er in den Orden der Christian Brothers ein, der Katholizismus beeinflusste West nachhaltig. 1937 schloss er sein Studium an der University of Melbourne ab und unterrichtete anschließend moderne Sprachen und Mathematik an den Klosterschulen des Ordens in New South Wales. 1942 verließ er den Orden und kämpfte etwa zu dieser Zeit auch im Zweiten Weltkrieg, bis er 1943 Sekretät des früheren australischen Premierministers, Billy Hughes, wurde. Während seiner Zeit bei der Armee schrieb er ein Buch über sein Leben im Kloster, das er 1945 unter dem Pseudonym Julian Morris veröffentlichte. Etwa zur Zeit des Kriegsendes arbeitete er für den australischen Rundfunk, nachdem er jedoch wegen eines Zusammenbruchs ein Jahr im Krankenhaus gelegen hatte, verkaufte er sein Unternehmen und arbeitete fortan ausschließlich als Schriftsteller. Sein erster Gedichtband erschien 1955, gefolgt von den erfolgreichen Romanen 'Gallows on the Sand' im selben Jahr und 'Kundu' ein Jahr später. Mit dem Geld, das er mit den Romanen verdiente, reiste er ins Ausland und lebte einige Zeit in Österreich, Italien, England und den USA. Viele seiner Bücher sind von seiner Zeit in Italien inspiriert. Erst 1980 kehrte er nach Australien zurück. Wests Bekanntheit wurde durch einige Verfilmungen seiner Bücher noch gesteigert. Viele seiner Werke behandeln ethisch-religiöse Konflikte oder haben politische Brisanz. Am 9. Oktober 1999 starb Morris West in Sydney.

1


Als er erwachte, war es früher Nachmittag.

Das erste, was er sah, war der altmodische Ventilator, der langsam und völlig wirkungslos in der stickigen Luft rotierte. Er verursachte nicht den geringsten Luftzug, sondern nur ein schläfriges Summen, als wäre die Spindel abgenutzt und müßte geölt werden. Dann erkannte er das Sonnenlicht, das durch die Ritzen der Jalousien aus Spanisch Rohr hereindrang.

Das reichte fürs erste.

Er lag in einem Bett, in einem Zimmer mit Ventilator. Und es war Tag. Alles andere konnte warten, bis er wieder bei Kräften war, um sich damit auseinanderzusetzen. Er schloß die Augen wieder. Seine Zunge war trocken, und er hatte einen bitteren, metallischen Geschmack im Mund. Seine Haut hingegen war feuchtkalt und roch durchdringend. Als er versuchte, sich zu bewegen, zeigte es sich, daß seine Muskeln schlaff waren und nicht so recht gehorchen wollten.

Ihm fiel ein, daß er Fieber gehabt hatte.

Müßig sann er darüber nach, wie lange der Anfall gedauert hatte und ob jemand gekommen war, sich um ihn zu kümmern. Irgend jemand mußte das getan haben. Man hatte ihn ausgezogen, denn er lag nackt unter dem Leintuch. Irgendwie erinnerte er sich an Stimmen und daran, daß jemand ihm die Stirn abgetrocknet und den Kopf hochgehalten hatte, während ihm jemand anders ein Glas an die klappernden Zähne hielt. Hände und Stimmen, aber keine Gesichter und keine Namen.

Vorsichtig schlug er die Augen auf, und er drehte den Kopf. Er sah ein Nachtschränkchen aus rotem geschnitztem Holz, darauf einen halbvollen Krug mit Wasser und ein großes Glas. Er stemmte sich hoch, bis er saß, und schenkte sich Wasser ein. Seine Hand zitterte, der Krug klirrte gegen das Glas und etwas Wasser schwappte auf die Tischplatte. Das Wasser war eine Enttäuschung. Es war warm und fade, und auch den bitteren Geschmack hatte er noch im Mund, nachdem er getrunken hatte. Er stellte das Glas wieder hin und sah sich im Zimmer um: ein schmales Flügelfenster mit der Jalousie aus Spanisch Rohr davor, weiße Wände, ein Schrank, eine Frisierkommode und ein Schreibtisch – alles aus dem gleichen roten Holz; ein Stuhl aus Flechtwerk, darauf ein Kissen mit Batikbezug; zwei Türen, an einer davon ein gerahmter Anschlag.

Jetzt fiel ihm alles übrige wieder ein.

Er war in einem Hotel – dem Tanjil-Hotel in Djakarta. Er war von Pakanbaru auf Sumatra hierhergeflogen, und das Fieber hatte ihn ganz unversehens eine Stunde nach seiner Ankunft gepackt – eine zermürbende, zähneklappernde Agonie, die in Dunkelheit geendet hatte. Er hieß Mike McCreary, und er war ein Öl-Mann ohne Job.

Er trank noch ein Glas Wasser, schlug dann das Laken zurück, ließ sich aus dem Bett gleiten und hielt sich so lange am Nachtschränkchen fest, bis der erste Schwindel vorüber war. Dann ging er langsam über den glänzenden Fußboden zum Badezimmer hinüber. Aus dem Rasierspiegel starrte ihn ein ausgemergeltes gelbes Gesicht entgegen: ein irisches Gesicht mit leuchtenden, pfiffigen, tief in den Höhlen liegenden Augen, einer neugierigen Nase und einem dünnen Mund, der einnehmend grinsen konnte, wenn er glücklich war, und wie ein Tellereisen geschlossen blieb, wenn ihn etwas bedrückte wie jetzt.

Denn McCreary lag praktisch auf der Straße, war völlig pleite,