2 Musashi: Das Buch der fünf Ringe
Steckbrief
Kurzbeschreibung:»Das Buch der fünf Ringe« ist Strategielehre, Schwertkunstschule und plakative Eigenwerbung in einem. Die technischen Erläuterungen zur Schwertkunst sind für Nicht-Schwertkämpfer wenig nützlich. Aus der Eigenwerbung lassen sich wertvolle Lektionen zur Rhetorik5 ableiten. Einzigartig sind MusashisÜberlegungen zur Strategie, die auf beliebige Konfliktsituationen anwendbar sind.
ZIELSYSTEM: Oberstes Ziel ist dieÜberwindung des Gegners im offenen Konflikt, also im Kampf.
ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:
1584: Geburt des Shinmen Musashi im japanischen Miyamoto:»Miyamoto Musashi«.
1591: Der Vater stirbt und Miyamoto kommt als Waisenkind zum Onkel, der Priester ist.
1597: Miyamoto tötet seinen ersten Samurai-Gegner im Kampf.
1612: Nachüber 60 Kämpfen– alle siegreich– gewinnt er durch List gegen einen der berühmtesten Kämpfer seiner Zeit.
1614: Musashi schlägt sich auf die Seite seines früheren Gegners Shogun Tokugawa Ieyasu. Dieser stirbt
1616 und hinterlässt seiner Familie die Erblichkeit des Shogunats.
1638: Führende Teilnahme Musashis an der Niederschlagung des Christenaufstands.
1643-1645: Musashi zieht sich aus dem aktiven Kampf zurück und führt bis zu seinem Tod ein Einsiedlerleben in einer Höhle. Dort verfasst er»Das Buch der fünf Ringe«.
Die 3 größten Stärken:
? Sehr pragmatisch: Das Ziel steht immer im Vordergrund, nie der Weg dorthin;
? Knapp und dicht: keine ausschweifenden Formulierungen;
? Hervorragend strukturiert und anschaulich durch einprägsame Vergleiche.
Die 3 größten Schwächen:
? Verengter Fokus: Zielsystem eingeschränkt auf offene Konflikte mit Gegnern;
? BegrenzteÜbertragbarkeit: Schilderung technischer Details des Schwertkampfes;
? Interpretationsaufwand: Rhetorische Lektionen müssen erst abgeleitet werden.
Schnittstellen mit anderen Schulen und Lehren:
? Parallelen zum»Hagakure«, das aber thematisch breiter und dafür eher oberflächlich ist. Musashi hingegen betrachtet nur den Konfliktfall, diesen aber umfassend.
? Parallelen zu Sun-Tsu, der mehr die Führungsaspekte betont und Konfliktlösungen ohne Kampf präferiert.
Wissen
Japan 1584. Die japanische Gesellschaft war damals ein Ständesystem aus Bauern, Kaufleuten, Handwerkern und Kriegern, den so genannten Samurai. Diese Profession war erblich. Das Land war im Aufruhr, denn die Lehnsfürsten (Daimyo) rebellierten gegen die Bevormundung des Shoguns, der die eigentliche Macht im Land innehatte und den politisch schwachen Kaiser kontrollierte. Zahlreiche Fürsten versuchten, die politischen Wirren zur Ausdehnung ihres Machtbereichs zu nutzen und sich benachbarte Fürstentümer einzuverleiben.
Erst dem mächtigen Shogun Tokugawa Ieyasu gelang es, die Fürstenarmeen aufzulösen und die Einheit des Reiches wiederherzustellen. Eine Folge der Auseinandersetzungen war es, dass viele Samurai (zu Deutsch:»Dienende« oder»Aufwartende«) ihre Lehnsherren verloren. Zwar behielten sie ihren Titel und genossen auch weiterhin eine Reihe von gesellschaftlichen Vorteilen, doch gefährdete dieser herrenlose Zustand ihre wirtschaftliche Existenz. Als»Ronin« (»wie die Wellen Wandernde«) suchten sie nach neuen Einnahmequellen, und so schössenüberall Schwertschulen wie Pilze aus dem Boden. Bald entbrannte ein heftiger Konflikt darüber, welche Schule die beste sei.
In diese Welt wurde Shinmen Musashi-no-kami Fujiwara no Genshin hineingeboren. Sein Geburtsort war Miyamoto, nicht weit entfernt von der alten Kaiserstadt Kyoto am Südende der Hauptinsel Honshu. Shinmen Musashi, später nach seinem Geburtsort Miyamoto Musashi genannt, war durch die Erblichkeit des Berufs wie sein Vater Munisai Musashi Samurai ohne Lehnsfürst, also Ronin. Auch wenn andere Ronin ihr Schwert abgelegt hatten und Künstler oder Handwerker wurden, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, entschied sich Miyamoto, seine Rolle zu akzeptieren. Sein Leben wurde eine faszinierende Erfolgsgeschichte: Mit 13 tötete er im Kampf seinen ersten Gegner, ein erfahrener und in Schwert und Speer geübter Samurai. Zahllose Kämpfe folgten, und Musashiüberlebte sechs Kriege, bis er sich mit fünfzig Jahren zur Ruhe setzte.
Inüberlieferten Berichten wird Musashi als wild und verwahrlost beschrieben. Er war mehr als nur ein unkonventioneller Lehrer, wie Sie gleich feststellen werden:»Ausschließlich mit der Vervollkommnung seiner Fähigkeiten beschäftigt, lebte er in fr