: Marcia Rose
: Im Haus des Vaters
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302993
: 1
: CHF 5.40
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: Erzählende Literatur
: German
: 512
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Ein großer, bewegender Roman um zwei Familien zwischen Leidenschaft und Gerechtigkeit, Liebe und Verzeihen. New York: Jonah ist ein vom Schicksal gestrafter, verbitterter Mann. Seine Frau Dorothy liebt ihn über alles, aber wie lange kann sie seine Bitterkeit noch ertragen? Verständnis findet sie einzig bei ihrer Tochter, sind doch auch in deren Ehe die Romantik und die Liebe abhanden gekommen. Als eine lange schwelende Familienfehde erneut ausbricht, beschließen die Frauen zu handeln ... Eine dramatische Familiengeschichte aus dem modernen Amerika vor einem gewaltigen Zeitpanorama: vom Nachkriegsidealismus über die McCarthy-Zeit und die Romantik der 70er Jahre bis in die Gegenwart. 'Marcia Rose versteht es meisterhaft, ihren Figuren Leben einzuhauchen, sie zu starken Charakteren zu formen. Große Emotionen vor einem stimmungsvollen, farbenprächtigen Hintergrund.' Publishers Weekly

KAPITEL 2


Sonntag, 12. Juli 1987

Die gespannte Erwartung im Wohnzimmer war buchstäblich mit Händen greifbar. Alle Gäste hatten sich hingesetzt, wo sie gerade Platz fanden; teilweise teilten sie sich sogar einen Sitzplatz, die Mehrzahl jedoch hatte es sich auf dem Fußboden bequem gemacht.»Lasst Cookie durch. Sie soll sich neben Dave setzen«, rief jemand.»Aber dann muss ichüber zehn Leute hinwegklettern«, wandte sie ein.»Es ist schon okay, ich setze mich hierher.« Sie ließ sich auf die Lehne des Sessels sinken, in dem ihr Vater saß. Der nahm ihre Hand– eineüberraschende Geste, die sie mit Freude erfüllte und zugleich ein wenig traurig stimmte.

»Und? Wie sieht’s aus, Cookele? Kommt mich dieser alte Starrkopf besuchen? Aber nein. Das wird er nicht tun, dazu ist er ja viel zu wichtig. Ich weiß schon, ich muss in seinen noblen Club gehen, hab ich Recht? Und du kannst Deena sagen, dass dein Vater das vielleicht auch tut. Wenn Jack Strauss mich auf Händen und Knien darum bittet, dann mach ich’s vielleicht.« Er lachte.

Cookie unterdrückte einen Seufzer, während sie die Vermutung beschlich, dass es nicht ganz einfach werden würde, die beiden alten Knaben zusammenzubringen. Aber der Applaus der Gäste beim Anblick der vertrauten Luftaufnahme von New York, die in diesem Augenblick auf dem Bildschirm erschien, ersparte ihr eine Erwiderung. Zumindest vorläufig.

Als Nächstes erschien Dick Wallachs vertrautes Gesicht und der Titel des Beitrags in fetten Lettern: AUFGEDECKT. Wieder brandete Applaus auf.»Wenn Sie den Beweis hätten, dass tagtäglich hilflose Kinder in ihren eigenen vier Wänden ermordet werden, würden Sie dann diesen Missstand nicht anprangern? Dave Adler hatte die Beweise dafür in der Hand und hat genau das getan. Dave Adler ist Sozialarbeiter und Mitarbeiter der Städtischen Sozialbehörde von New York und hat zahlreiche Fälle beobachtet, in denen Anzeigen wegen häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch nicht nachgegangen wurde. Nun, Dave Adler arbeitete für das System und vertraute ihm. Deshalb legte er seine Berichte bei den entsprechenden Behörden vor. Und war man ihm vielleicht dankbar dafür? Wurde er befördert? Nein, das wurde er nicht. Stattdessen wurde er in seiner Kompetenz beschnitten, man hat ihn geächtet, sein Gehalt auf die Hälfte gekürzt und seine Karriere zerstört. Und laut Dave passiert das jedem, der den Mund aufmacht.«

»Huh! So was nennt man heutzutage Nachrichten«, meinte Jonah, als das Gesicht des Reporters vom Bildschirm verschwand.»Aber habe ich das nicht auch schon früher gesagt? Glaubt mir, in Wahrheit gibt es nichts Neues mehr auf der Welt.«

»Shh, Jonah, das ist Daves Sendung«, meinte Dot, was zwar nicht ganz der Wahrheit entsprach, aber es war gut gemeint, dachte Cookie. Sie sah zu Dave hinüber, der auf dem Ehrenplatz mitten auf der Couch saß und gespannt den Bildschirm anstarrte. Eigentlich war der Fernseher viel zu klein für all diese Menschen. Dave hatte eines dieser Riesendinger mit 70-Zentimeter-Bildschirm haben wollen, aber Cookie hatte keine Lust, fast 1000 Dollar auszugeben, nur damit ein riesiges blindes Auge ihr gemütliches Wohnzimmer mit all den schönen mexikanischen Töpferwaren und dem hellen Teppich dominierte.

Dave starrte wie gebannt auf den Fernseher– wie ein Kind, das sich Zeichentrickfilme ansehen durfte, und ermahnte die Schlauköpfe, die ihre Kommentare abgaben, den Mund zu halten. Er sah so lebendig aus, und Cookie war froh, endlich wieder dieses Funkeln in seinen dunklen Augen zu entdecken wie damals, als sie sich kennen gelernt hatten. Das war ihr als Erstes an ihm aufgefallen– sein dunkler Teint und die Energie, die von ihm ausging. Sie waren einander im Bus auf dem Rückweg vom Marsch auf Washington begegnet, an dem Tag, als sie auch Deena getroffen hatte. Sie standen beide noch unter dem Bann der Magie dieses unglaublichen Tages, und es war Liebe auf den ersten Blick. Oder so etwas in dieser Art. Was auch immer es gewesen ist– sie waren bis zum heutigen Tag zusammen.

Sie betrachtete ihn so, wie sie es schon seit einer Ewigkeit nicht mehr getan hatte. Er war auf attraktive Weiseälter geworden; nur ein paar vereinzelte silberne Strähnen im Haar und im Bart, sonst nichts. Die dichten, kräftigen Locken waren etwas dünner geworden, aber er zeigte keine Anzeichen einer Glatze, wie so viele seiner Freunde. Und die vergangenen drei Jahre Training im Fitness-Club, die fünf Meilen, die er täglich lief, ob bei Sonne, Regen, Schnee oder Eis, hatten ihn muskulös werden lassen.

Das war auch den Frauen im Haus nicht entgangen.»Meine Güte, einen Mann mit so einem Körper zu haben muss ja ein echter Augenschmaus sein«, hatte Molly Santangelo mit ihrem losen Mundwerk bemer