: Paul Doherty
: Galerie der Nachtigallen Historischer Kriminalroman
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955308384
: Bruder Athelstan
: 1
: CHF 4.50
:
: Historische Kriminalromane
: German
: 258
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
London im Jahre 1377: Als ein reicher Kaufmann tot in seinem Schlafzimmer aufgefunden wird, muss natürlich der Coroner den merkwürdigen Todesumständen auf den Grund gehen. Cranston, der dauernd betrunken ist, wirkt auf den ersten Blick dumm und leicht zu übertölpeln, doch in Wahrheit ist sein Verstand so scharf wie sein Schwert. Zusammen mit dem ihm zugeteilten Sekretär Bruder Athelstan begibt er sich auf die Suche nach des Rätsels Lösung ...

Paul Charles Doherty, geb. 21. September 1946 in Middlesbrough, als viertes von neun Kindern. Seine Schulzeit absolvierte er in einem katholischen Internat. Anschließend jobbte er mit geringem Erfolg als Müllmann, Straßenkehrer, Busfahrer, Kellner und Knecht Ruprecht. Danach wollte er Priester werden, verwarf dies aber nach drei Jahren und studierte dann Geschichte in Liverpool und Oxford, wo er auch seine Frau Carla, eine Amerikanerin, kennenlernte. Nach dem Studium unterrichtete er in Berkeshire, Nottinghamshire und West Sussex und wurde 1981 zum Leiter der Trinity Catholic Highschool ernannt.

Einleitung


Der alte König lag im Sterben. Der Wind wehte das Gerücht die Themse hinunter. Bootsleute sprachen flüsternd davon, und die bauchigen, seetüchtigen Frachtkähne trugen die Kunde die Küste entlang. Edward schwand dahin; der große, blonde Eroberer Frankreichs, der neue Alexander des Westens, starb. Zu spät für diejenigen, die sein Mißfallen erregt hatten; ihre struppigen, blutverkrusteten Köpfe staken auf der London Bridge, und während die Raben nach saftigeren Happen wühlten, wurden die marmorbleichen Wangen schwarz.

Der große König – oder der große Halunke, das war Ansichtssache – wollte den Geist aus seinem betagten, stinkenden Körper nicht entweichen lassen. Der Hof war im Frühsommer 1377 nach Richmond gezogen, als der Wind nach Südwesten drehte und heftig und heiß von den trockenen Wüsten um das Mittelmeer heraufwehte. Die Pest war nach London gekommen; Männer und Frauen waren niedergesunken mit geschwollenen Lymphknoten und aufgeblähten Bäuchen, und sie hatten ihr Lebensblut ausgespuckt. Der König bekam es mit der Angst, als der Tod sich wie ein Meuchelmörder an seinen Hof schlich.

Edward begegnete ihm mutig. Er versuchte, sein fahlgelbes Gesicht anzumalen und hielt den Mund geschlossen, um seine zerbröckelnden schwarzen Zähne zu verbergen. Er kleidete sich in silbernen und weißen Taft, mit Gold bestickt, und frisierte sein früher hellblondes Haar, obwohl es ihm in zottigen, verschwitzten Strähnen auf die knochigen Schultern hing. Aber der Tod ließ sich nicht beschwichtigen. Hitze und üble Dünste vom Fluß umfingen seinen verfallenden Körper, und noch immer wollte der König nicht aufgeben. Hatte er nicht bei Crécy und Poitiers die Armeen Frankreichs zerschlagen? Ihren König gefangengenommen und hinter sich reiten lassen, als er, einem neuen Cäsar gleich, nach London zurückgekehrt war, um sich im Glanz seiner Heldentaten zu sonnen?

Edward saß auf Kissen in einem seiner großen Privatgemächer und nahm weder Essen noch Arznei zu sich. Ein Priester kam, huschte an der Wand entlang wie eine kleine schwarze Spinne, ein Tröster Hiobs, wenn es je einen gab.

»Euer Gnaden«, drängte er beharrlich, »Ihr müßt ins Bett.«

Edward fuhr herum wie ein alter Fuchs, die von einem Schlaganfall verzerrten Lippen unwillig gekräuselt.

»Verschwinde, kleiner Mann«, zischte er. »Der Tod wird mich niemals holen!«

Er blieb, wo er war, und starrte auf seinen Finger, wo der Krönungsring, der sich einst so tief in sein Fleisch gegraben hatte, kürzlich durchgesägt worden war. Seine Ehe mit dem Königreich war vorbei. Fünfzig Jahre lang hatte er das Zepter getragen und mußte es nun einem anderen übergeben.

Er schüttelte den Kopf und schaute auf seine Hände. Ringe aus Feuer schienen sie zu umkreisen. Der Tod schlurfte auf leisen Sohlen näher. Tapfer hielt Edward stand, wie er es dreißig Jahre zuvor bei Crécy getan. Er lächelte, als er sich erinnerte, wie seine Hauptleute »Los!« gebrüllt und seine Bogenschützen den lebendigen Tod in schwarzen Wolken gegen die vorrückenden Horden der Franzosen gesandt hatten. Er würde stehen, wie er es damals getan hatte. Der Tod würde ihn nicht holen, solange er stand. Das tat er f