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Walter Mosca fühlte die Erregung und die letzte, überwältigende Einsamkeit vor seiner Heimkehr. Er dachte zurück an die wenigen Ruinen in den Pariser Vorstädten und an vertraute Wahrzeichen. Jetzt, am Ende seiner Reise, konnte er es kaum erwarten, ans Ziel zu kommen, die zerstörte Stadt zu erreichen, von der er geglaubt hatte, daß er sie nie wiedersehen würde. Die Wahrzeichen, die den Weg nach Deutschland wiesen, waren ihm vertrauter als die seines eigenen Landes, seiner eigenen Heimatstadt.
Der Zug brauste dahin. Es war ein Truppentransport mit Verstärkungen für die Frankfurter Garnison, aber der halbe Waggon war von Zivilbeamten besetzt, die man in den Staaten angeworben hatte. Mosca faßte an seine seidene Krawatte und lächelte. Sie war ihm ungewohnt. Bei den GIs am anderen Ende würde er sich wohler fühlen, und so, dachte er, empfanden zweifellos auch die meisten der etwa zwanzig Zivilisten, die mit ihm unterwegs waren.
An beiden Enden des Waggons brannte ein mattes Licht. Die Fenster waren mit Brettern verschlagen, so als sollten die Fahrgäste nichts von den riesigen Ruinenfeldern sehen, die sich zu beiden Seiten der Strecke ausbreiteten. Die Sitze waren lange Holzbänke, die nur einen schmalen Durchgang frei ließen.
Mosca streckte sich auf einer Bank aus und legte sich die kleine, blaue Reisetasche als Kissen unter den Kopf. Im matten Licht konnte er die anderen Zivilisten kaum erkennen.
Sie waren alle mit demselben Truppentransportschiff gereist. So wie er schienen es alle anderen kaum erwarten zu können, nach Frankfurt zu kommen. Sie redeten laut, um sich im Dröhnen des Zuges verständlich zu machen, und Mosca hörte, wie Mr. Geralds Stimme die anderen noch übertönte. Mr. Gerald war der ranghöchste Zivilbeamte. In seinem Gepäck führte er einen Satz Golfschläger mit sich, und auf dem Schiff hatte er alle Welt wissen lassen, daß sein Dienstgrad als Zivilbeamter dem Rang eines Obersten entsprach. Mr. Gerald war fröhlich und vergnügt, und Mosca sah ihn vor sich, wie er auf den Ruinen einer Stadt Golf spielte, wobei er die plattgedrückten, dem Erdboden gleichgemachten Straßen als Spielbahn und runde Schutthügel als Grün benützte und mit dem Putter den Ball sorgfältig in einen verwesenden Schädel trieb.
Der Zug passierte einen kleinen Bahnhof, wobei er seine Geschwindigkeit verringerte. Es war Nacht und sehr dunkel im Waggon. Mosca döste vor sich hin, und die Stimmen der anderen drangen nur undeutlich an sein Ohr. Doch als der Zug wieder schneller wurde, war Mosca plötzlich hellwach.
Die Zivilisten unterhielten sich jetzt ein wenig ruhiger, und Mosca setzte sich auf und richtete seine Blicke auf die Soldaten am anderen Ende des Waggons. Manche schliefen auf den langen Bänken, aber er sah auch um drei Gruppen von Kartenspielern drei Lichtkreise, die diesen Teil des Waggons in einen freundlichen Schimmer tauchten. Er empfand eine leise Sehnsucht nach dem Leben, das er so lang geführt und nun vor einigen Monaten aufgegeben hatte. Beim Schein der Kerzen konnte er sehen, wie sie aus ihren Feldflaschen