LIEBE IST PRIVATSACHE, SOLLTE MAN MEINEN. ABER GILT DAS AUCH FÜR JENE MÄNNER UND FRAUEN, die an der Spitze eines Staates stehen? Ihr Arbeitsalltag wird vonöffentlichen Auftritten und Entscheidungen bestimmt– ein Knochenjob, der großen persönlichen Rückhalt fordert. Doch wie viel privates Eheleben haben und hatten sie: die Clintons, die Grimaldis, die Goebbels, die Windsors oder Soraya und der Schah? Für sie alle wurde der»Bund fürs Leben« alles andere als alltäglich.
In ihrem Liebesleben erscheinen uns die Großen und Mächtigen zumeist näher und menschlicher als in anderen Bereichen: Hingabe, Leidenschaft, gegenseitige Bewunderung, aber auch Enttäuschungen, Fehltritte, Eifersucht– das sind Gefühle, die vielen von uns vertraut sind. Auch die bitteren Erfahrungen, wenn Träume zerplatzen oder Partner sich fremd werden. Die Gewalt solcher Gefühle erfasst alle, selbst die scheinbar unangreifbar Mächtigen eines Staates. Für viele Staatsführer ist das ein Dilemma, denn sie wollen als bedacht undüberlegt gelten, aber gleichzeitig nicht als gefühlskalt und herzlos erscheinen– Liebe ja, aber sie soll die Amtsausübung auf keinen Fall tangieren. DieÖffentlichkeit bekommt deshalb in der Regel ritualisierte Auftritte und die Fassade eines inszenierten Privatlebens zu sehen. Nur selten hebt sich der Vorhang ein wenig– am ehesten dann, wenn Ehen auseinander brechen. Und allzu oft wird dann deutlich, dass das Bild vom Traumpaar nur ein Zerrbild war. Trennen lassen sich Liebesleben und Amtsführung, privates Handeln undöffentliche Auftritte jedenfalls nicht– das zeigt die Geschichte der fünf Ehepaareüberdeutlich. Liebe und Macht sind bei den Obersten eines Staates stets miteinander verschränkt. Was passieren kann, wenn eine Liebes- zur Staatsaffäre gerät, zeigt das Beispiel der Clintons. Bill Clinton, seinerzeit der mächtigste Mann der Welt, musste vor derÖffentlichkeit bekennen, dass er eine Affäre mit seiner pummeligen Praktikantin gehabt und die Wahrheitüber diese peinliche Angelegenheit monatelang verschleiert hatte. In einer beispiellosen Schlammschlacht wurdenäußerst pikante Details publik. Hillary war binnen weniger Wochen von einer zwar nicht geliebten, aber doch respektierten First Lady zur wohl meistgedemütigten Frau Amerikas geworden. Und wie so oft hatte alles romantisch begonnen: Hillary und Bill hatten sich an der juristischen Fakultät in Yale Halsüber Kopf ineinander verliebt. Die begabte Juristin stellte ihre Karriere hintan und folgte ihrem Freund ins verschlafene Arkansas, wo er der Shooting-Star der politischen Bühne wurde: Mit 32 war Bill Clinton Gouverneur– auch weil seine Frau sich auf die ungeliebte Rolle der Landesmutter einließ. Ein Töchterchen krönte das Eheglück. Die Clintons schienen zu Höherem berufen, und 1992 folgte der Triumph: Clinton zog als 42. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus in Washington ein. Das Bild des kometengleichen Aufstiegs war freilich bereits zu diesem Zeitpunkt getrübt: Immer wieder hatten sich junge Damen zu Wort gemeldet, denen Clinton mehr als landesväterliche Liebe entgegengebracht hatte. Hillary aber stärkte ihrem Mann stets den Rücken– und blieb dennoch die Unbeliebtere von beiden. Gegenüber dem Sonnyboy an ihrer Seite hatte sie immer gegen den Ruf als unterkühlte und machtfixierte Frau ankämpfen müssen. Auch in Washingtonänderte sich daran nicht viel. Hillary galt als Bills machtbewusste Souffleuse. Mochte Clintons Regierungszeit politischüberaus erfolgreich verlaufen, drohten doch die privaten Belange dem Paar zum Verhängnis zu werden. Immer wieder hatten sich die Clintons Ermittlungsverfahren zu stellen, zunächst wegen dubioser Immobiliengeschäfte und Vetternwirtschaft, später wegen der außerehelichen Affären des Präsidenten. Im Januar 1998 schließlich der Skandal, der das Fass zumÜberlaufen brachte: Die Lewinsky-Affäre kostete Clinton beinahe sein Amt, vor allem aber seinen Ruf. Trotzdem stand seine Frau weiterhin hinter ihm. Sie kämpfte wie eine Löwin für ihn– und ihre Ehe. So ging sie selbst– zumindest in derÖffentlichkeit– gestärkt aus dem Skandal hervor. Ihr kontrolliertes Verhalten und ihre Treue brachten ihr Respekt ein. Hillary Clinton ist die erste ehemalige First Lady, die erfolgreich für ein politisches Spitzenamt antrat: Im Jahr 2000 gewann sie die Wahl um den New Yorker Sitz im Washingtoner Senat. Die Geschichte lehrt, dass altvertraute Klischees im Praxistest mitunter versagen: Frauen seien weniger analytisch als Männer? Was um Himmels Willen hat Hillary Clinton dann davon abgehalten,»kurzen Prozess« mit Bill zu machen? Eine Scheidung hätte wohl das politische Aus für den US-Präsidenten bedeutet. Doch es wäre vermutlich auch das Ende von Hillarys Träumen gewesen: von der eigenen politischen Karriere– und nicht zuletzt davon, die erste Präsidentin der US-Geschichte zu werden.Ähnlich kompliziert scheint der Fall bei der wohl größten Ehetragödie in Großbritannien zu liegen: Der unausgesprochene Gegensatz zwischen Kalkül und Liebe führte zu jenem Desaster, das dieälteste konstitutionelle Monarchie der Welt ins Wanken zu bringen drohte. Lady Diana Spencer liebte, ja vergötterte den Prinzen von Wales. Charles dagegen– von der Königin, derÖffentlichkeit und seinem fortgeschrittenen Alter zunehmend unter Druck gesetzt– sah in ihr vor allem die Frau, mit der er den Fortbestand der Windsor-