: Winston Groom
: Die letzten Tage des Sommers
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955306175
: 1
: CHF 4.50
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: Erzählende Literatur
: German
: 320
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein packender, bewegender Roman aus dem tiefen Süden der USA - meisterhaft erzählt von Winston Groom, dem Autor des unsterblichen 'Forrest Gump'! Seit Generationen sind die Holts die Herren von Bienville, Louisiana. Ihnen gehört das Land, ihr Wort ist Gesetz. Doch dann werden reiche Ölvorkommen nahe dem kleinen, verschlafenen Städtchen entdeckt - und zwar ausgerechnet auf einem Stück Land, das den Holts nicht mehr gehört. Der clevere und unerschrockene Anwalt Willie Croft ist der einzige, der es wagt, die Rechte der armen, schwarzen Pächterfamilie vor Gericht zu vertreten. Ein schier aussichtsloser Kampf, der schließlich in einem aufsehenerregenden Prozess entschieden wird...

Winston Groom wurde 1943 in Washington, D.C. geboren und studierte an der University of Alabama. Von 1965 bis 1969 diente er in der United States Army. Unter anderem kämpfte er auch im Vietnamkrieg. Groom veröffentlichte seit Ende der 1970er-Jahre einige Romane. Sein 1986 veröffentlichter Roman 'Forrest Gump' wurde 1994 unter demselben Titel von Robert Zemeckis verfilmt. Nach dem Welterfolg dieses Filmes veröffentlichte Groom im Jahr 1995 mit 'Gump& Co.' eine Fortsetzung. Daneben schrieb Groom auch viele nicht-fiktionale Werke, die sich unter anderem mit dem Zweiten Weltkrieg sowie der amerikanischen Geschichte und im Speziellen dem amerikanischen Bürgerkrieg beschäftigten.

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Bienville war keine Kleinstadt, aber auch keine richtige Großstadt. Die beiden nach katholischen Heiligen benannten Hauptstraßen liefen rechts und links an dem von Eichen umgebenen Promenadeplatz vorbei, auf dem aus alten Zeiten noch eine Kanone und ein Musikpodium standen. Es gab zwei große Kaufhäuser, eine Bank, ein Maklerbüro, Vertretungen der drei großen Automobilfirmen und ein Krankenhaus aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg. Kein Gebäude in der Stadt hatte mehr als zehn Stockwerke.

Die nächste richtige Großstadt war New Orleans, wohin die meisten Leute fuhren, wenn sie ihr Bedürfnis nach Kultur oder sündigen Vergnügungen stillen wollten. In Bienville gab es ein gutes und zwei schlechte Hotels, einen Stadtteil für Weiße und einen für Schwarze, der früher einmal – bis zur Erweiterung der Stadt nach Süden und Westen – ein »weißes« Viertel gewesen war. Ein paar Herrenhäuser aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg konnten besichtigt werden: die »Töchter der Konföderation« – die sich freilich fast nur noch aus Enkeltöchtern rekrutierten – boten öffentliche Führungen an. Vorstädte entstanden erst ganz allmählich, und Einkaufszentren auf der grünen Wiese gab es noch gar nicht. Man kaufte in der Stadt ein.

Einer weit verbreiteten Ansicht zufolge machte die örtliche Zeitung im Verein mit der Handelskammer jede Hoffnung auf ein florierendes Wirtschaftsleben zunichte. Die Zeitung wurde von selbstzufriedenen Konservativen herausgegeben, und die Handelskammer wurde von den größten Unternehmern am Ort beherrscht, einem guten Dutzend Personen, die dafür sorgten, daß sich kein Betrieb in der Stadt ansiedelte, der in Konkurrenz zu ihnen stand oder ihnen aus anderen Gründen nicht ins Konzept paßte.

Ein großer Teil der Einwohner bestand aus Katholiken – eine Hinterlassenschaft der Spanier und Franzosen. Außerdem traf man auf Episkopale, Presbyterianer und auch auf Fundamentalisten, die aus entlegenen, ländlichen Gebieten zugezogen waren. Es gab eine Freimaurerloge, einen Country Club und eine Matrosenmission.

Der Franzose, der Bierwille gegründet hatte, hätte einen angenehmeren Ort für die neue Stadt wählen können. Zwar sorgte das tropische Klima für üppige Gärten, Rasenflächen von sattem Grün und prachtvolle Bäume, doch da die Stadt in der Nähe eines großen Sumpfes lag, gab es Fliegen und Stechmücken in Hülle und Fülle. Im Sommer wurde es zudem so heiß, daß alljährlich ein Fotograf der Zeitung eine Aufnahme von einem Jungen machen konnte, der auf dem Bordstein ein Spiegelei briet, worüber sich dann ältere Damen ganze Abende lang unterhalten konnten, wenn sie unter einem Deckenventilator auf der Veranda beim Eistee saßen und die Glühwürmchen und Sternschnuppen betrachteten. Die Winter waren angenehmer, doch wenn das Thermometer einmal unter zehn Grad Celsius fiel, beeilten sich dieselben älteren Damen, ihre Sträucher mit Sackleinen abzudecken, und klagten schrecklich über die bittere Kälte.

Das Herzstück der Wirtschaft Bienvilles war der Hafen. Die Schiffe löschten ihre Fracht aus Südamerika, Westafrika und der Karibik und wurden mit Gütern aus Louisiana beladen. In Bienville waren ein paar Leute reich, viele arm, und die Mehrzahl lag irgendwo dazwischen. Die Angehörigen der weißen Mittel- und Unterschicht identifizierten sich mit den Reichen. An sich war ihnen klar, daß sie kaum Aussichten hatten, selber reich zu werden, doch sie träumten den amerikanisch