Samstag, 08. November 1975
Die „Babalu“-Bar stank nach Schnaps, Schweiß und Glimmstängeln. Am Tresen und an den runden Tischen war die übliche Kundschaft versammelt. Osteuropäische Kriminelle mit gefälschten Pässen, rauschgiftsüchtige GIs, Zuhälter, Dealer und Prostituierte auf der Jagd nach schnellem Geld. Zur Melodie von „Fly, Robin, Fly“ tanzte ein blutjunges Mädchen auf einem rotbeleuchteten Steg und ließ mehr oder weniger gekonnt die Hüllen fallen. Ab und zu glitten lüsterne Blicke über ihren halbnackten Körper. Mich konnten die Kurven der Stripperin nicht ablenken. Hochkonzentriert, mit angespannten Muskeln, bewegte ich mich im Slalom durch die Ansammlung der halbseidenen Gestalten. Stets darauf bedacht, ob unter irgendeinem Jackett der kalte Stahl eines Revolvers aufblitzen würde. Die Spelunke in der Moselstraße war für mich feindliches Gebiet, denn ihr Besitzer wollte meinen Tod. Alle nannten ihn „Zappa“ wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Rocker Frank Zappa. Eigentlich hieß er Simon Zapatka, stammte aus Tel Aviv und hatte sich in Frankfurt als einer der führenden Unterweltbosse etabliert. Zappa beherrschte das Bahnhofsviertel. Ihm gehörten Bordelle, Spielcasinos, Restaurants und Immobilien. Nebenbei handelte er mit Drogen, Waffen und Mädchen. Dank vorzüglicher Beziehungen zum Geldadel unserer Stadt gelang es Zappa immer wieder einer gerechten Strafe zu entkommen, indem er Zeugen kaufte und Beweismittel verschwinden ließ. Offene Rechnungen mit Konkurrenten pflegte der Rotlicht-König in Blei zu begleichen. Auch der Name „Joe Platow“ stand weit oben auf seiner Abschussliste, weil ich nicht käuflich war und geschworen hatte, ihn zur Strecke zu bringen. Ich wusste, dass Zappa ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt hatte. Womöglich wol