: Eike Bornemann
: Zeit der Diebe
: Ulrike Helmer Verlag
: 9783897419889
: 1
: CHF 8.90
:
: Krimis, Thriller, Spionage
: German
: 250
: Wasserzeichen
: PC/MAC/eReader/Tablet
: ePUB
Bianca, die alle nur Boi nennen, durchstreift mit ein paar Jungs das Potsdam der Nachwendezeit. Was die Clique um sie und ihren Bruder Sinon in Fabrikruinen und leeren Häusern findet, wird zu Geld gemacht. Bald helfen die Jugendlichen dem Zufall nach. Aus Entwurzelten werden professionelle Diebe. Als die Bande eines Nachts in einen Laden einsteigt, führt sie das in den Dunstkreis von Mord.

Angaben zur Person: Eike Bornemann, 1973 bei (Ost-)Berlin geboren, wuchs in Brandenburg, Mecklenburg und Thüringen auf. Er studierte Bibliothekswesen, schnupperte an der Filmwissenschaft und arbeitete in diversen Berufen. Sein Hobby ist Boxen. Er schreibt und publiziert seit Jahren, war Preisträger des 13. Literatur-Forums Hessen-Thüringen, 1997 sowie 1998 im Finale des Open-Mike (LiteraturWERKstatt Berlin).

1. Kapitel


Die Diebe bilden eine besondere Klasse der Gesellschaft: Sie tragen zur Entwicklung der sozialen Ordnung bei, sie sind das Öl ihres Getriebes. Wie die Luft dringen die Diebe überall unbemerkt ein: Sie bilden inmitten der Nation ein Volk für sich.

– CODE DES GENS HONNÊTES

Wenn dich damals dein Weg in die Innenstadt und in die nördliche Vorstadt geführt hätte, wärst du auf Straßenzüge gestoßen, die aussahen, als hätten die Bewohner sie nach einer Katastrophe verlassen. Die Türen und Fenster in den unteren Stockwerken waren mit Sperrholzplatten vernagelt. In den oberen Etagen bewegte der Wind schmutzige Gardinen hinter zerbrochenem Glas. Aus einer Dachtraufe wuchs eine junge Birke. Zwischen kaputten Gehwegplatten wucherte Gras. An einer Hauswand hatte jemand die Botschaft »Hier beginnt der soziale Aufstieg« hinterlassen, und es war dieselbe Handschrift, die an der Wand des Maschinenhauses der ausgebrannten Fabrik verkündete: »Lang lebe der Fortschritt!«

Es gab keinen Fortschritt, aber es hatte ein Fortschreiten gegeben. Von Jahr zu Jahr waren die abendlichen Lichter in den Fenstern, war das Flackern von Fernsehern hinter den Vorhängen weniger geworden. 1989 wohnten in Potsdam noch fast 143.000 Menschen. Ein Jahr später war bereits die 140.000-Marke deutlich unterschritten, und 1995 waren es weniger als 136.000. Das in der nördlichen Vor