: Anne Chaplet
: Landlust letal 13 Geschichten aus der mörderischen Provinz
: Edel Elements - ein Verlag der Edel Verlagsgruppe
: 9783955302610
: 1
: CHF 4.50
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 177
: kein Kopierschutz
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
'Wem die Stunde schlägt in Königsborn', den erwarten zuerst ein 'Festtagsbraten' und dann 'Ein richtig schöner Tod'. Wahlweise kann es auch zum 'Countdown in Selm' kommen, denn es gilt nach wie vor: 'In Barmen kein Erbarmen'... Schon die Titel von Anne Chaplets meisterhaften Krimi-Geschichten lassen den Schluss zu, dass falsch liegt, wer das Landleben für friedlich und idyllisch hält. Typisch Städter eben. Die wird Anne Chaplet, die vielfach preisgekrönte deutsche Krimi-Schriftstellerin, mit ihren grandiosen Stories aus der mörderischen Provinz auf spannendste Art eines Besseren belehren. 'Ihre Krimis gehören zum Besten, was das Genre in diesem Land zu bieten hat. ' (Brigitte) 'Anne Chaplet schreibt 'spannend, humorvoll und facettenreich!' (Hamburger Abendblatt) 'Hohe Krimikunst, und nur wenig beherrschen sie hierzulande so gut wie Anne Chaplet.' (Tagesspiegel)

Anne Chaplet ist ein Pseudonym von Cora Stephan. Unter diesem Pseudonym veröffentlich die Autorin Kriminalromane.

In Barmen kein Erbarmen


Der Schmerz in seinen Fingern hatte sich mittlerweile in jede Nervenfaser seines Körpers eingebrannt. Seine Linke hing kalkweiß herunter, gestreift von schwarz geronnenem Blut. Die rechte Hand zitterte. Wenigstens haben sie links und nicht rechts angefangen, dachte Victor Frank und versuchte, das Zittern zu kontrollieren, damit er schneller arbeiten konnte. Loch für Loch stanzte er in den Pappstreifen, der das Programm enthielt, das die Bandwebmaschine antrieb. Die„Banditin“, wie er sie nannte, war seine Favoritin, hier im oberen Saal des Wuppertaler Museums für Frühindustrialisierung. Mit ihr fertigte er nach Feierabend oder auch mal am Wochenende Bänder in den Farben und mit dem Logo der beliebtesten Fußballvereine an– die Fans waren ganz scharf darauf und bestellten wie die Irren. Jedes Wort auf dem gewebten Band und jedes Muster in jeder Farbe konnte man mit der Stanzmaschine programmieren, vor der er jetzt stand, obwohl er sich kaum aufrecht halten konnte. Kürzlich hatte er grün-weiße Bänder für den SC Salingia Barmen 08 programmiert und sich zweimal verschrieben dabei. War„Salingia“ vielleicht ein Name für einen Fußballverein? Egal: Diesmal durfte er sich bei dem, was er stanzte, nicht verschreiben.
Diesmal ging es um sein Leben. Victor Frank hob den Kopf und blickte auf die Wand hinter der Hollerithstanze. Nein, es ging schon lange nicht mehr um sein Leben. Nur noch um das Leben danach. Um seine Rache.

„Jetzt lassen wir die Puppen tanzen!“ Slavek hatte Roko zugenickt, der breit grinsend den Hebel herunterzog. Mit einem unwilligen Knurren setzte sich die„Puppenkönigin“ in Bewegung, eine Flechtmaschine aus dem 19. Jahrhundert, mit der Victor zuletzt blau-weiße Schnürsenkel für die Fans von Schalke 04 angefertigt hatte. Exklusiv. Ja, bei ihm war alles exklusiv. Auch sein Tod. Exklusiv und exquisit, vor allem was die Schmerzen betraf.
Die Flechtmaschine veranstaltete ein lustiges Marionettentheater, wenn man sie in Gang gesetzt hatte. Dann tanzten die„Puppen“– Spulen mit Garn verschiedener Farben– auf den Spindeln, die in rasender Geschwindigkeit kreisten und dabei vor-, zurück-, zur Seite sausten. Die Spindeln saßen auf einem sternförmigen Rad und wurden von vier mechanischen Armen je nach Programm hierhin und dorthin bewegt, sodass sich die Fäden, die sie trugen, zu einem dichten Geflecht verbinden konnten.
„Und wie sie tanzen!“ Roko strahlte Victor an, fasste seine linke Hand und zog ihn näher heran.
Die Puppenkönigin war eine geniale Erfindung, eine Erleichterung und ein Segen für die Bandflechter und Schnurmacher– das Flechten von Kordeln, Schnüren und Riemen war schließlich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Kinderarbeit gewesen. An Folter hatte ihr Erfinder sicher nicht gedacht, als er sie erschuf. Schon eher an höhere Produktivität. Und an den Profit dabei.
„Da will man doch glatt mittanzen, oder?“ Slavek. Er schien die Sache zu genießen.

Victor hatte sich nicht lange gewehrt. Er wusste, dass er gegen die beiden keine Chance hatte. Ein paar Lidschläge lang hoffte er, dass die Maschine automatisch stoppte, wenn etwas Festeres als Garn zwischen die zuckenden Metallspindeln geriet. Doch die K&oum