1
Es war von Trüffeln die Rede gewesen, von Rotwein, von Ausflügen in den Wald, von viel frischer Luft und ausgiebigen Mittagspausen. Von Urlaub eben. Zwar hatte ich im Laufe meines Lebens kaum Ferien gehabt, zumindest keine richtigen. Aber ich war guter Dinge, meine kulinarischen Fähigkeiten ausweiten zu können auf hemmungsloses Genießen, eigentlich die ideale Freizeitbeschäftigung. Sich von Lust und Laune durch den Tag treiben zu lassen, nur auf den Magen zu hören, war doch der Inbegriff von Urlaub, oder nicht?
Ich hatte Eleonoras Versprechen geglaubt, ohne groß darüber nachzudenken, denn in diesen Dingen vertraute ich ihr blind. Meistens jedenfalls. Nach Abwechslung hatte es geklungen, raus aus dem Alltag, eine neue Gegend kennen lernen. Auch gegen ein wenig Kultur im Urlaub ist nichts einzuwenden, alte Kirchen besichtigen, Historisches schnuppern, etwas in der Art. Soll die Gehirnzellen anregen. Heißt es.
Und nun das. Ich stand neben Eleonora und blickte hinab in das schwarze Loch hinter der Tür. Eine Steintreppe führte nach unten, verlor sich in der Dunkelheit. Von unten zog ein feuchter Luftzug herauf, als hätte jemand gerade einen Kühlschrank geöffnet. Da sollte ich hinuntersteigen. Wo ich doch Finsternis ungefähr genauso liebe wie Spinat zum Frühstück.
»Mach schon, keine Angst. Ich gehe voran.« Meine Begleiterin schaltete ihre Taschenlampe ein. »Wir sehen uns nur ein wenig um. Vielleicht finden wir da unten etwas zur Geschichte dieses Gemäuers.«
Vielleicht. Vielleicht auch nicht. So genau wollte ich das im Moment gar nicht wissen. Mir war die Sonne hier im Klostergarten viel lieber, die Verlockung der duftenden Rosen, die Würze von Thymian und Rosmarin. Aber Eleonora war vom Forscherehrgeiz gepackt. Ohne sich nach mir umzusehen, ging sie die Treppe hinunter. Unerhört. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihr hinterherzumarschieren und darauf zu achten, den Lichtkegel nicht aus den Augen zu verlieren. Denn solch ein Urlaubsfreund war ich nun auch wieder nicht, dass ich der Erholung wegen in Kauf nahm, als Feigling dazustehen. Einen Angsthasen konnte man mich nun wirklich nicht nennen.
Die Kanten der Stufen waren stellenweise abgeschlagen, weißer Schimmelpelz kleidete die Wände, Staub und Schutt ließen das Treppenhaus wie den Zugang zu einer vergessenen Baustelle wirken. Dem Fäulnisgeruch nach zu urteilen waren diese Gemäuer seit langer Zeit von niemandem mehr betreten worden. Die Treppe lief in einen rechteckigen Raum aus, der von Säulen und Kreuzgewölben seine Struktur erhielt. Der Strahl der Taschenlampe erfasste die Reste einer Truhe, deren Einzelteile schon längst den Kampf gegen die Feuchtigkeit verloren hatten und nun am Boden dem Ende entgegenmoderten. Die Wände waren einst mit Bildern bemalt gewesen, die Farbreste bildeten nun ein Sprengsel von Flächen, das, unregelmäßig gezackt, mal blass, mal intensiv leuchtend, Formen und Gestalten geisterhaft schimmern ließ. Das Gesicht eines Engels leuchtete auf, überwölbt von blauen Flecken des Himmels, Figuren – wahrscheinlich Heilige – gruppierten sich um etwas, das die Jahrhunderte längst weggewaschen hatten. Fantasiewesen mit Schwanz – wohl Symbole für den Teufel – bleckten ihre Zähne, krallten sich an einem Körper fest, den sie offenbar nach unten in die ewi